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Bisher steht das Hochhaus der Europäischen Zentralbank weitgehend als Solitär im Ostend. Die Stadt Frankfurt überlegt nun aber, einen weiteren, dritten Hochhaus-Pulk hier im Umfeld des Ostbahnhofs zu erlauben.

Ostbahnhof

Neue Hochhäuser rund um die EZB? Nicht alle sind von der Idee begeistert

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Die Idee eines dritten Hochhaus-Pulks am Ostbahnhof in Frankfurt sorgt in der Stadt für Skepsis. Andere sind von der Idee begeistert.

  • Die EZB soll Wolkenkratzer-Nachbarn bekommen
  • Die Hochhaus-Idee sorgt in Frankfurt für Diskussionen
  • Stadtbild könnte sich massiv verändern

Frankfurt – Ein dritter Hochhaus-Pulk könnte am Ostbahnhof in Frankfurt entstehen. An dieser Idee tüftelt man im Stadtplanungsamt. So könnte sich das Stadtbild massiv verändern. Das sorgt bei einigen für Skepsis, andere sind begeistert: Der derzeit wohl wichtigste Frankfurter Architekt fordert Wolkenkratzer im Ostend.

Frankfurt: Rund um die EZB können neue Hochhäuser gebaut werden

Der Leiter des Stadtplanungsamts, Martin Hunscher, hatte vorige Woche bei einem Fachkongress erklärt, dass rund um den Ostbahnhof in Frankfurt neue Standorte für Hochhäuser ausgewiesen werden könnten - neben weiteren im Bankenviertel und im Bereich Messe/Mainzer Landstraße.

Ein dritter Hochhaus-Pulk am Ostbahnhof würde das Stadtbild zweifellos stark verändern. "Ein heißes Eisen", zischt Torsten Becker, Vorsitzender des Städtebaubeirats. Das Thema sei "schwierig". Voriges Jahr habe das nicht öffentlich tagende Beratungsgremium der Stadt die Idee weiterer Hochhausstandorte im Ostend besprochen. "Das wurde sehr kontrovers diskutiert, auch wegen der Nähe zu den angrenzenden Wohngebieten", erklärt Becker.

Über Details aber "haben wir noch nicht diskutiert", sagt der Beiratsvorsitzende. Weshalb er sich namens des Gremiums auch nicht äußern könne. Die Details wird die Stadt erst mit der Fortschreibung des Hochhaus-Rahmenplans vorlegen. Dessen Entwurf werde "Ende diesen, Anfang nächsten Jahres" fertig, kündigt Mark Gellert an, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD).

Hochhaus in Frankfurt: EZB soll Alleinstellungsmerkmal behalten

Er betont: Bislang denke man nur grundsätzlich über die Option eines dritten Hochhaus-Pulks nach, jedoch noch nicht in Details - auch nicht, wie viele Meter hoch die Hochhäuser gebaut werden. "60 oder so" seien denkbar, erklärt Josefs Sprecher. Ein weiterer Hochhaus-Pulk "ist kein Widerspruch dazu, dass die EZB ihr Alleinstellungsmerkmal hat und auch weiterhin haben wird".

Dass der 185 Meter hohe, 2014 eröffnete Neubau der Europäischen Zentralbank an der früheren Großmarkthalle ein Solitär sein soll, hatte sich nicht nur die EZB gewünscht. Das haben auch die Stadtverordneten festgelegt. "Das ist so beschlossen und das wird so erhalten bleiben", sagt Mark Gellert.

Ohnehin seien im EZB-Umfeld bereits weitere Hochhäuser vorgesehen, erinnert der Sprecher des Dezernenten. So könne die EZB selbst noch ein kleineres Hochhaus auf ihrem Gelände errichten. Auch soll auf der Molenspitze des Osthafens ein 60 Meter hohes Hotel namens "Waterfront" entstehen. Ein weiterer 60-Meter-Turm ist an der Nordseite des Honselldreiecks direkt an der Hanauer Landstraße vorgesehen - vis-à-vis des Ostbahnhofs. Für dieses läuft seit einem Monat der Architektenwettbewerb. Zudem werden im Hafenpark-Quartier an der Mayfarthstraße zwei 58 und 52 Meter hohe Wohn-Hochhäuser gebaut.

Frankfurt Ostbahnhof: EZB könnte Hochhaus-Nachbarn bekommen – Mäckler gegen Höhenbeschränkung

Es ist beileibe nicht nur Skepsis, die der Idee entgegenschlägt. Ob er sich einen weiteren Hochhaus-Pulk am Ostbahnhof vorstellen könne? "Ja, natürlich", sagt Architekt und Stadtplaner Christoph Mäckler. "Das Gebiet lässt sich fantastisch entwickeln." Diese "zurzeit nicht attraktive Ecke" biete sich an, um städtebaulich "mehr Attraktionen in Form von Hochhäusern einzubringen".

Prinzipiell sei es besser, in die Höhe zu bauen, als mehr Fläche am Stadtrand zu verbrauchen. "Die Stadt wächst doch", erinnert Mäckler. "Wir müssen ja den Bedarf an Wohn- und Büroraum decken."

Der Architekt ist bundesweit erfolgreich und hat in Frankfurt jüngst die Goethehöfe samt Romantik-Museum gebaut. Aktuell ist Terminal 3 am Flughafen nach seinen Plänen in Arbeit. Von Mäckler stammen zudem zwei der Hochhäuser der Skyline: der Opernturm (170 Meter) von 2010 und der 2012 eröffnete Tower 185 (200 Meter).

EZB-Hochhaus in Frankfurt: „Sie ist doch schon heute kein Solitär mehr“

Die EZB als Solitär zu erhalten, lehnt Mäckler ab. "Sie ist doch schon heute kein Solitär mehr, es gibt in der Nähe das Hochhaus auf dem alten Schlachthofgelände und das Schwesternhaus von Heiliggeist." Mäckler mahnt, von "dieser ganzen parteipolitischen Diskussion" solle man "runterkommen". Beschränken solle die Stadt Gebäudehöhen nur, wenn Probleme mit Frischluftversorgung oder Verkehrserschließung drohten oder um im Stadtzentrum die Wirkung historischer Bauten wie Dom oder Paulskirche zu schützen. Rund um den Ostbahnhof aber fordert er Mut zu Wolkenkratzern. "Ich halte nichts von einer Höhenbegrenzung dort."

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

Die Skyline in Frankfurt hört nicht auf zu wachsen. Ebenfalls im Bau in Frankfurt ist das Hochhaus „One“. 49 Stockwerke soll das „One“ einmal haben. Die Dachterrasse in 190 Metern Höhe soll allen offen stehen. An der Spitze wird es eine Skybar geben. Der Bau wurde jetzt genehmigt: Frankfurt bekommt vier neue Hochhäuser. Sie sollen mitten in der Innenstadt gebaut werden. Das geplante Hochhaus-Hotel (Projekt „Waterfront“) am Osthafen in Frankfurt erntete heftige Kritik.

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