Franziska Scarpello, Inhaberin der Traditionsfleischerei Gref-Völsing, steht direkt vor der Ladentür an der Hanauer Landstraße in Frankfurt. Graue Metallpoller trennen nun Radweg und Bürgersteig von der Straße. Die Parkplätze sind verschwunden. 
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Franziska Scarpello, Inhaberin der Traditionsfleischerei Gref-Völsing, steht direkt vor der Ladentür an der Hanauer Landstraße in Frankfurt. Graue Metallpoller trennen nun Radweg und Bürgersteig von der Straße. Die Parkplätze sind verschwunden. 

Hanauer Landstraße

Parkplätze müssen Radfahrern weichen –Kritik von Geschäftsleuten

Auf Teilen der Hanauer Landstraße in Frankfurt können Autos nicht mehr auf dem Bürgersteig parken. Bei Geschäftsleuten sorgt das für Kummer. Probleme macht obendrein die Sanierung des Osthafenplatzes.

  • Eine Baumaßnahme auf der Hanauer Landstraße in Frankfurt sorgt für Diskussionen
  • Autos dürfen dort nicht mehr auf dem Bürgersteig parken
  • Geschäftsleute fürchten deshalb um Kunden

Frankfurt - An großen Teilen der Hanauer Landstraße in Frankfurt stehen seit einer Zeit Poller, die die Straße vom Bürgersteig abgrenzen. Der Grund ist deutlich: Autos können so nicht mehr parken und damit den Radweg auf dem Bürgersteig verkleinern. Doch das sorgt auch für Probleme.

Franziska Scarpello ist zwiegespalten wegen der Veränderungen direkt vor ihrer Ladentür. Vor der Traditionsfleischerei Gref-Völsing trennen nun graue Metallpoller Radweg und Bürgersteig klar von der Straße ab. „Ich freue mich, wenn die Leute Fahrrad fahren, aber diese Regelung ist problematisch“, findet sie. „Durch diese Bepollerung sind massig Parkplätze weggefallen, die eigentlich da waren. Schließlich sind die Hanauer und der Bürgersteig breit genug.“ Sie sei eine große Freundin des Radfahrens, doch vor der Maßnahme der Stadt habe eigentlich alles gut funktioniert. „Wir werden jetzt sehr häufig von Kunden angesprochen, die sich wundern und beschweren, dass sie nun lange auf Parkplatzsuche gehen müssen und zu uns laufen müssen.“

Auf Hanauer Landstraße in Frankfurt fallen viele Parkplätze weg

Problematisch ist dabei vor allem die zeitgleiche Sanierung des Osthafenplatzes. Dieser hätte noch einige Parkplätze bieten können, selbst wenn die Hanauer nicht mehr beparkt werden kann. „Aber da dieser derzeit zum Großteil eine Baustelle ist, kommen unsere Lieferanten kaum noch bis zu uns. Die Planung erscheint mir sehr merkwürdig, denn dadurch, dass beide Maßnahmen nun zeitgleich stattgefunden haben, fehlt es hier komplett an Parkplätzen“, so Scarpello. „Tatsache ist, dass das aktuell für den Bedarf, der in der Hanauer herrscht, nicht ausreicht.“

Generell sei der Wegfall vieler öffentlicher Parkplätze entlang der Hanauer Landstraße in Frankfurt für die Einzelhändler ein großes Problem, sagt Ralph Haerth, Sprecher der Interessengemeinschaft Hanauer Landstraße. „Wer nicht über eigene Parkplätze verfügt, die er seinen Kunden zur Verfügung stellen kann, wird weniger Frequenz in seinem Geschäft haben. Nach längerem Parkplatz-Suchen werden wohl viele der Kunden aufgeben und sich zukünftig überlegen, ob sie Alternativen haben.“ Zumindest eine gewisse Anzahl an Kurzzeitparkplätzen sollten in der Nähe der Geschäfte zu finden sein, so Haerth.

Die Umbauarbeiten am Osthafenplatz in Frankfurt haben noch nicht wirklich begonnen, zurzeit werden Leitungen erneuert.

Weniger Parkplätze in Frankfurt: Radweg auf Hanauer Landstraße soll gesichert werden

Ganz offiziell hat der Umbau des Osthafenplatzes allerdings noch nicht begonnen. „Es finden dort zurzeit Arbeiten der Netzdienste Rhein-Main statt“, erläutert Stefan Lüdecke, Referent von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). „Die eigentliche Maßnahme des Amtes für Straßenbau und Erschließung zum Osthafenplatz folgt dann erst.“ Die Anlieger wollte man eigentlich im April umfassend informieren. Ob der Termin stattfindet, sei allerdings aufgrund der Corona-Pandemie eher fraglich.

„Die Baumaßnahme Osthafenplatz ist lange geplant gewesen und hat durch die beschlossene Bau- und Finanzierungsvorlage der Stadtverordnetenversammlung eine sehr hohe Priorität. Gleiches gilt für die Absicherung des Radweges an der Hanauer Landstraße, der ebenfalls durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossen wurde und Teil der Einigung der Stadt Frankfurt mit dem Radentscheid ist“, so Stefan Lüdecke. Dieser Beschluss sehe unter anderem die Optimierung der Radverkehrsverbindung zwischen Ostbahnhof und Ratswegkreisel vor. In stadtauswärtiger Richtung - also die Straßenseite von Gref-Völsing - hätten Fahrzeuge oftmals so geparkt, dass Radfahrer durch geöffnete Autotüren gefährdet worden seien. Die Poller verhindern das Parken an diesen Stellen und sorgen so für mehr Sicherheit für den Radverkehr.

Hanauer Landstraße in Frankfurt: Radfahrer durch Autos gefährdet

Im Nachgang wird der Radweg an Ein- und Ausfahrten zudem rot markiert. Auf diese Weise ist er noch mal auffälliger für Autofahrer. In Richtung der Innenstadt von Frankfurt stellt sich die Situation anders dar: Auch hier stehen die Poller aus dem genannten Grund am Straßenrand, doch fallen hier deutlich weniger Parkplätze weg. „Das bedeutet, auf der Nordseite stehen weiterhin Parkplätze zur Verfügung. An einzelnen Stellen werden künftig explizit Bereiche für den Lieferverkehr ausgewiesen“, teilt Lüdecke angesprochen auf das Problem von Franziska Scarpello mit. „Bei der Planung der Maßnahmen wurden mehrere Ortsbegehungen durchgeführt, dabei wurde festgestellt, dass die auf dem Bürgersteig ausgewiesenen Parkplätze hauptsächlich ganztägig von Einpendlern belegt waren“, weiß Stefan Lüdecke. „Eine Fluktuation konnte nicht festgestellt werden. Es ist davon auszugehen, dass diese Parkplätze für Kunden des Einzelhandels in der Regel nicht zur Verfügung standen.“

Die Lebens- und Aufenthaltsqualität der Hanauer Landstraße solle somit zunehmen, was dem Einzelhandel und der Gastronomie zugute kommen werde. Auch würden Kunden des Einzelhandels künftig sicherlich deutlich öfter mit dem Fahrrad die Geschäfte ansteuern. 

Von Niklas Mag

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