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Prominent auf der Molenspitze des Osthafens soll das neue Hotel-Hochhaus entstehen. In diese Visualisierung sind auch die künftigen Neubauten auf dem Honsell-Dreieck im Hafenpark-Quartier schon eingefügt.

Projekt "Waterfront"

Geplantes Hochhaus-Hotel am Osthafen erntet heftige Kritik

Ein Hochhaus-Hotel soll in Frankfurt schon in wenigen Jahren die Molenspitze des Osthafens zieren. Nicht nur Experten kritisieren das Projekt.

Frankfurt - Wie an einem prägnanten Platz Architektur ein Stadtbild beeinflusst, zeigt sich in Hamburg - mit der Elbphilharmonie, errichtet auf der Spitze einer Mole des Hafens. In solcher Lage ist auch ein Neubau in Frankfurt vorgesehen: Auf der Spitze der Osthafenmole östlich des Wolkenkratzers der Europäischen Zentralbank soll ein 60 Meter hohes Hotel entstehen.

Eine architektonisch aufregende "Elphi" aber wird Frankfurt nicht bekommen. Das liegt am eher gedrungen wirkenden Entwurf des Architekturbüros Barkow Leibinger. Die Berliner hatten sich im Frühjahr beim Architektenwettbewerb durchgesetzt. Die Hamburger B&L-Gruppe will das Projekt "Waterfront" auf dem Gelände zwischen den Bögen von Osthafen- und Honsellbrücke realisieren, das bis 2011 als Standort des Löschboots der Berufsfeuerwehr diente.

Frankfurt mit Hotel-Hochhaus: Markant oder abweisend?

"Genau auf den Ort zugeschnitten, markant in der Form" sei der Entwurf, hatte Architekt Frank Barkow bei der Vorstellung im Frühjahr gesagt, das Gebäude bilde "eine starke, selbstbewusste Bugspitze". Doch seither wird in der Fachwelt auch zunehmend Kritik laut.

Zu wenig ambitioniert, gedrungen, abweisend sei das Gebäude, heißt es, es habe falsche Proportionen. Kritiker machen eine Ursache dafür aus: Die Beschränkung der Stadt, dass der Neubau höchstens 60 Meter hoch werden darf.

Das habe zur Folge, dass das Hochhaus mit einer Grundfläche von nur 1400 Quadratmetern eben "unproportioniert" sei, kritisierte der frühere Planungsdezernent Martin Wentz in dieser Zeitung. Es sei "eine Fehlentwicklung", dass die Stadt überhaupt ein Hochhaus dort zulasse. Dieses trete in Konkurrenz zum als Solitär geplanten EZB-Wolkenkratzer. Das Hotel sieht Wentz als "städtebaulichen Schaden".

Stararchitekt Christoph Mäckler findet, die Stadt solle die Höhenbeschränkung anheben, damit die oberirdische Bruttogeschossfläche von 26.000 Quadratmetern auf mehr Stockwerke verteilt werden kann. "Das wäre verträglicher", erklärte Mäckler in dieser Zeitung.

Frankfurt: Idee für ein Hotel-Hochhaus schon 100 Jahre alt

Doch an der Beschränkung mag Planungsdezernent Mike Josef (SPD) nicht rütteln. "Wir sind gebunden an die Beschlusslage der Stadtverordnetenversammlung", erklärt sein Sprecher Mark Gellert. Diese habe das Projekt ja bereits dreimal gutgeheißen. Zudem sei die Idee, auf der Mole einen Bau - einen Leuchtturm - zu errichten, schon mehr als 100 Jahre alt.

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Sowohl dem Investor wie auch Mike Josef ist die Diskussion aber nicht verborgen geblieben. Die B&L-Gruppe will "kein Öl ins Feuer gießen", daher nichts dazu sagen, erklärt Firmensprecher Michael Epping. Er betont: "Wir haben die Rahmenbedingungen eingehalten." Aktuell laufe die Detailplanung. Ab Ende 2022 solle gebaut werden.

In die Höhenvorgaben des Hochhausrahmenplans könne der Dezernent nicht einfach so zum Nutzen eines Investoren eingreifen, betont Mark Gellert. Natürlich könnten die Stadtverordneten das Thema aufgreifen, sagt Mike Josefs Sprecher. "Das ist aber nicht passiert."

Ganz so einfach dürfe es sich die Stadt nicht machen, findet dagegen Christoph Mäckler. Es sei zwar deren Entscheidung, gesteht der Architekt zu, unterstreicht aber: "Ich würde es ändern, eindeutig: Ich würde diese Masse nicht zulassen."

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Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

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