Am Sonntag, 26. September, wird Michael Matheyka zum letzten Mal die Pforte zu seiner Weinstube im Römer öffnen. Dann ist nach 45 Jahren Schluss. Teile der Einrichtung will der Wirt an Kollegen in den Hochwassergebieten verschenken. FOTO: menzel
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Am Sonntag, 26. September, wird Michael Matheyka zum letzten Mal die Pforte zu seiner Weinstube im Römer öffnen. Dann ist nach 45 Jahren Schluss. Teile der Einrichtung will der Wirt an Kollegen in den Hochwassergebieten verschenken.

Katerstimmung

Nach 45 Jahren: Pächter der Frankfurter Römer-Weinstube geben auf

  • VonSabine Schramek
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Der Wirt kritisiert das Gebaren der Stadt Frankfurt: Er habe eine sichere Zukunft schaffen wollen, das ABI habe ihn gegängelt.

Frankfurt – Der Ratskeller steht seit sechs Jahren leer, das historische Steinerne Haus um die Ecke seit drei Jahren. Jetzt gibt nach 45 Jahren Familienbetrieb auch der Pächter der Weinstube im Römer auf. Die Gründe sind vielschichtig.

"Früher konnte man auch bei der Stadt miteinander reden und man wusste, wer wofür wann zuständig ist. Als das Amt für Bau und Immobilien das Liegenschaftsamt übernommen hat, war es damit vorbei. Selbst über den Wechsel wurden wir nicht informiert." Michael Matheyka (62) spricht leise und ruhig, auch wenn er klare Worte findet. Nur aus seinen Augen spricht stiller Schmerz.

Römer-Weinstube in Frankfurt: Missverständnis oder Schikane?

Eben kam er mit seiner Frau Sonja zu seinem Lokal am Römerberg 19 und musste erst mal diskutieren. Arbeiter hatten dort, wo seine Terrasse ist, Gitter, einen Kamerawagen und blaue Wände abgestellt. "Es hieß, die Terrasse bleibt bis Sonntag zu", sagte einer der Arbeiter vier Tage vor dem Ironman verwundert und ließ die schweren Teile sofort weiterrücken, als er erfuhr, dass das so nicht stimmt. "So ähnlich läuft es die ganze Zeit", sagt der freundliche Wirt kopfschüttelnd.

Vor 45 Jahren waren seine Eltern die Wirte, eröffneten als Mieter die Weinstube im Römer. 1998 haben Michael Matheyka und seine Frau das Lokal samt Stammgästen, deftiger Küche und dem Ausschank der Weine vom Weingut der Stadt Frankfurt übernommen. Die meisten Gäste sind waschechte Frankfurter, die seit Jahrzehnten den Matheykas, der Grünen Soße, dem Handkäs und den Rippchen auf der Terrasse oder unter 150 Jahre alten Odenwälder Fachwerkbalken im Lokal treu sind. "In jeder anderen Stadt wird alles für eine ehrliche Gastronomie vonseiten der Städte und Gemeinden getan. Hier wird man mittlerweile bestenfalls geduldet", sagt Matheyka.

Frankfurter Verwaltungsmitarbeiterin vertröstet ihn immer weiter

Im vergangenen September habe er seine Sachbearbeiterin mühsam ausfindig gemacht und das erste Mal mit ihr telefoniert. Das Ehepaar wollte eine Köchin als Teilhaberin mit ins Boot nehmen, die bereits während der Jahrtausendwende bei ihnen gearbeitet hatte. "So wäre langfristig ein sicherer Übergang gelungen. Meine Frau und ich hätten uns in ein paar Jahren langsam etwas zurückgezogen und die Weinstube würde in gewohnter Qualität weiterlaufen. Dafür wollten wir einen Zehn-Jahres-Vertrag, weil wir ja auch kräftig investieren müssen."

Doch er sei immer wieder vertröstet worden. Dann hieß es plötzlich, es seien vielleicht fünf Jahre möglich. Bislang wurde der Vertrag stillschweigend jeden Mai immer um ein Jahr verlängert, was es für Matheyka unmöglich gemacht hätte, die Köchin als Teilhaberin mit hineinzunehmen. "Die braucht ja auch Sicherheit", sagt er.

Die Römer-Weinstube schließt. Im Mai hängt der Inhaber Michael Matheyka noch eine Ausschreibung nach strengen Vorgaben für die Gastronomie auf.

Dann schwenkte die Stadt um und teilte ihm mit, dass es ohne Kündigung zu keinem neuen Vertrag kommen könne. Vom Amt für Bau und Immobilien habe es telefonisch zudem mehrmals geheißen, "dass die Stadt die alten Verträge auf jeden Fall loswerden" wolle.

Frankfurt: Plötzlich eine neue Ausschreibung

Also kündigte Matheyka im Mai und erfuhr dabei eher zufällig, dass er an einer neuen Ausschreibung teilnehmen könne. "Ich fühle mich komplett verarscht", sagt er. "Ich kündige in der harten Corona-Krise, um einen Teilhaber für fünf bis zehn Jahre zu gewinnen. Und jetzt soll ich bei einer Ausschreibung mitmachen, die ewig dauert, und dann sicherlich alle Umbaukosten für ein neues altes Konzept bezahlen. Das kann es doch nicht sein."

Schweren Herzens hat er beschlossen, Ende September zu gehen. "Das mit den unsicheren Jahresverträgen läuft überall gleich", so Matheyka. "An der Sachsenhäuser Warte, im Oosten, in Bürgerhäusern, im Steinernen Haus und im Ratskeller."

Auf Anfrage erklärt Günter Murr, Pressesprecher von Jan Schneider, der noch das Amt für Bau und Immobilien leitet, dass es "für den Römerkeller bereits einen neuen Gastronomen nach einem Auswahlverfahren gibt. Im Moment laufen die Detail-Verhandlungen. Auch das Steinerne Haus wird wieder verpachtet. Es muss allerdings grundlegend saniert werden. Ein Ingenieurbüro macht derzeit die Planung."

Stadt Frankfurt: "Ein Pächterwechsel durch die Hintertür"

Zur Weinstube kommentiert er, dass ein neuer Teilhaber ähnlich zu behandeln sei wie ein Pächterwechsel. "Dann kann irgendwann der Partner übernehmen und andere Bewerber hätten keine Chance. Das ist quasi ein Pächterwechsel durch die Hintertür. Es müssen neue Konditionen her und der aktuelle Marktwert muss greifen."

Matheyka zweifelt. "Ich glaube nicht, dass sich für den Ratskeller und das Steinerne Haus Gastronomen finden. Auch nicht in der Weinstube. Bis zum 26. September bleiben wir noch ganz normal hier. Dann räumen wir aus und spenden unsere private Einrichtung an Kollegen, die Flutopfer in Rheinland-Pfalz geworden sind. Das haben wir schon organisiert." Im November muss die Weinstube besenrein an die Stadt übergeben werden.

Frankfurt: Auch Stammgäste der Römer-Weinstube sind traurig

Das Ehepaar geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Lachend, weil uns unverständlicher Stress mit der Stadt erspart bleibt. Weinend, weil es unser Lebenswerk ist, das wir gerne auch für die Zukunft erhalten hätten. Und ebenfalls weinend, weil unsere Stammgäste unglücklich sind und nicht wissen, wo sie danach hingehen sollen." (Sabine Schramek)

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