+
Norbert Bergdoll steht auf dem Hügel der Grotte im Palmengarten. Beides ist seit fünf Jahren gesperrt. Es dringt Wasser ein. Das Loch entstand bei Probebohrungen. Damit will man herausfinden, wo das Wasser herkommt. 

Westend

Palmengarten ist derzeit eine große Baustelle – Grotte soll saniert werden

  • schließen

Im Palmengarten in Frankfurt ist vieles in Bewegung. Die Technik der Grünanlage wird saniert, das Schmetterlingshaus ist fast fertig – und dann ist da noch die Grotte. 

  • Im Palmengarten in Frankfurt wird an vielen Stellen gebaut, erneuert und saniert
  • Die beliebte Grotte ist seit fünf Jahren gesperrt 
  • Das Schmetterlingshaus eröffnet im Oktober 2020

Frankfurt – Er kann fast jedes Klima für die Gewächs- und Schauhäuser des Palmengartens in Frankfurt zaubern - außer Schnee: Norbert Bergdoll, technischer Leiter seit sechs Jahren. Doch jetzt kniet der Herr über alle Sanierungs- und Instandhaltungsprojekte ("immer bei laufendem Betrieb") im winterfesten Gärtner-Outfit und Schuhen mit dicken Profilsohlen neben einem Loch auf dem Hügel über der vor rund 150 Jahren künstlich angelegten Grotte am Großen Weiher. Er zeigt auf die "Probebohrung" und legt die Pressspanplatte wieder darauf.

Die Grotte mit dem darüber liegenden Aussichtshügel, Publikumsattraktion seit jeher, ist bereits seit fünf Jahren gesperrt. Wasser rinnt an einigen Stellen durchs Gestein. "Wir müssen die Ursache finden, die Konstruktion verstehen lernen. Wie dick ist sie? Bewegt sich Masse? Erst dann kann man renovieren", sagt Bergdoll. Nun untersuchen Experten, darunter Bauphysiker, das Gemäuer, von dem keine genauen Pläne existieren. "Das war halt damals oft so, man hat einfach was gebaut und gut wars", sagt Bergdoll. 

Palmengarten in Frankfurt: Wo Moos grün in der Sonne leuchtet

Er steht im Innern der Grotte mit zwei seitlichen Zugängen und zwei vergitterten Öffnungen, Kerkerfenstern gleich. Moos leuchtet grün in der Sonne. Eine Treppe führt nach oben, wo das Gestein völlig anders modelliert wurde und wo es ebenfalls zwei seitliche Eingänge gibt. Auch sie sind seit fünf Jahren gesperrt. "Zweistöckige Grotten sind selten", sagt Bergdoll. Darum, und weil hier Fledermäuse flattern, sind auch Denkmal- und Naturschützer involviert.

Auf den Flanken des Hügels befinden sich Steingärten mit alpinen Stauden und Kleingehölzen aus den verschiedensten Gebirgsregionen der Welt. Der künstliche Wasserfall ist ebenfalls seit mittlerweile fünf Jahren versiegt. Ein schnödes schwarzes Plastikrohr zeugt von der Steigleitung, die das Wasser normalerweise aus dem Weiher hochpumpt. Und auch ein grauer Stromverteilerkasten ist jetzt zu sehen, weil die Grotte und das direkt angrenzende Weiher-Ufer von Bewuchs befreit wurden. 

Ringwasserleitung im Palmengarten in Frankfurt ist 15 Kilometer lang

Gleich neben der Grotte liegt die nächste Baustelle: Der Weg zwischen der 1988 rekonstruierten Villa Leonhardi und dem Großen Weiher ist derzeit eine lange und über einen Meter tiefe Rinne, in der neue Rohre liegen. Sie gehören zur etwa 15 Kilometer langen Ringwasserleitung im rund 22 Hektar großen Garten, die seit 2013 abschnittsweise saniert wird. Sie ist quasi die Hauptschlagader des Palmengartens. Dessen Trinkwasser- und Eigenwassernetz ist jeweils rund drei Kilometer lang. Es wurde Anfang der 1980er Jahre gebaut und verläuft weitgehend parallel, meist unterhalb der Verbindungswege. Das Ende der Sanierungsarbeiten war für 2019 geplant, die Kosten liegen bei etwa 5,1 Millionen Euro.

"Meine Wanderbaustelle", sagt Bergdoll und lächelt. In der Furche, die vorsichtig mit Saugbaggern ausgehoben wurde, liegen lange weiße Tücher. "Sie schützen die empfindlichen Baumwurzeln", erklärt er und deutet auf eine mächtige gemeine Rosskastanie am Weg.

Neue Rohre für die Ringwasserleitung werden verlegt. Diese ist 15 Kilometer lang.

Frankfurt: Schmetterlingshaus im Palmengarten im Oktober fertig

Weiter geht's, entlang am ebenfalls frisch sanierten Bachlauf, zur künftigen Attraktion: das Blüten- und Schmetterlingshaus. Die Konstruktion aus verzinktem Stahl und Isolierverglasung sieht aus wie ein überdimensionales Gewächshaus. Es hängen bereits grüne Netze unterm Glasdach, damit die Tierchen nicht gegen das Glasdach fliegen, auch sind schon große braune Steinbrocken entlang des Rundwegs und zu einem Wasserfall in einer Ecke aufgetürmt. Arbeiter wuseln umher, erledigen Restarbeiten und beseitigen Mängel. Voraussichtlich im Oktober diesen Jahres beginnen Testbetrieb, Innenraumgestaltung und das Anlegen der Hochbeete in den Gärtnereigewächshäusern. Besucher können voraussichtlich ab Januar 2021 bei exakt 28 Grad und 85 Prozent Luftfeuchte exotische Flattermänner bestaunen.

Insgesamt 2200 Quadratmeter Nutzfläche sind entstanden, 800 davon entfallen auf das Schauhaus. Es wird unterteilt ins "Warmhaus" mit tropischen Blütenpflanzen und Schmetterlingen und ein "Kalthaus" für die Ausstellung zum Thema Blütenökologie. Der Rest verteilt sich auf die Gärtnerei sowie Seminar- und Wirtschaftsräume. Die Kosten für den gesamten Neubau, insgesamt knapp acht Millionen Euro, tragen die Stadt (5,5 Millionen) sowie die Stiftung Palmengarten und Botanischer Garten.

Palmengarten in Frankfurt: Computer steuert Klimaanlage

Bergdoll marschiert weiter Richtung Tropicarium: Seit 2017 wird die komplexe Technik im Keller saniert, dort sind immer noch Restarbeiten zu erledigen. Auch wurde das Mangrovenhaus renoviert, 2018 die Häuser des "Nordsterns" (feuchte Tropen) und 2019 des "Südsterns" (trockene Tropen). Für die Gesamtsanierung sind rund 8,7 Millionen Euro veranschlagt. Ziel war vor allem die Optimierung der Energieeffizienz, auch die komplexe Computersteuerung für die klimatisch höchst unterschiedlichen Häuser wurde modernisiert. "Anfang April kann der ,Südstern' wieder öffnen", sagt Bergdoll. Und deutet auf den "Dome" im Zentrum der Dächer der großen Schauhäuser. Er lüftet, entfeuchtet, heizt und hält die Dachflächen durch Einblasen trockenwarmer Luft frei von Kondenswasser. Denn Tropfwasser kann für empfindliche Pflanzen tödlich sein.

Nach dem Rundgang durch den gewaltigen Keller mit der Hauptheizzentrale (seit etwa vier Jahren gibt es Fernwärme), den sternförmig abgehenden niedrigen Gängen, kilometerlangen Leitungen, Rohren und riesigen blauen Regenwasserbehältern stehen wir wieder im Tropicarium. Bergdoll erzählt von vielen weiteren kleinen Baustellen, Arbeiten und Untersuchungen: "Hier ist immer etwas zu tun. Aber das ist nun mal so". Jede Technik, jedes Gebäude altere. Und dann sagt er den schönen Satz, er versuche alles möglich zu machen, was Gärtner wollten: Nebel, Niesel, Regen, trockene Hitze, feuchte Wärme. Nur Schnee, den könne er nicht. Aber wer will denn schon Schnee im Palmengarten...

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare