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Der Paradieshof ist immer noch ungenutzt und zerfällt zusehends.

Private Hochschule 

Paradieshof zerfällt - was wird jetzt aus Projekt mit Privathochschule? 

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In den Paradieshof in Frankfurt wollte die "European School of Design" einziehen - doch danach sieht es momentan nicht aus. 

Frankfurt - Gut dreieinhalb Jahre ist es nun schon her, dass stolz verkündet wurde: Die "European School of Design" zieht in den seit 2008 leerstehenden Paradieshof in Sachsenhausen ein. Doch die private Hochschule hat ihren Sitz noch immer an der Hamburger Allee in Bockenheim. 

Und der Paradieshof ist immer noch ungenutzt und zerfällt zusehends. Der Putz bröckelt von der Fassade. Die Rollläden an den Fenstern hängen schief. Schmierereien zieren die Wände.

Frankfurt: Paradieshof in Sachsenhausen verfällt 

Dass sich an diesem Zustand alsbald etwas ändern wird, davon ist derzeit nicht auszugehen. Das Projekt ist ins Stocken geraten. Steht es gar vor dem Aus? 

Immerhin stehen mittlerweile nicht mal mehr die von der Stadt zugesicherten Zuschüsse in Höhe von 3,5 Millionen Euro zur Verfügung. Dies zumindest geht aus einer schriftlichen Antwort von Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU) auf eine Anfrage von Ingeborg Leinweber (BFF) hervor, die wissen wollte, wie es mit dem Paradieshof weitergeht, wie es um die Gespräche zwischen Stadt und "European School of Design" steht und ob es Alternativkonzepte gibt.

Was ist der Paradieshof in Frankfurt?

Zur Erinnerung: Der Paradieshof wurde Ende der 1960er Jahre von der Henninger-Brauerei gebaut, in den oberen Geschossen waren Wohnungen. Zuletzt befand sich eine große Discothek darin. 2010 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, dass die Stadt das 1600 Quadratmeter große Gebäude für rund 1,3 Millionen Euro kauft. Ursprünglich sollte Michael Quasts "Fliegende Volksbühne" darin ein Zuhause finden, ergänzt durch Wohnungen. 

Doch das Projekt scheiterte. 2016 hatte sich dann die "European School of Design" mit ihrem Konzept, den Paradieshof in einen Kreativstandort mit Unterrichtsräumen, Ateliers, Wohnungen und einem öffentlich zugänglichen Café zu verwandeln, in einem städtebaulichen Ideenwettbewerb durchgesetzt.

Verhandlungen zwischen Frankfurt und Hochschule waren schwierig 

Doch die Verhandlungen zum Paradieshof zwischen der Stadt und der Privathochschule gestalten sich seither als schwierig und zäh. Zunächst war der Plan, dass die Stadt das Gebäude umbaut und die Privathochschule es mietet. Das lehnte die Stadt aber ab. Nun will die Hochschule das Gebäude doch in Erbpacht übernehmen und selbst sanieren. Einen Vertrag haben die Parteien aber immer noch nicht unterzeichnet.

Frankfurt: Stadtverordnete müssen neu beschließen

"In allen Gesprächen hat sich abgezeichnet, dass die zur Verfügung stehenden öffentlichen Zuschüsse für das Projekt essenziell sein werden", teilt der Liegenschaftsdezernent mit. Daraufhin wäre magistratsintern eine verbindliche Klärung auf den Weg gebracht worden. "In diesem Zusammenhang zeigte sich bei einer kursorischen ersten Prüfung, dass von den zum Zeitpunkt der Ausschreibung in Aussicht gestellten Mitten in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro aufgrund der verstrichenen Zeit nur noch ein Betrag von rund 0,53 Millionen Euro fest zugesagt werden kann", so Schneider. Deshalb gehe er nun davon aus, dass eine Realisierung sowohl durch die "European School of Design" als auch der weiteren im Wettbewerb favorisierten Planungen "sehr unwahrscheinlich" wird. "Der Magistrat wird in diesem Fall Alternativen suchen, die mit einem geringeren kommunalen Zuschuss realisierbar sind", so Schneider.

Paradieshof in Alt-Sachsenhausen in Frankfurt: Wo ist das Geld geblieben?

Doch wo ist das Geld geblieben? Diese Frage kann nicht das Dezernat von Jan Schneider beantworten, sondern das Planungsdezernat von Mike Josef (SPD), da dort die Gelder für das Projekt verwaltet werden. Die gute Nachricht: "Das Geld wurde nicht ausgegeben", sagt Josefs Sprecher Mark Gellert. Die schlechte Nachricht: Es liegt jetzt wieder bei Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU). "Die Zuschüsse können nicht ewig vorgehalten werden", erklärt Gellert. Schon zum Jahresabschluss 2018 wurden nicht Mittel nicht mehr übertragen. Lediglich 530 000 Euro könnten noch als Förderung bereitgestellt werden. Soll mehr Geld fließen, müsste ein neuer Stadtverordnetenbeschluss her. Das kann dauern

Die "European School of Design" jedoch kalkuliert mit den städtischen Zuschüssen in Höhe von 3,5 Millionen Euro. Da die Kosten für eine Sanierung aber höher sein dürften, soll die Restsumme mit Hilfe eines Darlehens finanziert werden. "Dafür haben wir schon das Okay einer Bank", sagt Hochschulleiter Detlef Wildermuth. Seit Juli warte er auf ein erneutes Gespräch mit Jan Schneider. Das Projekt fallen zu lassen, kommt für Wildermuth aber nicht in Frage. "Wir sind Optimisten", sagt er, "und hoffen, dass wir 2020 Nägel mit Köpfen machen können." 

Von Julia Lorenz

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