Parken sorgt für Ärger: Dicht an dicht stehen die Autos im Wendehammer in der Bernadottestraße in Frankfurt, die Halteverbotsschilder werden dabei ignoriert. Platz für Rettungsfahrzeuge und Lieferwagen bleibt da nicht.
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Parken sorgt für Ärger: Dicht an dicht stehen die Autos im Wendehammer in der Bernadottestraße in Frankfurt, die Halteverbotsschilder werden dabei ignoriert. Platz für Rettungsfahrzeuge und Lieferwagen bleibt da nicht.

Kontrollen helfen wenig

Park-Ärger: Autos blockieren die Rettungswege – „Im Notfall eine Katastrophe“

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
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In der Nordweststadt in Frankfurt sorgen parkende Autos für Ärger. Dort sind selbst wichtige Rettungswege blockiert.

  • Park-Ärger in Frankfurt
  • Wichtige Rettungswege blockiert
  • Kontrollen helfen bisher wenig

Frankfurt – Egal ob morgens, mittags oder abends, unter der Woche oder am Samstag - wenn Margareta Kratz aus ihrem Esszimmer in der Bernadottestraße 44 gen Wendehammer blickt, dann ist er zugeparkt. Trotz Halteverbotsschilder.

Neben der Tiefgarageneinfahrt, vor den Mülltonnen und in der Feuerwehreinfahrt. Eben überall, wo ein Fleckchen Asphalt frei ist. "Geparkt wurde dort schon immer. Mittlerweile ist es aber so schlimm, dass Rettungsfahrzeuge nicht durchkämen. Dies wäre im Notfall eine Katastrophe", sagt Kratz.

Als ihr Mann noch lebte, sagt sie, hatten sie einen Platz in der benachbarten Tiefgarage 8d - eine von 37 in der Nordweststadt in Frankfurt. 43,46 Euro netto kostet dort ein Stellplatz. Ausgelastet sind die Garagen trotzdem nicht, nur rund 2000 der 2754 Plätze sind aktuell vermietet. "Ich kann mir das nicht erklären. Ebenso wenig, wie die Kunden des Nordwestzentrums, die bei uns parken. Nur um einen Euro Parkgebühren pro Stunde zu sparen", schimpft Kratz.

Ärger wegen Parken in Frankfurt: Kreuz und quer stehen die Wagen

Dabei ist der eine Wendehammer in der Bernadottestraße nur exemplarisch für alle anderen Wendehammer in der Nordweststadt. Davon gibt es viele und in allen wird verbotenerweise geparkt. Kreuz und quer, auf dem Bürgersteig, vor den Mülltonnen und in Feuerwehreinfahrten.

Ja, der Parkdruck in der Nordweststadt sei hoch, sagt Ulrich Nothwang aus dem Straßenverkehrsamt. Das gelte allerdings für alle Frankfurter Stadtteile. "Da uns aus dem gesamten Stadtgebiet zahlreiche Beschwerden über Parkverstöße erreichen, können wir immer nur kurzzeitige Sonderkontrollen mit besonders hoher Überwachungsdichte durchführen und diese auch nicht in beliebig kurzen Abständen wiederholen", erklärt er.

Im Gerhart-Hauptmann-Ring in Frankfurt seien im Mai und im Juni 2018 umfangreiche Sonderkontrollen durchgeführt worden, bei denen 544 Parkverstöße zur Anzeige gebracht wurden. Im gesamten Jahren waren es 770 Anzeigen. Im selben Zeitraum wurden in der Bernadottestraße 895 Verstöße festgestellt. Und 2019 wurden im Gerhart-Hauptmann-Ring 224 und in der Bernadottestraße 443 Parkverstöße zur Anzeige gebracht. Eine besondere Beschwerdelage habe 2019 nicht vorgelegen, sodass keine weiteren Sonderkontrollen durchgeführt wurden, sagt Ulrich Nothwang.

Ärger wegen Parken in Frankfurt: Kontrollen ohne echten Effekt

Einen wirklichen Effekt hatten die Kontrollen allerdings nicht, es wird weiter kreuz und quer geparkt. Kontrollen allein könnten das Problem auch nicht lösen, meint der Experte. Ebenfalls eine Rolle spiele die Sanktionshöhe, die nicht zu niedrig sein dürfe.

Aber vielleicht ist sie das. So wird ein Parkverstoß am Kreuzungen mit 10, im Halteverbot mit 15 Euro geahndet. 1990 waren es 20 und 30 Mark. Also quasi genauso viel. Und das, während alles andere teurer wurde. So kostet eine Kugel Eis doppelt so viel wie noch vor 30 Jahren. Ein Parkverstoß hingegen ist gefühlt günstiger geworden.

Frankfurt: Überwachung der Parkplätze löst nicht das Problem

"Hinzu kommt, dass der Parkraum in Frankfurt schlichtweg ausgelastet ist", sagt Ulrich Nothwang. Die Erhöhung der Überwachung löse die Probleme deswegen sicher nicht nachhaltig, sagt er ohne eine Lösung parat zu haben. Die Stadt Frankfurt versucht Pendlern und Besuchern den öffentlichen Nahverkehr schmackhafter zu machen. So sollen in der nächsten Zeit zum Beispiel wieder Park+Ride Möglichkeiten geschaffen werden, sodass man vor der Stadt parken und dann mit dem Bus hineinfahren kann. 

Die hingegen hat Margarta Kratz. "Die Strafen müssen viel höher sein, sie müssen wehtun. Anders bekommen wir hier keine Ordnung", sagt die Rentnerin und erinnert an ein geplatztes Rohr in der Bernadottestraße vor wenigen Wochen. Der Wendehammer war da nur noch über einen Schleichweg erreichbar. "Es war so schön und so ruhig", sagt Kratz.

VON JUDITH DIETERMANN

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