Konzentriert arbeitet Marian Demuth an seiner Skizze des chinesischen Pavillons. Damit alte Techniken nicht in Vergessenheit geraten, bietet die Maler-Innung den freiwilligen Zusatzkurs "Montagsmaler" an. Nun waren die Teilnehmer im Bethmannpark zu Gast.
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Konzentriert arbeitet Marian Demuth an seiner Skizze des chinesischen Pavillons. Damit alte Techniken nicht in Vergessenheit geraten, bietet die Maler-Innung den freiwilligen Zusatzkurs "Montagsmaler" an. Nun waren die Teilnehmer im Bethmannpark zu Gast.

Montagsmaler

Frankfurt: Im Park die alte Handwerkskunst erlernen

  • vonKatja Sturm
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Wie die Innung alte Techniken vor dem Aussterben bewahren will wird jetzt im Chinesischen Garten gezeigt

Die Gruppe fällt auf: Mehr als ein halbes Dutzend weiß gekleideter Menschen, die sich in den frühen Abendstunden dieses Montags im Chinesischen Garten des Bethmannparks versammelt haben. Zeichenutensilien haben sie mitgebracht, zudem Sitzgelegenheiten und ein paar Getränke.

Die nächsten drei Stunden sind verplant. Norbert Dehmel, an seinem Namensschild als Dozent zu identifizieren, erklärt die Aufgabe. Die "wichtigsten Linien" der Pavillons im Zentrum der Oase sollen mit Bleistift so präzise skizziert werden, dass anhand der Vor-Gestalt später ein genaueres Abbild des Bauwerks entstehen kann. Gerne auch in einen nicht realen Kontext gerückt, als Illusionsmalerei.

Dehmel weist auf die Proportionen hin, aber auch auf Details der Konstruktion wie jene, dass die Deckung des Spiegelpavillons aus einem Halbröhrensystem besteht, dessen unterschiedliche Elemente man je nach Einpassung in Mönche und Nonnen unterscheidet. "Ich habe ein Faible für den chinesischen Baustil", sagt der 71-Jährige, nicht verschweigend, dass derartige Ziegel sich auch an vielen anderen Gebäuden, vornehmlich Kirchen und Klöstern, befinden. Für den Ort, an den er seine Schüler an diesem sonnigen Tag entführt hat, hat Dehmel eine besondere Vorliebe. "Ich war schon zum ersten Mal hier, als der Garten gerade mal ein halbes Jahr geöffnet war."

So bot sich das Idyll an, um mit den sogenannten "Montagsmalern" mal etwas Neues auszuprobieren. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich ein Programm, das die Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main für Auszubildende und junge Gesellen anbietet, die sich über ihre Pflichtaufgaben hinaus mit traditionellen Techniken beschäftigen möchten. Diese, sagt Dehmel, "rücken immer mehr in den Hintergrund". Vergoldung, Delfter Malerei oder auch Kalligraphie werden so pro Staffel 15 Wochen lang am jeweils ersten Werktag abends nach der Arbeit erlernt und geübt. Bislang stets in der innungseigenen Werkstatt, in Zukunft jedoch, nach dem Auftakt im Bethmannpark, womöglich öfter auch an anderen Orten.

Denn das, was in Vergessenheite zu geraten droht und durch das zusätzliche Engagement in den nachfolgenden Generationen am Leben gehalten werden soll, findet sich an zahlreichen spannenden Ecken der Stadt. In der Neuen Altstadt etwa, erklärt Innungsgeschäftsführer Felix Diemerling, seien viele der sehr speziellen Techniken angewendet worden, für die während der regulären Ausbildung zu wenig Zeit bleibt. Auch beim Restaurieren von Gotteshäusern seien sie gefragt, fügt Obermeister Jürgen Jobmann hinzu.

Jacqueline Kuhn, die sich wie ihre sechs Kollegen bereits konzentriert ihrer Freihandzeichnung widmet und dafür mit einem Lineal vor den Augen aus der Ferne Maß am Motiv nimmt, kann mit Stolz auf ein öffentliches Ergebnis ihrer Zusatzausbildung an der Fassade der Kaffeerösterei Wissmüller in Bockenheim verweisen. Dort durfte die 22-Jährige die "Schrift in Old-School-Technik" anbringen. Bei den Montagsmalern ist sie dabei, seit diese vor drei Jahren nach einer sehr langen Pause wieder ausgeschrieben wurden. Sie schätzt die "hochwertigen Techniken", die sie hier zu beherrschen lernt, die kompetenten Referenten, aber auch den Spaß in der Gruppe. Ihre Ausbildung hat Kuhn, die zudem im sechsten Semester an der Frankfurt University of Applied Sciences Bauingenieurwesen studiert, im Vorjahr beendet. Dabei konnte sie sowohl auf Landes- wie auf Bundesebene die Meisterschaft im Malerhandwerk erringen und ist Mitglied der Nationalmannschaft.

Genau solche Talente sind es, auf die die Förderung abzielt. Die Teilnahme daran ist freiwillig und nach einem Arbeitstag, der von den frühen Morgenstunden an mit Tapezieren oder anderem Routinehandwerk gefüllt ist, nicht leicht. Montags, erklärt Jobmann, sei oft kein guter Tag für Maler. Dann kämen sie oft an einer neuen Baustelle an, nicht wissend, was sie dort erwartet.

So gehört eine Menge Disziplin und Leidenschaft dazu, sich danach noch einer kniffligen Herausforderung zu widmen. Wer dreimal fehlt, hat keinen Anspruch mehr auf das finale Zertifikat. An einem so schönen Ort wie dem Garten des Himmlischen Friedens erwartet zu werden, sollte jedoch motivieren.

Katja Sturm

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