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So schön grün kann sich eine Tiefgarage an der Oberfläche zeigen - wie hier im Rosengärtchen.

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Stadt Frankfurt prüft eigene Garagen für ausgewählte Quartiere

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Sind Quartiersgaragen das Lösung für das Parkplatz-Problem in Frankfurt? Antworten geben mehrere Gutachten.

  • Die Parkplatz-Situation in Frankfurt ist höchst angespannt 
  • Eigene Garagen für ausgewählte Quartiere könnten Entspannung verschaffen
  • Der Magistrat hat nun eine Analyse zum Bau solcher Quartiersgaragen vorgelegt

Frankfurt - Wer auf das Auto angewiesen ist, kennt das Problem: Wenn man abends müde von der Arbeit nach Hause kommt, beginnt die Parkplatzsuche - mitunter eine gefühlte Ewigkeit. Man muss Runde um Runde drehen, um endlich eine Parklücke zu finden. Oder man gibt schließlich entnervt auf, stellt sich ins Halteverbot und riskiert einen Strafzettel. In der dicht besiedelten Stadt ist das mittlerweile keine Seltenheit, weil es zu wenig Stellplätze für zu viele Autos gibt.

Parkplätze in Frankfurt: Ortsbeiräte fordern eigene Garagen für ausgewählte Quartiere

Um für Entlastung für die Anwohner in den Stadtteilen zu sorgen, fordern verschiedene Ortsbeiräte immer wieder Quartiersgaragen. So regte der Ortsbeirat 8 (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt) schon vor drei Jahren an, für die Riedwiese zwischen Buber-Neumann-Weg und Ludwig-Reinheimer-Straße sowie für das angrenzende Gebiet am Oberschelder Weg eine gemeinsame Quartiersgarage zu planen. Der Ortsbeirat 5 (Sachsenhausen, Oberrad, Niederrad) forderte selbige für die Heimatsiedlung und die Fritz-Kissel-Siedlung in Sachsenhausen.

Der Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen) kämpft seit Jahren für Quartiersgaragen in der Henri-Dunant-, Carl-Sonnenschein-, Otto-Brenner- und Robert-Dissmann-Siedlung in Sossenheim. In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Parkplatznot aber - nicht zuletzt durch Flugreisende, die ihre Autos in den Siedlungen abstellen - zu einem stadtteilübergreifenden Problem ausgeweitet, so dass der 6er vom Magistrat seit Januar ein ortsbezirkweites Parkraumnutzungskonzept fordert.

Frankfurt: Quartiersgaragen in Bornheim und im Ostend wären teuer

Jetzt liegt ein Magistratsbericht vor, der sich mit drei Untersuchungen für mögliche Standorte von Quartiersgaragen in Bornheim und dem Ostend, Sachsenhausen sowie Eschersheim und Niederursel befasst. Es folgt ein Überblick:

Bornheim und Ostend:Das Planungsbüro von Mörner aus Darmstadt hatte als potenzielle Standorte die Scheidswaldstraße 54-83 (unterirdische Quartiersgarage), die Heidelbachstraße 1 (Quartiersgarage als Parkdeck) sowie die Habsburgerallee (Quartiersgarage auf einer Freifläche) untersucht. 

Der Gutachter kam zu dem Ergebnis, dass die Stellplätze nicht günstig werden würden. Deshalb empfiehlt er, gemeinsam mit den Bewohnern zu klären, wie hoch der Wert quartiersnaher Parkplätze eingeschätzt wird. Fazit: "Mittel- bis langfristig kann Parken im öffentlichen Raum, auch unter dem Gesichtspunkt weiterer Verknappung von Frei- und Aufenthaltsflächen in verdichteten Innenstädten nicht mehr kostenfrei zur Verfügung gestellt werden."

Frankfurt: Maximal 1000 Parkplätze in Sachsenhausen möglich mit eigenen Garagen

Sachsenhausen:Die beratenden Ingenieure für Verkehr, Städtebau, Umweltschutz (VSU) aus Herzogenrath haben drei Standorte in der Heimatsiedlung und der Fritz-Kissel-Siedlung untersucht. Zuvor hatten sie ermittelt, dass es in diesem Areal einen Bedarf nach 4000 zusätzlichen Parkplätzen gibt. Nach Ansicht der Gutachter könnten durch die drei Quartiersgaragen etwa 635 Stellplätze, maximal 1000 Stellplätze geschaffen werden.

 Das würde 16 bis 25 Prozent des Bedarfs abdecken. Fazit: "Es kann davon ausgegangen werden, dass das Defizit durch wirksame Straßenraumbewirtschaftung reduziert werden kann, entweder durch (Wieder-) Nutzbarmachung nicht zum Parken genutzten Parkraums, durch Aufstockung vorhandener privater Parkierungsanlagen (Garagen zu Doppel- oder Dreifachparkern ausbauen) oder durch Reduzierung des Pkw-Besitzes."

Frankfurt: Tiefgarage in Eschersheim möglich, großes Aber

Eschersheim und Heddernheim:Das Zentrum für integrierte Verkehrssysteme (ZIV) aus Darmstadt hat drei Standorte untersucht: am Wasserturm Eschersheim, in der Straße Im Mellsig sowie am Oberschelder Weg.

Als Ergebnis lässt sich zusammenfassen, dass am Standort Wasserturm Eschersheim eine Tiefgarage aufgrund der großzügigen Platzverhältnisse mit relativ geringem Aufwand möglich ist. Allerdings müssten einige Bäume entfernt, der dortige Spielplatz verkleinert werden.

Am Standort "Im Mellsig" - als Vorzugsstandort wird der Wendehammer und die angrenzende Grünfläche vorgeschlagen - wäre aufgrund der beengten Flächenverhältnisse eine Tiefgarage notwendig - eine teure Variante. Am "Oberschelder Weg" würde als Standort für eine Quartiersgarage das derzeit überwiegend als Bauhof genutzte städtische Grundstück des Amtes für Straßenbau und Erschließung in Frage kommen. Dort würde sich laut der Gutachter eine solche Garage am ehesten realisieren lassen. Allerdings nur mit einem geringen Nutzen, da dort nur wenige Menschen wohnen.

Quartiersgaragen in Frankfurt: Hohe Investitionskosten schrecken ab

"Quartiersgaragen sind sicherlich ein geeignetes Instrument, die Parkchancen der Bevölkerung in Quartieren mit Parkraummangel zu verbessern", heißt es in dem vorliegenden Bericht. Deshalb unterstütze der Magistrat grundsätzlich die Errichtung von Quartiersgaragen. Allerdings sei der Investitionsbedarf erheblich, insbesondere, wenn die Stellplätze nur als Tiefgarage realisiert werden könnten. 

"Die zur Refinanzierung derartiger Parkbauten rechnerisch erforderliche Stellplatzmiete findet in der Regel keine Akzeptanz", so der Magistrat. Quartiersgaragen würden daher erhebliche finanzielle Zuschüsse erfordern. Daher würden Quartiersgaragen nicht eigenständig durch die Stadt Frankfurt errichtet. Viel eher würden durch Bezuschussung von Investitionen Dritter die Rahmenbedingungen geschaffen, Bewohnern Stellplätze zu reduziertem Mietpreis zur Verfügung zu stellen.

Frankfurt: Parkraumbewirtschaftung statt Quartiersgaragen

Quartiersgaragen werden in Frankfurt nur selten realisiert. Über die Stellplatzablöse mitfinanziert wurden die von der Frankfurter Aufbau-AG gebaute Garage unter der Glauburgschule im Nordend mit 100 Plätzen und die Quartiersgarage Rosengärtchen in Bornheim mit 185 Plätzen - Bauherr sind die Diakonie Kliniken sowie das Parkhaus Goetheplatz.

Zu einem abschließenden Urteil kommt der Magistratsbericht nicht. Wenn es um Quartiersgaragen geht, verweist der Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) allerdings gerne auf das zweistufige Parkraumbewirtschaftungsprogramm. In der ersten Stufe sollen in der Zone innerhalb des Alleenrings nach und nach die kostenlosen Parkplätze wegfallen. Bewohner können spezielle Ausweise beantragen, alle anderen müssen Parkscheine an Automaten ziehen. In der zweiten Stufe soll das System auch in den Außenbezirken umgesetzt werden.

Wann genau das sein wird, ist noch nicht bekannt. Der Pilotversuch zur Parkraumbewirtschaftung in Bornheim hat allerdings mittlerweile begonnen

Von Julia Lorenz

Nicht bloß im Stadtgebiet, auch am Flughafen Frankfurt ist die Diskussion um den knappen Parkraum groß. Auch,weil unseriöse Firmen Park-Services anbieten, die zu Lasten der Anwohner umliegender Kommunen gehen. 

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