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Menschenleer und nicht vermietete Geschäfte. So präsentiert sich derzeit der hintere Teil der Schillerpassage in Frankfurt.

Kaum Kunden

Trauriger Niedergang:  Wie geht es weiter mit der Schillerpassage?

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Ein Selbstläufer war die Schillerpassage in Frankfurt noch nie. Das historische Gebäude aus dem Jahr 1907 wurde 2018 verkauft und soll umgebaut werden.

Frankfurt - Fast verzweifelt lesen sich die Plakate an der gläsernen doppelten Schiebetür am Eingang der Schillerpassage. "Wir sind noch hier" steht darauf und "Wir sind weiterhin gerne für Sie da!" Am Eingang Taubenstraße sieht es in der Passage bis zu den wenigen Stufen zum gläsernen Rondell von Innen aus wie eh und je. Links grenzt der Stoff- und Möbelladen, rechts die Second-Hand-Boutique, der Barber Shop und die esoterische Buchhandlung. Aber von dort bis zur Schillerstraße hauptsächlich zugeklebte Schaufenster, verwaiste Läden und flackernde LED-Lichter an einigen Wandlampen in der Passage. Nur das Sanitätshaus und die Textil Stickerei und Druckerei sind noch da.

Schillerpassage in Frankfurt: Passage neben der Börse 

Dort, wo einst Burger und Krokodil serviert wurden, erinnern australische Wandgemälde ans "Yours". Aborigines und Landschaften strahlen hinter dem strudelförmigen Glasdach Urlaubssehnsucht aus. Entlang der Pfosten sind Absperrbänder angebracht. In einem schwarzen Plastikeimer sammelt sich Wasser. Neun der zwölf Klingelschilder für den Büroteil an der Rahmhofstraße sind nicht beschriftet. Einen Aufzug weiter geht es zur Radiologie und Nuklearmedizin-Praxis. Die einzigen Menschen, die sich in der Passage aufhalten, sind Patienten der Arztpraxis oder Leute, die zum Parkhaus wollen. Window-Shopping ist nicht mehr möglich.

Das denkmalgeschützte Büro- und Geschäftshaus hat rund 8900 Quadratmeter Mietfläche auf sechs Etagen. Davon gibt es etwa 900 Quadratmeter Raum in der Passage für Geschäfte und Gastronomie. Das Gebäude hat eine lange Geschichte. 1907 wurde es mit seiner Fassade aus Historismus und frühem Jugendstil errichtet. Zwischen 1990 und 1992 hat der berüchtigte Frankfurter Baulöwe Jürgen Schneider (85) den gesamten Block als "Haus an der Börse" umgestaltet. 

Frankfurt: Schillerpassage nahe der Börse Frankfurt verfällt

Im ehemaligen Innenhof wurde die glasgedeckte Ladenstraße errichtet. Schneider tauchte vor 25 Jahren ab, wurde im Mai 1995 mit internationalem Haftbefehl in Miami verhaftet und wegen Betrugs, Kreditbetrugs und Urkundenfälschung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und neun Monaten verurteilt. Ihm gehörten vor seiner Flucht mehr als 150 Immobilien. Auch das abgerissene "Les Facettes", das später in "Zeilgalerie" umgetauft wurde, gehörte dazu.

Seit 2007 war die Deutsche Real Estate (Drestate) Eigentümer des Gebäudes, die es damals für 29 Millionen Euro kaufte. Im April 2018 verkaufte sie es an den britischen Investor InfraRed. Gerüchte über den Verkauf gab es bereits im Januar 2018. Der Informationsdienstleister Thomas Daily hatte bereits am 2. Januar 2018 darüber berichtet: "Eine Pflichtmitteilung der Drestate-Mutter Summit Germany beziffert den jetzigen Verkaufspreis mit 52,1 Mio. Euro. Die Mieteinnahmen belaufen sich auf 1,2 Mio. Euro pro Jahr", hieß es. Die "Immobilien Zeitung" berichtete im April 2018 "InfraRed plant eine komplette Repositionierung. Derzeit sind 65 Prozent der Fläche vermietet."

Schillerpassage in Frankfurt: Makler bestätigt, „dass da etwas passieren soll“

Ein Makler, der benachbarte Flächen anbietet, bestätigt auf Anfrage "dass das Gebäude vor einem guten Jahr verkauft wurde" und "dass da etwas passieren soll." Ein anderer Makler bietet auf Immoscout Büroflächen zwischen 300 und 3719 Quadratmetern im 5. Obergeschoss in der Schillerpassage für 28 Euro pro Quadratmeter an. Hamed Nasim hält - noch - die Stellung mit der "Melrose Stickerei & Textildruck". "Nächstes Jahr müssen wir auch raus", sagt er. "Hier wird komplett umgebaut. Oben wurde schon angefangen. Es kommt von der anderen Seite, der ehemaligen Commerzbank, aus. Ich habe gehört, dass es schon Umbaupläne gibt." Er leide "weniger" unter Kundenschwund in der trostlosen Passage. "Zum Glück haben wir Bestellungen aus München, Düsseldorf und der Schweiz."

Oceans & Company, die den Rahmhof vermarktet, ist für Nachfragen nicht erreichbar. Die Website zeigt drei "Bauteile" für das gesamte Gebäude. Demnach ist die erste Etage komplett vermietet und Teile der dritten, vierten, fünften und sechsten Etage. Zum Erdgeschoss, der Schillerpassage, gibt es keine Informationen.

Zeitweise quasi lahmgelegt hat der Unfall einer Frau mit einer Straßenbahn die Frankfurter Innenstadt am Freitag.

Sabine Schramek

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