So könnte ein "Haus der Demokratie" neben der Paulskirche aussehen. Den Bau eines solchen lehnen die hessischen Denkmalpfleger aber nun klar ab.  Simulation: Stadt
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So könnte ein "Haus der Demokratie" neben der Paulskirche aussehen. Den Bau eines solchen lehnen die hessischen Denkmalpfleger aber nun klar ab. Simulation: Stadt

Frankfurt

Debatte um künftiges Erscheinungsbild der Paulskirche: Landesdenkmalrat gibt Berlin Kontra

  • vonSylvia Amanda Menzdorf
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Die Planungen zur Sanierung der Paulskirche in Frankfurt gehen weiter. Die Idee von OB Feldmann (SPD) für den Bau eines "Hauses der Demokratie" gleich neben dem nationalen Denkmal wurde jedoch negativ beurteilt.

Frankfurt - Bis 2023 soll die Sanierung der Paulskirche abgeschlossen sein - zum 175-jährigen Jubiläum der Nationalversammlung. Gebaut wird indes noch nicht, weil die Art der Gestaltung noch diskutiert wird. Gestern gab der Landesdenkmalrat eine Orientierungshilfe im Streit um das künftige Erscheinungsbild des nationalen Denkmals.

Man "begrüßt und befürwortet den von der Stadt Frankfurt eingeschlagenen Weg, die Paulskirche in ihrer von Rudolf Schwarz unter Mitarbeit von Eugen Blanck, Gottlob Schaupp und Johannes Krahn geschaffenen Neugestaltung von 1947/48 zu erhalten, zu sanieren und behutsam weiterzuentwickeln", teilte das Gremium mit. Ihm gehören 25 Vertreter aus Verbänden, Institutionen und der im Landtag vertretenen Parteien an. Überlegungen, die Paulskirche "im Rückgriff auf ihre historische Gestalt des 19. Jahrhunderts zu überformen", lehnt das Gremium ab. Damit folgt es dem Beschluss der Stadtverordneten, die sich 2019 für die Realisierung des Schwarz-Entwurf ausgesprochen hatten.

Frankfurt: Diskussion Paulskirche und „Haus der Demokratie“

Rudolf Schwarz habe für die 1944 durch Bomben zerstörte Paulskirche "eine neue, monumentale und zugleich überaus zeitlose auratische Architektursprache gefunden, die die künstlerisch wie politische Bedeutung des Gebäudes repräsentiert", würdigt der Denkmalrat. Die Paulskirche sei ein Bau, der neben dem Berliner Reichstag wie kein anderes Bauwerk als Symbol für die Geschichte der Demokratie in Deutschland stehe.

Mit der Idee von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), auf dem Paulsplatz in unmittelbarer Nähe ein "Haus der Demokratie" zu errichten, kann sich der Landesdenkmalrat nicht anfreunden: "Wenn gegenwärtig von einem Haus der Demokratie gesprochen wird, so stellt die Paulskirche genau dieses dar. Sie sollte in Zukunft aktiver genutzt und durch einen ausgelagerten Besucherservice gestärkt werden. Kritisch zu sehen sind aber Überlegungen zu einem größeren Neubau, welcher die Rolle die Paulskirche schmälert und die seit 1948 bestehende stadträumliche Situation des Denkmals überformt."

Frankfurt: Sanierung Paulskirche - Berlin nehme spürbar Einfluss bei Regie

Dass der Bund sich mit den "nötigen Investitionen zu Erhalt und Weiterentwicklung dieses national bedeutsamen Ortes" engagieren will, begrüßt der Landesdenkmalrat. Aber dass Berlin die Regie oder spürbaren Einfluss nimmt, gelte es zu vermeiden. "Bei der Konkretisierung der Planung sollte die Federführung bei den verantwortlichen lokalen Instanzen verbleiben. Zudem sollte in die geplante Expertengruppe zur Paulskirche von Anfang an ein Vertreter des Landesdenkmalamtes Hessen als ständiges Mitglied miteinbezogen werden."

Baudezernent Jan Schneider (CDU), in dessen Amt die Stabsstelle "Sanierung Paulskirche" angesiedelt ist, reagierte gestern positiv auf die Stellungnahme. "Es freut mich, dass der Landesdenkmalrat allen Überlegungen, den Entwurf von Rudolf Schwarz zu verfremden, um eventuell auch baulich an 1848 zu erinnern, eine klare Absage erteilt", sagte er dieser Zeitung. Die Stellungnahme zeige sehr gut die Bedeutung des Entwurfs für den Wiederaufbau von 1948. Es gelte, die hinter diesem Entwurf stehende Idee wieder sichtbar zu machen.

Frankfurter Baudezernent: Von OB gewünschte „Haus der Demokratie“ hat keine Priorität

Schneider begrüßt den Vorschlag, in das vom Bund gewünschte Expertengremium auch Vertreter der Denkmalpflege zu entsenden. "Sonst besteht die Gefahr, dass diese Belange nicht ausreichend berücksichtigt werden. Darauf deutet jedenfalls die erste Veröffentlichung der vom Bund benannten Experten hin." Damit zielt Schneider auf das von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) als Berater in Anspruch genommene Triumvirat ab: Herfried Münkler, emeritierter Professor für Politikwissenschaften, Historiker Hans Walter Hütterer und Peter Cachola Schmal, Leiter des Deutschen Architekturmuseums Frankfurt, zeigten bislang wenig Zuneigung für den derzeitigen architektonischen Zustand der Paulskirche.

Tatkraft signalisiert Schneider auch: "Die Stabsstelle steht bereit, um, wie vom Landesdenkmalrat gewünscht, die Federführung bei der Konkretisierung der weiteren Planung zu übernehmen." Das vom OB gewünschte "Haus der Demokratie" auf dem Paulsplatz hat für ihn keine ausgeprägte Priorität. Schneider: "Die Frage, ob neben der Paulskirche ein zusätzliches Gebäude entstehen soll, das ein Besucherzentrum oder ein Haus der Demokratie aufnehmen könnte, ist auf kommunaler Ebene noch nicht entschieden." (Sylvia A. Menzdorf)

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