1. Startseite
  2. Frankfurt

„Tierärzte sind verblüfft“: Gute Neuigkeiten von Pferd Jenny

Erstellt:

Von: Sabine Schramek

Kommentare

Immer neugierig: Schimmelstute Jenny (26) bei einem ihrer legendären Streifzüge durch den Stadtteil.
Immer neugierig: Schimmelstute Jenny (26) bei einem ihrer legendären Streifzüge durch den Stadtteil. © Boris Roessler/dpa

Super Nachrichten aus Frankfurt: Die Krebs-Behandlung bei Deutschlands berühmtester Schimmelstute Jenny hat angeschlagen.

Frankfurt – Es gibt sie noch, die guten Nachrichten. Die Krebserkrankung der Fechenheimer Schimmelstute Jenny konnte von Tierärzten in Hannover gestoppt werden. Mit etwas Glück wird das inzwischen wohl weltberühmte Pferd aus Frankfurt wieder gesund.

Jenny (26) tut, was sie immer tut. Gemächlich trottet sie durch Fechenheim, lässt sich streicheln, guckt neugierig nach dem Neuesten und grast irgendwo auf einer Wiese. „Keiner kann es so richtig glauben, aber das Melanom hat aufgehört zu wachsen, es suppt nicht mehr und Jenny ist schon wieder viel beweglicher und agiler.“ Man spürt, dass ihrem Besitzer Werner Weischedl (81) ein riesengroßer Stein vom Herzen fällt.

Seit der meist tödlichen Diagnose „Schimmelmelanom“ fährt er sein „Ein und Alles“ alle zwei Wochen mit einem extra dafür angeschafften Pferdetransporter bis nach Hannover, um das Pferd behandeln zu lassen. Offenbar mit vollem Erfolg. „Operieren kann man das Melanom nicht, aber aufgeben war keine Option“, so der tierliebende Besitzer.

Pferd Jenny aus Frankfurt-Fechenheim: „Selbst die Tierärzte sind verblüfft“

Er erfuhr bei seiner Suche nach Hilfe von einer Studie an der Klinik für Pferde der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, in der seit 2015 die klinische Wirksamkeit eines Melanom-Vakzins untersucht wird, das in den USA bereits für Hunde zugelassen ist und bei Pferden gute Ergebnisse zeigt. Jenny wurde aufgenommen und wurde seit Dezember dort drei Mal behandelt. „Jetzt kann man zugucken, wie es besser wird“, schwärmt Weischedl. „Selbst die Tierärzte sind verblüfft, wie schnell das Wachstum gestoppt wurde.“

Am „Schimmelmelanom“ erkranken 60 bis 80 Prozent aller weißen Pferde. Eine Heilung ist selten. Als Ursache bezeichnen Forscher ein spezielles Grau-Gen, das Schimmel, die alle mit dunklem Fell geboren werden, in sich tragen. Erst später wird das Fell der Tiere nach und nach grau bis weiß. In der klinischen Studie werden betroffene Pferde über einen langen Zeitraum hinweg behandelt, wobei je nach Erfolg die Zeiträume zur Behandlung immer länger werden. „Ende Januar sind wir wieder in Hannover. Dann kann ich Jenny versprechen, dass sie erst sechs Wochen später wieder in den Transporter muss“, ist Werner Weischedl hörbar erleichtert. Und mit ihm der Stadtteil.

Frankfurt-Fechenheim: Fahrt zur Krebs-Behandlungen dauert vier Stunden

Jenny bevorzugt Freiheit. Vor allem deshalb hat sie es zu weltweiter Berühmtheit gebracht. Ihre täglichen Spaziergänge im Alleintrott durch Fechenheim sind mittlerweile legendär. „Anfangs war sie langsam und nicht sehr biegsam, jetzt dreht sie auch wieder ihren Hals nach hinten, um zu gucken, was sich in Fechenheim tut“, erzählt Weischedl euphorisch. Dass es ihr besser geht, merkt er auch daran, dass sie sich nur noch mit viel List und Tücke verladen lassen will, weil sie viel lieber auf Wiesen oder an Gartenzäunen Grashalme zupft.

„Die Fahrt dauert pro Strecke vier Stunden. Ist ja klar, dass sie lieber etwas anderes täte. Ich erkläre ihr, dass ihr die Behandlung hilft und daher noch Jahre auf Entdeckungstour gehen kann“, schmunzelt ihr Besitzer. Die hohen Kosten für den neuen Transporter und die Behandlung sind enorm, aber „Jenny ist unbezahlbar. Sie ist ein Teil der Familie.“

Gemeinsam mit seiner Frau Anne kümmert sich Weischedl nicht nur um Jenny, sondern auch um Rehpinscher Chico, Katzen, mehr als 100 Hühner, Tauben und Kanarienvögel. Auch verletzte Greifvögel sind in einer der Volieren und werden gesund gepflegt. „Wenn es einem Tier schlecht geht, können wir gar nicht anders“, erklärt der Mann mit dem Pferdeschwanz. „Da kann man nicht wegsehen. Da muss man einfach helfen.“ (Sabine Schramek)

Auch interessant

Kommentare