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Mit Mundschutz und getrennt durch Flatterband: Hubert Geist sitzt in seinem Rollstuhl am offenen Fenster, während sein Besuch draußen bleiben muss. Viele Angehörige leiden aktuell darunter, dass sie ihren Verwandten nicht nahe sein können. Die Pflegeheime bemühen sich um kreative Lösungen wie hier im Julie-Roger-Haus.

Corona-Krise 

Pflegeheime in Frankfurt: Strenge Regeln für ein wenig Nähe

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Bundesweit sind Pflegeheime besonders von der Corona-Pandemie betroffen. Die Sicherheitsmaßnahmen sind dort also besonders scharf. Wie Pflegeheime in Frankfurt dennoch versuchen, trotz Corona-Pandemie Angehörigen ein Minimum an Kontakt zu ermöglichen.

  • Bundesweit sind Pflegeheime besonders von der Corona-Pandemie betroffen
  • Sicherheitsmaßnahmen sind dort also besonders scharf
  • Pflegeheime in Frankfurt versuchen trotz Corona-Pandemie Angehörigen ein Minimum an Kontakt zu ermöglichen

Frankfurt -Die Corona-Krise hat die Altenpflegeheime in eine besondere Situation gebracht: Ein Besuchsstopp, der auch in absehbarer Zeit nicht gelockert werden kann. Zudem sind viele zusätzliche hygienische Maßnahmen in den Heimen nötig. "Wir sind seit Wochen am Anschlag", sagt Frédéric Lauscher, Geschäftsführer des Frankfurter Verbands.

Acht Pflegeheime unterhält der Verband, mit rund 1000 Bewohnern. "Es ist ethisch sehr bedenklich", sagt Lauscher kritisch: "Unser Personal ist nur mit Masken unterwegs. Wir können niemandem mehr ein Lächeln schenken, niemanden in den Arm nehmen." Corona muss verhindert werden, mit allen Mitteln. Die Menschlichkeit hingegen leidet - zumindest im Verständnis mancher Bewohner, die die Situation nicht verstehen. Auch gemeinsame Aktionen - Singen, Spielen, Kaffee trinken - sind ausgesetzt.

Pflegeheime in Frankfurt: Besucher müssen draußen bleiben

Besuch von den Angehörigen kann es nur sehr eingeschränkt geben - unter sehr speziellen Bedingungen: "Bei dem schönen Wetter können die Angehörigen vor die Häuser kommen", so Lauscher. Ein Fenster im Erdgeschoss, dahinter wartet der Bewohner. Draußen vor dem Fenster, mit Absperrband auf Abstand gehalten, können die Angehörigen zumindest mit ihnen sprechen. Auch das ist natürlich mit Aufwand verbunden: Es muss immer jemand vom Pflegepersonal dabei sein, damit nicht Angehörige das Absperrband übertreten und so womöglich die Krankheit ins Haus bringen. "Man muss das auch vorher telefonisch vereinbaren, das geht nicht spontan", sagt Lauscher. Schließlich müssen auch die Bewohner in das Besuchszimmer gebracht werden.

Acht Bewohner und zwei Beschäftigte sind in Praunheim und im August-Stunz-Zentrum vom Corona-Virus betroffen. Die Senioren mussten in eine Klinik eingeliefert werden.

Pflegeheime in Zeiten von Corona: Getrennt durch Plexiglas

Mathias Rosenberger leitet das Johanna-Kirchner-Altenhilfezentrum im Gutleut, das von der Arbeiterwohlfahrt getragen wird. Bislang gilt dort noch ein Besuchsverbot, aber in den nächsten Tagen soll es zwei Möglichkeiten geben, Angehörige zu sehen: "Wir bieten Skype an. Dann kann man in jedem Wohnbereich mit den Angehörigen sprechen", erläutert Rosenberger. 

Zudem soll die Terrasse am Speisesaal umgebaut werden: "Wir wollen ein Café für Angehörige errichten und dieses mit Plexiglasscheiben vom Zentrum abgrenzen. Die Bewohner könnten dann hinter der Scheibe mit den Angehörigen trotzdem einen Kaffee trinken." Anmeldung vorausgesetzt. "Daraus, dass wir solche Umbaumaßnahmen in die Wege leiten, kann man sehen, dass wir nicht glauben, dass die Situation in der Altenpflege sich schnell entspannen wird", sagte Rosenberger. Einfach Plexiglasscheiben aufstellen will er nicht: "Es soll nicht sein wie im Zoo."

Langweilig werde den Bewohnern trotzdem nicht: "Wir haben viele Sozialhelfer, die Balkonkonzerte veranstalten oder mit den Bewohnern spazieren gehen", schildert Rosenberger.

Corona in Frankfurt: Pflegeheime verfolgen alle ein Ziel

Ähnlich ist es im Caritas-Altenzentrum Santa Teresa in Hausen. Ehrenamtliche bringen mit "Kultur im Hof" kleine Darbietungen, die Bewohner schauen vom Balkon aus zu. Besuche sind nicht möglich. Das Personal bemüht sich, Telefonkontakte zu ermöglichen, hilft beim Wählen etc. Dies berichtete Timm Kauhausen, Sprecher der Caritas Frankfurt.

Bernd Trost, der Leiter des Pfarrer-Münzenberger-Hauses in Eschersheim, erzählt: "Angehörige kommen vor das Haus in den Garten und winken. Es ist ein sehr kleines Haus, jeder kennt jeden, und dann eilen die Bewohner zu den Fenstern." Es sei sehr schön und unkompliziert und vor allem ungefährlich, denn der Abstand sei ausreichend. Schwieriger ist es im größeren Haus der Stiftung, im Franziska-Schervier-Heim in der Innenstadt. Hier baut der Träger zurzeit die Video-Telefonie aus und schafft entsprechende Geräte an.

Die Ansätze mögen unterschiedlich sein, doch alle haben dasselbe Ziel: Die alten Menschen auch in diesen Zeiten nicht allein zu lassen. 

von Thomas J. Schmidt

In den Altenheimen in Frankfurt ist die Corona-Krise noch lange nicht zu Ende. Auch Schutzausrüstung bleibt ein Thema.

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