Pizzeria in Frankfurt
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Die Frankfurter Pizzeria wirbt mit Mafia-Romantik. (Symbolfoto)

Mafia-Romantik

Posse um Pizzeria in Frankfurt - Warum die italienische Botschaft sich eingemischt hat

  • Teresa Toth
    vonTeresa Toth
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Es gibt Streit um eine Frankfurter Pizzeria. Grund ist der Name. Auch die italienische Botschaft äußert sich - sie will das Gedenken an Mafia-Opfer bewahren.

  • Die Pizzeria „Falcone & Borsellino“ in Frankfurt* wirbt mit Mafia-Romantik um Gäste.
  • Die Schwester des Mafia-Kämpfers Giovanni Falcone sieht in der Benennung eine fatale Namensrechtsverletzung.
  • Italienische Botschaft will Gedenken an Mafia-Opfer bewahren, sich aber nicht weiter in die Arbeit der Frankfurter Pizzeria einmischen.

Update vom Donnerstag, 10.12.2020, 14.30 Uhr: Die italienische Botschaft hat den offenen Brief vom Prokuristen der Eigentümer der Pizzeria, Carl-Philip Graf zu Solms-Wildenfels, erhalten. Sie möchte auf den Vorschlag der Eigentümer, selbst Namen für die Pizzeria in Frankfurt vorzuschlagen, nicht eingehen. Auf Nachfrage teilte eine Sprecherin der Botschaft mit, dass sie es nicht als ihre Aufgabe betrachten, sich in die Arbeit von deutschen Gerichten und Pizzerien einzumischen.

Es gehe der italienischen Botschaft darum, das Andenken der Anti-Mafia-Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino und den Opfern der Mafia zu schützen. Am Freitag, 04.12.2020, hatte die italienische Botschaft eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sie Kritik daran äußerte, dass die Namen der Richter und Mafia-Gegner Falcone und Borsellino für den kommerziellen Zweck benutzt werden.

Streit um Pizzeria in Frankfurt: Betreiber mit Gesprächsangebot an italienische Botschaft.

Update vom Montag, 07.12.2020, 13.57 Uhr: Im Streit um den Namen einer Pizzeria in Frankfurt-Sachsenhausen hat sich nun der Stadtrat der „Bürger für Frankfurt“ (BFF) Carl-Philip Graf zu Solms-Wildenfels als Prokurist für die Betreiber des Restaurants mit einem offenen Brief an den italienischen Botschafter Luigi Mattiolo gewandt. Aus dem Schreiben geht hervor, dass man anbiete, künftig auf den Namen „Falcone & Borsellino“ zu verzichten.

Pizzeria in Frankfurt: Namensgebung sollte Mafia nicht verherrlichen

„Zu keiner Zeit war es unser Ansinnen, mit der Namensgebung des Restaurants, das organisierte Verbrechen zu banalisieren, die Mafia zu verherrlichen oder die Sensibilität der Angehörigen der beiden Anti-Mafia-Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino und aller unschuldigen Opfer der Mafia zu verletzen“, heißt es in dem offenen Brief an den italienischen Botschafter.

Der Stadtrat von Frankfurt hat den Botschafter außerdem darum gebeten, Vorschläge für einen neuen Namen für die Pizzeria im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen zu machen. Mit dem neuen Namen soll die gelebte Freundschaft mit Italien unterstrichen und nicht belastet werden.

Restaurant in Frankfurt-Sachsenhausen: Namensgebung hat Italienern Unbehagen bereitet

Das Landgericht Frankfurt hatte kürzlich entschieden, dass der Name der Pizzeria nicht geändert werden müsse. Die Schwester von Giovanni Falcone hatte geklagt, da das positive Ansehen der Familie Falcone durch das Restaurant, in dem auch Bilder aus Mafia-Filmen wie „Der Pate“ hängen, beeinträchtigt werde. In einer öffentlichen Mitteilung erklärte die italienische Botschaft, dass die Namensgebung vielen Italienern Unbehagen bereite.

Pizzeria in Frankfurt: Namensgebung sorgt für Empörung in Italien

Erstmeldung vom Sonntag, 06.12.2020, 13.55 Uhr: Frankfurt – 2018 eröffnete die Pizzeria „Falcone & Borsellino“ in Frankfurt im Stadtteil Sachsenhausen ihre Türen für Liebhaber der italienischen Küche. Doch schnell machte sich nicht nur in Frankfurt, sondern vor allem in Italien Empörung breit. Grund dafür ist die Benennung der Pizzeria nach den beiden italienischen Anti-Mafia-Kämpfern Falcone und Borsellino.

Giovanni Falcone und Paolo Borsellino waren beide Juristen, die in Italien als Helden im Kampf gegen die Mafia gefeiert werden. Bei einem Bombenattentat 1992 wurden sie getötet. Dass ein deutsches Restaurant deren Namen für kommerzielle Zwecke nutzt, gefällt der Schwester Falcones überhaupt nicht.

Pizzeria „Falcone & Borsellino“ in Frankfurt: Schwester geht vor Gericht

Maria Falcone, die zudem Vorsitzende der Falcone-Stiftung ist, strengte laut einem Bericht von „Hitradio FFH“ einen Zivilprozess an, nachdem ein italienischer Anwalt die Pizzeria in Frankfurt entdeckt hatte. Die Besitzer des Lokals wurden von der Stiftung demnach vorher nicht kontaktiert. Obwohl das Landgericht Frankfurt erklärte, dass durch die Namensnutzung der Pizzeria das positive Ansehen Falcones beeinträchtigt werde, fiel das Urteil für Maria Falcone enttäuschend aus.

Die Pizzeria selbst schreibt auf ihrer Website: „Giovanni Falcone war ein italienischer Jurist und aktiv im Kampf gegen die Cosa Nostra. Er gilt als Symbolfigur des Kampfes gegen die organisierte Kriminalität auf Sizilien. Paolo Borsellino war ein italienischer Richter und ‚Mafia-Jäger‘.“ Den Besitzern des Restaurants scheint somit durchaus bewusst zu sein, wessen Namen sie für ihre Zwecke benutzen. Dass sie damit die Gefühle vieler Menschen in Italien verletzen könnten, scheint keine Rolle zu spielen.

Pizzeria in Frankfurt: Italienische Botschaft schaltet sich ein - Fall geht vors Landgericht

Dennoch reiche dies nicht aus, um den Betreibern die Verwendung der Namen der italienischen Anti-Mafia-Kämpfer zu verbieten. Das entschied das Landgericht Frankfurt laut „Hitradio FFH“ im November. Neben Maria Falcone, die das Urteil als „schmerzhafte Entscheidung“ bezeichnete, empörte sich auch die italienische Botschaft in Berlin über den Fall und schaltete sich mittels einer öffentlichen Mitteilung ein. Dort schreibt sie, dass die Namensgebung des Restaurants vielen Bürgern in Italien Unbehagen bereite. „Vor allem aber verletzt sie die Sensibilität der Angehörigen der beiden Richter und aller unschuldigen Opfer der Mafia in nicht hinnehmbarer Art und Weise“, steht in der Mitteilung.

Falcone und Borsellino setzten sich als Richter im Kampf gegen die Mafia in Italien ein.

Pizzeria in Frankfurt sorgt mit Mafia-Bildern für Ärger in Italien

Als besonders irritierend wirke die Kombination eines großen Gemäldes der Anti-Mafia-Kämpfer Falcone Borsellino in Kombination mit zahlreichen weiteren Bildern, unter anderem von dem Film „Der Pate“, die die Wände der Pizzeria in Frankfurt Sachsenhausen zieren. Dies soll wohl für vermeintliche Mafia-Romantik sorgen, hat allerdings eine Verherrlichung der Mafia zur Folge. „Diese verstörende Aktion kann dem Ansehen Italiens schaden“, schreibt die Botschaft.

Maria Falcone will die Entscheidung des Landgerichts Frankfurt nicht stehen lassen. In italienischen Medien kündigte sie an, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Die Betreiber des Restaurants „Falcone & Borsellino“ in Frankfurt Sachsenhausen äußerten sich bislang nicht zu den Vorwürfen. Es gibt allerdings Hinweise, dass die Pizzeria nicht mehr unter dem Namen „Falcone & Borsellino“ betrieben wird – an der Immobilie sind die Namen nach dpa-Informationen zumindest nicht mehr zu sehen. Das Restaurant hat aufgrund der derzeitigen Corona-Pandemie* geschlossen. (Teresa Toth) *fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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