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Frankfurt plant Alternative zum Auto für Pendler aus Süden

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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An der Stadtgrenze Frankfurts nach Neu-Isenburg ist bisher Endstation für die Straßenbahnlinie 17. In einigen Jahren könnte sie von hier weiter bis Sprendlingen und Langen rollen.
An der Stadtgrenze Frankfurts nach Neu-Isenburg ist bisher Endstation für die Straßenbahnlinie 17. In einigen Jahren könnte sie von hier weiter bis Sprendlingen und Langen rollen. © Rolf Oeser

Die Straßenbahn 17 soll möglichst bald von Frankfurt nach Neu-Isenburg, Sprendlingen und Langen fahren. Ein wichtiges Signal steht nun auf Grün.

Frankfurt -Noch vor 2030 könnten die Straßenbahnen der Linie 17 über die Stadtgrenze hinaus weiter nach Neu-Isenburg und Dreieich bis Langen rollen. Die drei Städte und Frankfurt haben am Freitag eine Machbarkeitsstudie vereinbart. Alle vier Stadtoberhäupter erhoffen sich bessere und umweltfreundliche Mobilität für die Bürger, eine Entlastung auf den Straßen und eine Aufwertung der Innenstädte.

Stadt Langen will ihr "Mobilitätskonzept" ausweiten

Die Strecke in den Westkreis Offenbach wäre die erste Straßenbahnstrecke in eine Nachbarstadt, seit die Gleise in die Offenbacher Innenstadt 1996 stillgelegt wurden. Die neue Strecke soll der alten B3 folgen: der Frankfurter Straße in Neu-Isenburg und in Sprendlingen der Frankfurter, der Haupt- und der Darmstädter Straße. Zuletzt hatte sich auch Langen angeschlossen, nun wird eine Verlängerung bis zum Bahnhof mitgeprüft. Wegen steigender Einwohnerzahlen wolle Langen "das Mobilitätskonzept erweitern", sagt Bürgermeister Jan Werner (parteilos).

Sollte dieser Annex wider Erwarten auf Probleme stoßen - weil die Streckenführung innerorts in Langen zu schwierig wäre oder das Vorhaben einen zu geringen Kosten-Nutzen-Faktor erzielt -, könnte die 17 zu den Bahnhöfen Sprendlingen oder Weibelfeld geführt werden, erklärt Tom Reinhold, Geschäftsführer der Frankfurter Nahverkehrsorganisation Traffiq. Sie führt die Planungen.

50 000 Autokilometer am Tag einsparen

Bereits voriges Jahr hatte eine Potenzialanalyse die Realisierbarkeit der Straßenbahnstrecke bis Sprendlingen bestätigt. Traffiq rechnet mit 5000 neuen Fahrgästen am Tag, ersetzt würden 50 000 Autokilometer. Weitere 4000 Fahrgäste würden von der nur in Ortsrandlage fahrenden S-Bahn auf die Straßenbahn wechseln - wodurch Kapazitäten in S3 und S4 nach Darmstadt frei würden, sagt Frankfurts Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne). Nicht nur Pendler nach Frankfurt würden die Tram nutzen, auch Auspendler und Fahrgäste zwischen den Städten.

Alle fünf Minuten von Neu-Isenburg nach Frankfurt

Frankfurt leidet auf den Straßen sehr unter dem starken Pendlerverkehr. Aufgrund der hohen Luftverschmutzung drohte zuletzt sogar ein Dieselfahrverbot. Rund 130 000 Einwohner leben in Frankfurts drei südlichen Nachbarstädten, 90 000 Arbeitsplätze gibt es dort. Die Tram soll alle zehn Minuten fahren, von Neu-Isenburg bis Frankfurt alle fünf Minuten. Von Sprendlingen bis an Frankfurts Stadtgrenze soll die Elektrische 15 Minuten brauchen.

Neu-Isenburg und Dreieich: Zusätzliche Frequenz für Einzelhandel

Die Machbarkeitsstudie nun beinhaltet eine konkrete Planung der Tram-Strecke. "Die Neu-Isenburger sind überzeugt, dass das eine enorme Aufwertung für die Innenstadt wäre" und zusätzliche Frequenz für den Einzelhandel bringe, sagt Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos). Der Umbau der alten B3 für die Tram bietet laut Dreieichs Bürgermeister Martin Burlon (parteilos) die Gelegenheit, den Straßenraum neu zu gestalten, der noch immer "den Charakter einer Bundesstraße" hat. Überall könne mehr Aufenthaltsqualität entstehen, betont Hunkel. Als "Meilenstein für die interkommunale Zusammenarbeit im Rhein-Main-Gebiet" wertet Frankfurts OB Peter Feldmann (SPD) das Vorhaben.

Mitte 2024 soll die 360 000 Euro teure Studie, die die Städte zu gleichen Teilen zahlen, fertig sein. Entscheiden alle Beteiligten dann schnell, könnte die Tram noch dieses Jahrzehnt rollen, schätzt Reinhold. Für die 5,7 Kilometer bis Sprendlingen wird mit Kosten von 64 Millionen Euro gerechnet. Wie viel die Strecke bis zum Langener Bahnhof kostet, soll die Untersuchung ergeben. ( Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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