Festnahme mit Handschellen
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In Frankfurt gab es Tumulte während einer Festnahme. (Symbolbild)

Menge bedrängt Polizei

Polizeieinsatz in Frankfurt: Beamter fixiert Mann mit seinem Knie – wütende Passanten behindern den Einsatz

  • vonMirko Schmid
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Im Frankfurter Ostend will eine Polizeistreife einen mit Haftbefehl gesuchten Mann festnehmen will. Die Menge stört die Festnahme – ein Polizeisprecher rechtfertigt den Einsatz jedoch.

  • Im Frankfurter Ostend wird eine Polizeistreife gerufen, um eine Schlägerei zu schlichten.
  • Im Verlauf des Einsatzes stellt sich heraus, dass einer der Beteiligten per Haftbefehl gesucht wird.
  • Als die Polizei den Kopf des 38-jährigen Mannes mit dem Knie fixiert, eskaliert die Lage.

Update von Freitag, 25.09.2020. 15:00 Uhr: Bei einer Festnahme im Frankfurter Ostend ist es vergangenen Mittwoch (23.09.2020) zu einer wütenden Massenansammlung gekommen. Laut der Polizei Frankfurt, eskalierte die Situation, als sich ein 52-jähriger Mann in die Festnahme einmischte. Dieser kritisierte, dass einer der Beamten den Kopf des 38-jährigen Mannes zunächst mit dem Knie fixierte. Nach Angaben eines Pressesprechers der Polizei Frankfurt, sollen die Beamten dazu befugt gewesen sein, den Mann derartig zu fixieren. In der polizeilichen Ausbildung werde diese Praxis gelehrt. Den Beamten sei beim Fixieren nicht erlaubt, die Luftzufuhr zu stören oder Organe abzudrücken. Bei der Festnahme des 38-jährigen Mannes im Frankfurter Ostend sei die Fixierung durchaus zulässig gewesen, so der Polizeisprecher. Der Mann wurde zunächst auf das Frankfurter Polizeirevier gebracht. Nachdem die Familie des 38-Jährigen das Geld für die Ersatzfreiheitsstrafe gezahlt hatte, wurde der Mann wieder auf freien Fuß gesetzt.

Erstmeldung von Donnerstag, 24.09.2020. 15:50 Uhr: Frankfurt - Eine Polizeistreife der Frankfurter Polizei wurde im Rahmen eines vermeintlich alltäglichen Einsatzes am Mittwoch (23. September 2020) zum Mittelpunkt von Tumulten. Die Beamten waren losgeschickt worden, nachdem der Polizei anonym eine körperliche Auseinandersetzung am Kiosk Ostend gemeldet wurde. Vor Ort angekommen, fand die Polizei lediglich einen Mann vor, der leichte Verletzungen im Gesicht aufwies und wohl an der Schlägerei beteiligt war. Andere Beteiligte oder Zeugen waren nicht mehr vor Ort.

Frankfurt: Polizei überprüft 38-jährigen Mann und stellt fest, dass dieser per Haftbefehl gesucht wird

Der Mann soll eine ärztliche Behandlung abgelehnt haben und kam den Polizisten nicht nur stark alkoholisiert, sondern auch impulsiv vor. Als sie den Mann deswegen überprüften, stellte sich heraus, dass der 38-Jährige per Haftbefehl gesucht wird. Nach Angaben der Polizei verhielt er sich zunächst kooperativ, als er festgenommen und aufs Revier in Frankfurt gebracht werden sollte. Er habe sogar die Handflächen gedreht, um sich Handschellen anlegen zu lassen. Doch dann eskalierte die Lage.

Ein bisher völlig unbeteiligter 52-jähriger Mann, der zufällig vorbeigekommen war, mischte sich in die Situation ein. Er verlangte lautstark einen Arzt für den Festgenommenen. Versuche der Frankfurter Polizei, ihm die Lage vor Ort zu erklären, verfehlten laut Angaben der Polizei ihre Wirkung. Davon wurde der festgenommene 38-jährige Mann offenbar angestachelt, sodass dessen Stimmung wieder umschlug und er sich nun nicht mehr verhaften lassen wollte.

Frankfurt: Polizei fixiert den Kopf des 38-jährigen Mannes mit dem Knie

Vielmehr fing der Mann nun an, sich gegen die Verhaftung in Frankfurt zu wehren. Er soll laut Polizei aggressiv auf einen Polizisten losgegangen sein, woraufhin ihn andere Polizisten an den Armen festhielten. Dem Mann gelang es allerdings sich loszureißen und sich lautstark zu beschweren. Daraufhin brachten die Polizisten ihn zu Boden. Einer der Beamten fixierte den Kopf des 38-Jährigen vorübergehend mit dem Knie.

Aufgrund dieser Szene und auch wegen dem 52-Jährigen, der sich ebenfalls weiter lautstark über die Verhaftung des jüngeren Mannes beschwerte, wurden dutzende weitere Passanten von dem Geschehen angezogen. Die Gruppe schwoll schnell auf schätzungsweise 40 Personen an, manche davon filmten die Szene in Frankfurt, andere näherten sich den Polizisten auf wenige Zentimeter. Der 52-Jährige setzte noch einen drauf, ballte die Faust, drohte einem Polizisten mit Schlägen und nannte ihn laut Angaben der Polizei „Arschloch“.

Frankfurt: Es kommt zu tumultartigen Szenen, Polizei muss Verstärkung rufen

Da sich die ganze Szene in einer Sackgasse in Frankfurt abspielte, war es den Polizisten nicht möglich, sich weiter zurückzuziehen, worauf sie Verstärkung riefen. Erst als die zusätzlichen Polizisten eintrafen, gelang es der Polizei mit gebündelten Kräften, den 38-jährigen Mann festzunehmen und zum Revier zu bringen. Dort wurde bei ihm 1,8 Promille Alkohol gemessen. Der 52-Jährige wollte nun fliehen, wurde aber selbst festgenommen, ihm werden die Störung von Amtshandlungen und Beleidigung vorgeworfen.

Auch wenn sich die Lage anschließend beruhigte, holte sich ein weiterer Mann eine Anzeige ab. Er soll die Frankfurter Polizisten, von denen zwei mit Bodycams ausgestattet waren und die Szene dokumentierten, aus der Menge heraus als „Missgeburten“ und „Lutscher" beleidigt haben. (Von Mirko Schmid und Jennifer Richter)

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