Nach Ausschreitungen am Opernplatz

„Das ist kein Racial Profiling, sondern Tatsache“ - Frankfurter Polizei-Chef wehrt sich gegen Kritik

  • vonSabine Schramek
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Die Frankfurter Polizei wehrt sich nach Protesten am Opernplatz gegen Vorwürfe des Racial Profiling. Dafür übt Polizei-Chef Bereswill Kritik an den Demonstranten.

  • Nach Protesten und Ausschreitungen am Opernplatz in Frankfurt werden Vorwürfe gegen die Polizei laut.
  • Die Polizei soll laut Demonstranten „Racial Profiling“ anwenden.
  • Gerhard Bereswill, Polizei-Chef von Frankfurt, wehrt sich und kritisiert die Demonstranten.

Frankfurt - Nach Krawall und Flaschenwürfen gegen Polizisten durch Feiernde und Beschimpfungen an den vergangenen Wochenenden auf dem Opernplatz durch Demonstranten wehrt sich Polizeipräsident Gerhard Bereswill gegen die Vorwürfe des „Racial Profilings“ bei der Frankfurter Polizei. Vom Tisch wischen möchte er die Vorwürfe aber nicht ganz.

„Die Vorwürfe, die im Raum stehen, sind völlig pauschal und undifferenziert“, sagt Bereswill. Er verurteilt die Vorwürfe, die zuletzt von Demonstranten am Samstag auf dem Opernplatz laut wurden. „Man wirft uns vor, rassistisch zu arbeiten und durch ,Racial Profiling‘ Personen zu kontrollieren. Das stimmt nicht.“ In einer Stadt wie Frankfurt, in der 53 Prozent der Gesamtbewohner Migrationshintergrund haben, knapp 60 Prozent der Heranwachsenden und knapp 70 Prozent der Jugendlichen, blieben Kontrollen bei Menschen mit Migrationshintergrund nicht aus. „Im Hotspot Bahnhofsviertel sind wir für die Bekämpfung von Kriminalität zuständig. Zum Beispiel gegen den Handel von Drogen. Momentan sind 74 Prozent der Dealer im Viertel Drittstaatler, also Nicht-Europäer. Von den übrigen Dealern kommen weit über 90 Prozent aus dem europäischen Ausland.“ Das sei kein „Racial Profiling“, sondern Tatsache.

Frankfurts Polizeipräsident Gerhard Bereswill wehrt sich gegen Vorwürfe des „Racial Profilings“

Opernplatz Frankfurt: Polizeipräsident Bereswill kritisiert Schubladendenken der Demonstranten

Bereswill bezeichnet die Kritik an der Frankfurter Polizei als Schubladendenken - vor allem die in den Sozialen Medien. "Natürlich sehe ich das Problem der Vorurteile. Auch in unserem Beruf. Aber in Frankfurt, der Stadt, die wegen ihrer Internationalität weltweit bekannt ist, nehmen wir das Thema Rassismus und Racial Profiling sehr ernst. Natürlich kann ich nicht für den letzten Beamten meine Hand ins Feuer legen, aber wir achten penibel darauf." Das beginne beim Eingangsauswahlverfahren, führe über das dreijährige Studium bis hin zu eigenen Migrationsbeauftragten bei der Polizei. Interkulturelle Kompetenzseminare würden als Fortbildung angeboten. "Die haben wir jetzt wegen der großen Nachfrage sogar verdoppelt."

Proteste am Opernplatz Frankfurt: „Selbstreinigungsprozesse“ bei der Polizei

Bei der Frankfurter Polizei haben bei den Nachwuchskräften 15 bis 20 Prozent der Mitarbeiter Migrationshintergrund. "Das entspricht zwar nicht dem prozentualen Anteil der Frankfurter, im Bundesdurchschnitt bildet das aber einen guten Schnitt." Aufschreie, man wolle alles unter den Teppich kehren, seien pauschalisierend und unfair. In den letzten Jahren habe es mehrere Fälle gegeben, bei denen Polizeikollegen Fehlverhalten aufgefallen sei und sie es geäußert hätten. Die Konsequenzen seien Disziplinarmaßnahmen gegen die auffällig gewordenen Polizisten gewesen. "Wir tragen Selbstreinigungsprozesse in uns. Es ist ein gutes Zeichen, dass sich Mitarbeiter wehren und sagen, was sie nicht akzeptieren." Das Verfahren gegen einen Beamten, der einen Schwarzen beleidigt hatte, sei von einem Polizisten angezeigt worden. "In der Institution Polizei gibt es auch keinen falschen Corpsgeist. Vielleicht mal in einer Dienstgruppe oder in einem Revier, aber nicht generell."

Gerhard Bereswill (l), Polizeipräsident von Frankfurt am Main, und Markus Frank (CDU), Sicherheitsdezernent, kommmen zu einer Pressekonferenz im Plenarsaal des Rathauses Römer.

Opernplatz Frankfurt: Polizei „leidet" unter Beschimpfungen

Nach den Einsätzen am Opernplatz hatten Polizeikräfte mitgeteilt, wie sehr ihnen die Beschimpfungen unter die Haut gingen. "Wer ständig im Einsatz für die Bürger ist, leidet darunter", so Bereswill. "Es gibt derzeit keine einzige Dienstaufsichtsbeschwerde und keine einzige Klage wegen Racial Profiling beim Verwaltungsgericht." Als "Seismographen der Gesellschaft" müssten Polizisten sensibel sein für Veränderungen in der Kriminalität. "Dafür sind wir da und geben die Informationen weiter." Das gelte auch für den Opernplatz und die sofort einberufene Sicherheitskonferenz mit der Stadt.

"Die Polizei tritt deeskalierend auf und hält sich im Hintergrund, solange gefeiert wird. Erst um Mitternacht treten wir nach vorne, weil ab dann der Platz gereinigt und ab 1 Uhr geschlossen wird. Als Kompromiss zu Alkoholverbot, Schließung des Platzes oder mehr." Auch weiterhin wird die Polizei in der gesamten Stadt Präsenz zeigen, damit es nicht wieder zu Szenen wir vor zwei Wochen am Opernplatz kommt. "Die Polizei ist für alle Bürger da. Niemand soll Sorge haben, wenn er sich an sie wendet. Und auch keine, wenn wir uns an Bürger wenden." Von Sabine Schramek

Die Leiterin der Pädagogischen Abteilung der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, hat nun Bereswills Äußerungen kritisiert. Sie sieht durchaus ein Problem mit „Racial Profiling“.

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa

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