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Der Frankfurter Polizei-Vizepräsident beklagt Verrohung der Gesellschaft. (Symbolbild)

Angriffe auf Polizisten 

Umstrittenes Video: Polizei beklagt Verrohung der Gesellschaft

Nach den Angriffen auf Polizisten vom frühen Samstagmorgen auf der Zeil mit einem verletzten Beamten ermittelt die Behörde nun gegen mehrere Personen. Zugleich wehrt sich der Vizepräsident der Frankfurter Polizei gegen Vorwürfe, dass die Einsatzkräfte zu hart vorgegangen seien.

Frankfurt – Was am frühen Samstagmorgen auf der Zeil gegenüber des Clubs Gibson geschehen ist, das diskutiert nicht nur die ganze Stadt. Sondern es ist natürlich auch Thema bei der Polizei. Während sich viele in sozialen Medien über vermeintlich unnötig hartes Vorgehen zweier Beamter echauffieren, ist Frankfurts Polizei-Vizepräsident Walter Seubert sauer. Die Attacken auf die Beamten seien „Ausdruck einer Verrohung“ in der Gesellschaft, beklagt er. „So etwas möchte ich in Frankfurt nicht hinnehmen.“ Handy-Videos von dem Einsatz auf der nächtlichen Einkaufsstraße hatten die Debatte angestoßen. Wie ein Polizist eine Frau an den Haaren an den Boden zieht, ist darauf zu sehen. Und wie ein anderer vermeintlich einem jungen Mann mit dem Knie gegen den Bauch tritt, offenbar um ihn an einer Wand aufzurichten. 

Zwei Attacken auf Beamte zu sehen 

Allerdings sind auch zwei Attacken auf die Beamten zu sehen, unter anderem von der Frau – weshalb ein Polizist sie mit dem beherzten Griff stoppen will. Die Videos „zeigen nur Teile des Gesamtgeschehens“. Das wiederum erklärt Walter Seubert. „Schon als die Beamten eintrafen, gab es sofort aggressives Verhalten gegenüber den Polizisten.“ Die waren wegen einer Schlägerei unter alkoholisierten jungen Leuten alarmiert worden. Vor Ort seien die Beamten des 4. Reviers dann von „einer größeren, aggressiven Menschenmenge“ umringt, während sie die Streithähne festsetzten und kontrollierten. „Anweisungen der Beamten wurden ignoriert, Verdächtige wollten flüchten und es gab viele Beleidigungen gegenüber den Polizisten.“

Verletzter dienstunfähig 

Nicht nur: Flaschen seien geworfen worden, „also versuchte gefährliche Körperverletzung“, erklärt Seubert. Auch gab es eine zweite Attacke: Ein Frankfurter (26) sei auf einen Polizisten zugerannt, habe diesem mit voller Wucht in den Nacken geschlagen. Der Beamte wurde dabei leicht verletzt und er sei weiterhin dienstunfähig. „Das hätte auch ganz anders ausgehen können“, sagt der Polizei-Vizepräsident. Den geflüchteten Täter schnappten andere Beamte in der Nähe. Auch von den Beteiligten der Schlägerei nahmen die Polizisten die Personalien auf, die Ermittlungen liefen nun. Ein Haupttäter der Schlägerei sei vorläufig festgenommen gewesen. Der Vizepräsident nimmt die Polizisten ausdrücklich in Schutz: „Die Beamten waren nicht überfordert.“ Sie seien mit einer „sehr komplexen Lage“ konfrontiert gewesen. Waren aber der Griff in die Haare und die Knietritte rechtens?

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Prüfung benötigt Zeit „Die Prüfung läuft, ob das verhältnismäßig war“, sagt Walter Seubert. Diese müsse gründlich erfolgen, benötige daher „angemessene Zeit“. Klar ist aber auch schon: Für die Beamten gibt es „keine unmittelbaren Konsequenzen“. Auch lägen bisher keine Anzeigen gegen die Beamten vor, betont Seubert. Eine solche kündigt Linken-Landtagsabgeordnete Torsten Felstehausen aus Kaufungen bei Kassel an: wegen Körperverletzung im Amt. Hingegen verteidigt Holger Bellino, parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, die Polizei: „Wer die polizeiliche Arbeit behindert oder gar die Beamten angreift, macht sich selbst strafbar.“ Es sei selbstverständlich, dass sich Polizisten wehren müssten, wenn Gefahr drohe. „Dass Beamten beleidigt und angegriffen werden, ist inakzeptabel.“

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

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