1. Startseite
  2. Frankfurt

Baustaub auf der Kaffeemaschine: Kontrolleuren machen Pop-up-Café dicht

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Stefanie Wehr

Kommentare

Im Rohbau eines früheren Geschäfts an der Schifferstraße gab es freitags Kaffee "to go" - für ein solches Angebot gelten aber Lebensmittelvorschriften wie für ein richtiges Café, musste der Betreiber jetzt feststellen. FOTO: michael faust
Im Rohbau eines früheren Geschäfts an der Schifferstraße gab es freitags Kaffee "to go" - für ein solches Angebot gelten aber Lebensmittelvorschriften wie für ein richtiges Café, musste der Betreiber jetzt feststellen. © Michael Faust

Lebensmittelkontrolleure haben ein Pop-up-Café in Frankfurt geschlossen. Unter anderem hatte der Betreiber Kuchen in seiner Privatwohnung gebacken.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel vom 15. Januar 2022 wurde von den Leserinnen und Lesern sehr stark nachgefragt, so dass die Redaktion ihn am 31. Januar 2022 erneut bei Facebook präsentierte.

Frankfurt – Das Schaufenster des Pop-up-Cafés in Frankfurt, in dem früher ein Bürobedarf-Laden beheimatet war, ist bunt bemalt. Seit Kurzem steht da „vorerst geschlossen“. Seit ein Kontrolleur des Gesundheitsamts am 7. Januar die Schließung angeordnet hat, wird in dem leerstehenden Laden kein Kaffee mehr gebraut. Denn ein Rohbau mit nackten Wänden, in dem Bauarbeiten stattfinden, eignet sich laut Vorschrift nicht für einen Gastronomiebetrieb - auch wenn er sich als „Pop-up“ deklariert, was so viel heißt wie „Interimsbetrieb für kurze Zeit“.

Das Ordnungsamt befand den Fall offenbar für so skurril, dass es den Hergang der Kontrolle auf Facebook veröffentlichte: "Da staunte selbst der alteingesessene Lebensmittelkontrolleur des Ordnungsamts nicht schlecht, als er ein ,Kaffeehaus' in Sachsenhausen betrat. Im Sortiment befanden sich unterschiedliche Kaffee-Spezialitäten und eine kleine Auswahl an Kuchen. Damit erschöpften sich aber auch schon die Indizien, die auf einen Lebensmittelbetrieb hinwiesen."

Frankfurt: Lebensmittelkontrolleur schließt Pop-up-Café – Caterer hatte Kuchen zu Hause gebacken

"Keinerlei bauliche Anforderungen" an einen Lebensmittelbetrieb seien erfüllt gewesen. Flächen, auf denen Speisen zubereitet wurden, hätten "aus nicht leicht zu reinigenden Materialien" bestanden "und waren nicht gereinigt". Der Kontrolleur monierte das fehlende Handwaschbecken an der Theke. Die Räume des Rohbaus seien von Baustaub überzogen gewesen. Und zu guter Letzt: "Die angebotenen Kuchen wurden in der Privatwohnung des Betreibers produziert."

Mit all diesen Anforderungen habe er nicht gerechnet, sagt der Betreiber auf Anfrage. Er sei bisher als mobiler Caterer aktiv gewesen, habe vor eineinhalb Jahren ein Kaffee-Catering gegründet und daher noch keinen Gastronomiebetrieb in Innenräumen geführt. Er selbst sei aber erfahrener Barista und im SpezialitätenKaffee-Geschäft schon seit zehn Jahren tätig.

Pop-up-Café sorgt bei Kontrolle für Aufsehen: Betreiber will in Frankfurt ein richtiges Café eröffnen

Das Rohbau-Pop-up an der Schifferstraße sei ohnehin nur provisorisch angelegt gewesen. Dort habe er nur freitags eine Art "Fensterverkauf" betrieben. Das habe er so lange tun wollen, bis die Bauarbeiten fertiggestellt sind. Sein Plan sei es, ein richtiges Café vor Ort zu eröffnen. Das könne er durchaus tun, sobald fertig renoviert und alle Auflagen erfüllt seien, sagt dazu das Ordnungsamt. Bis dahin laufe ein Ordnungswidrigkeitsverfahren.

Das Gespräch sei freundlich gewesen, erinnert sich der Betreiber, der Kontrolleur habe sogar bauliche Empfehlungen gegeben, die im zukünftigen Café beachtet werden sollten. "Davon war ich persönlich sehr positiv überrascht", erzählt der Betreiber. Er verstehe auch die Argumente des Kontrolleurs.

Kontrollen in Frankfurt: Bußgelder in schweren Fällen verhängt

Wer einen Gastronomiebetrieb eröffnen will, muss lediglich das Gewerbe anmelden, "es sei denn, es wird über die üblichen Produkte eines Cafés hinaus auch Alkohol ausgegeben", klärt der Sprecher des Ordnungsamts, Michael Jenisch, auf. "Über eine Schnittstelle wird der Bereich Veterinärwesen des Ordnungsamtes über neue Betriebe informiert und bindet den Betrieb in eine Kontrollroutine ein."

Nicht alle Verstöße gegen lebensmittelrechtliche Vorschriften würden öffentlich bekannt gemacht. Wenn allerdings "in nicht unerheblichem Ausmaß" oder wiederholt verstoßen wurde und "die Verhängung eines Bußgeldes von mindestens 350 Euro zu erwarten ist", seien die Berichte ein halbes Jahr lang im Verbraucherfenster des Landes Hessen zu lesen (verbraucherfenster.hessen.de).

Nach Kontrollen: Vier weitere Frankfurter Restaurants geschlossen

Das Pop-up-Café ist nicht die einzige Lokalität, die in den vergangenen Monaten vom Ordnungsamt wegen gravierender Mängel vorübergehend geschlossen wurde. Im Sommer und Herbst 2021 erwischte es das Steak-Restaurant „Fleischeslust“ sowie das „Gemalte Haus“ auf der Schweizer Straße und das Maaschanz in der Färberstraße.

Alle drei wiesen etwa teils stark „schimmelähnlich verunreinigte“ Flächen auf, teils wurden Mäusekot, weit übers Mindesthaltbarkeitsdatum gelagerte Lebensmittel und Glassplitter im Geschirrschrank vorgefunden. Ein Asia-Restaurant im Stadtteil wurde jetzt wegen hygienischer Mängel und Mäusekot in der gesamten Betriebsstätte geschlossen. Im Vergleich zu diesen Berichten wirken die Beanstandungen beim Pop-up-Café harmlos. (Stefanie Wehr)

Auch interessant

Kommentare