Der frühere Vorsitzende der TG Sachsenhausen 04 Manfred Christmann in der Gymnastikhalle, deren Bau sich zur jahrelangen Hängepartie entwickelt hat. Dem Verein fehlt das Geld, um die inzwischen gestiegenen Kosten zu stemmen.
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Der frühere Vorsitzende der TG Sachsenhausen 04 Manfred Christmann in der Gymnastikhalle, deren Bau sich zur jahrelangen Hängepartie entwickelt hat. Dem Verein fehlt das Geld, um die inzwischen gestiegenen Kosten zu stemmen.

Hängepartie

Projekt Sporthalle für die Turngemeinde Sachsenhausen zieht sich seit Jahren in die Länge

  • vonStefanie Wehr
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Die kleine Halle mit Umkleiden und Büro für die Geschäftsstelle der Turngemeinde Sachsenhausen 04 könnte längst fertig sein, hätten sich über Jahre nicht eine bürokratische Hürde an die nächste gereiht.

Frankfurt - Das Projekt hat sich seit mehr als sieben Jahren so in die Länge gezogen, dass sich die Baukosten inzwischen auf ein Vielfaches erhöht haben. Zudem gibt der Verein jährlich 40 000 Euro an Kosten für Trainer aus, 36 000 Euro fallen für Mietkosten in diversen Turnhallen an.

Nicht mehr als ein Rohbau

Die aus Holzmodulen gebaute, 25 mal 10 Meter große Halle steht zwar seit fast zwei Jahren auf dem Sportgelände Babenhäuser Landstraße. Doch ist sie über den Zustand des Rohbaus nicht hinausgekommen. "Das Geld für den Weiterbau können wir nicht mehr aufbringen", sagt Manfred Christmann. Er selbst hatte sich als Erster Vorsitzender intensiv für die Halle eingesetzt. Vor zwei Jahren musste er die Aufgabe aus gesundheitlichen Gründen abgeben.

Dabei war die ursprüngliche Idee gar nicht so kompliziert. Auf dem Sportgelände, das die TG sich mit dem TSV und dem Verein Spiridon teilt, stand ein altes Schützenvereinshaus. An seiner Stelle wollte die Turngemeinde in eine kleine Halle für Gymnastik, Kinderturnen und Tanzsport errichten. Darin sollte sinnvollerweise auch das Büro unterkommen, das damals wie heute an der Mörfelder Landstraße monatlich 800 Euro Miete verschlingt.

Doch für Abriss und Neubau bekamen die Turner keine Genehmigung. Weil das Haus im Frankfurter Grüngürtel liege, wollten Grüne und CDU im Ortsbeirat 5 nicht, das hier neu gebaut wird. Dabei stand ja schon die Hütte dort. Diverse Lagercontainer finden sich noch heute auf dem Gelände. Daraufhin beschloss der Verein, einen Antrag auf Umbau der Hütte zu stellen. Gesagt, getan, als Umbau, nicht als Neubau, wurde die Baumaßnahme genehmigt, 2014 lag die Erlaubnis vor. Sportdezernent Markus Frank (CDU) half den Turnern, die Genehmigung zu bekommen. 200 000 Euro Baukosten wurden veranschlagt, die zum größten Teil aus eigener Tasche kommen sollten.

Bis jedoch alles Geld beisammen war, inklusive eines Zuschusses von 52 000 Euro von der Stadt, vergingen weitere zwei Jahre. 2016 begannen die Bauarbeiten.

Probleme mit dem Abwasser

Jedoch stellte sich schnell heraus, dass das alte Gebäude nicht sanierungsfähig war. Bei den ersten Arbeiten fiel es quasi in sich zusammen, berichtet Christmann. Weil nun das Ganze doch als Abriss bewertet wurde, wurde ein Baustopp verhängt. Erst 2018 konnte mit dem jetzigen Bau begonnen werden. Außer der Geldfrage sind neue Probleme aufgetaucht. Eine Sickergrube für das Abwasser konnte nicht genehmigt worden, weil das Gelände auf öffentlichem Grund liege. Das Abwasser müsse an die Leitung unter der Babenhäuser Landstraße angeschlossen werden. Schließlich stellte sich heraus, dass die Halle auf einem Erbpachtgrundstück liegt, also auf vereinseigenem Grund. Somit war die Sickergrube doch möglich.

Schließlich stockte der Innenausbau: Die umweltfreundliche Fußbodenheizung mittels Wärmepumpe konnte nicht installiert werden, weil die benötigte Menge Strom nicht zum Haus gelegt werden konnte. Auch dieses Problem hat sich nach etlichen Anrufen gelöst. Die Kosten für die Kredite laufen indes weiter - doch dem Verein ist längst das Geld ausgegangen. Manfred Christmann engagiert sich weiter, versucht mit Frank in Kontakt zu treten, der die TGS damals unterstützte. Seine Anrufe und E-Mails verhallen im Sportdezernat jedoch seit einem Jahr ungehört. Immerhin setzt sich inzwischen der Ortsbeirat ein. 8000 Euro aus dem Ortsbeiratsbudget sollen fließen, alle Parteien schlossen sich für den Antrag zusammen. Manfred Christmann freut sich, aber die Summe ist nur ein schwacher Trost. "Das reicht nicht", sagt er resigniert.

Von Stefanie Wehr

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