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Über Rampen können Rollstuhlfahrer in den Bus ein- und aussteigen. Harald Meininger-Ketzer (rechts) findet es klasse.

Verkehr

Prototyp: Bei diesem Bus gibt es keine Barrieren

Gemeinsam mit der Hochschule Fresenius und dem Fahrzeughersteller Iveco entwickelte die DMSG einen Bus, der den Anforderungen von Menschen mit Behinderung oder Eltern mit Kinderwagen gerecht werden soll.

Frankfurt - Auf den ersten Blick wirkt dieses Fahrzeug wie jeder andere Niederflurbus. "Es sind Kleinigkeiten, die wir verbessert haben, aber die machen einen großen Unterschied", sagt Bernd Crusius von der Deutschen Multiple-Sklerose-Gesellschaft (DMSG).

Gemeinsam mit der Hochschule Fresenius und dem Fahrzeughersteller Iveco entwickelte die DMSG einen Bus, der den Anforderungen von Menschen mit Behinderung oder Eltern mit Kinderwagen gerecht werden soll. Vergangenen Mittwoch haben sie zusammen den neuen Bus auf dem Roßmarkt vorgestellt. "Das ist ein sehr gut durchdachtes Konzept", sagt Rollstuhlfahrer Raimund Kluge, während er den Bus erkundet.

Der hintere Teil des Busses wurde nicht verändert, vorne hat sich dafür um so mehr getan. Das Modell hat nicht nur eine Rampe in der Mitte des Busses, sondern auch im vorderen Bereich. Eine mittlere Rampe hätte nicht viel Sinn, da die Passagiere dann gezwungen seien, sich während der Fahrt ein Ticket vorne beim Fahrer zu besorgen. Außerdem sei "die psychologische Bindung zum Busfahrer wichtig", meint Manuel Kallenberger vom Hesteller Iveco.

Des Weiteren gibt es kleinere Veränderungen, mehr Platz in den Gängen für Rollstühle und weniger Stufen. Bis jetzt fahren MS-Kranke oft mit dem Fahrdienst, der laut Crusius nicht von der Kasse übernommen wird. "Zwei-Drittel aller an multipler Sklerose Erkrankten leben auf dem Land", sagt Crusius. Ein Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs mit behindertengerechten Bussen auf dem Land sei deshalb besonders wichtig.

Allein in Deutschland haben 11,5 Millionen Menschen einen Behindertenausweis, 7,8 Millionen sind schwerbehindert. Christian Haas von der Hochschule Fresenius ergänzt: "Laut einer Studie entstehen zehn bis 15 Milliarden zusätzliche Kosten allein durch Transportbarrieren." Das Argument, der ÖPNV-Ausbau sei zu teuer, zieht für Crusius deshalb nicht: "Man kann mit günstigen Mitteln viel verändern."

VON NIKOLAUS GIETINGER

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