Auch einkaufen können Besucher im „Späti“ von Silke Thoss. Im Sortiment gibt es zum Beispiel „Psycho Flips“ oder „Freedom to Go – Atemfrei“, das „HeimPils“ oder den „Punk Zwieback“.
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Auch einkaufen können Besucher im „Späti“ von Silke Thoss. Im Sortiment gibt es zum Beispiel „Psycho Flips“ oder „Freedom to Go – Atemfrei“, das „HeimPils“ oder den „Punk Zwieback“.

In der Fahrgasse

„Psycho Flips“ und „HeimPils“: Künstlerin installiert ganz besonderen „Späti“

  • VonAlexandra Flieth
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Der „Späti“ in der Frankfurter Fahrgasse ist alles andere als gewöhnlich. Künstlerin Silke Thoss hat dort einen Pop-Art-Kiosk mit außergewöhnlichen Produkten eröffnet.

Frankfurt – „Wir möchten hier keinen Kiosk“, hätten sich Passanten zu Wort gemeldet, während Künstlerin Silke Thoss ihren „Späti“ in den Räumen der Galerie „Der Mixer“ in der Fahrgasse 22 in den vergangenen Tagen einrichtete. Für die Wahl-Berlinerin ein Kompliment, zeigt es doch, dass ihre Kunst-Installation als etwas Reales registriert wird und auch zu kontroversen Wahrnehmungen führt.

Der Begriff „Späti“, abgeleitet von „Spätverkauf“, ist in Berlin und auch in anderen Städten Ostdeutschlands gängig für kleine Geschäfte, die den Einkauf unter anderem von Getränken, Süßwaren, Chips und anderen Knabbereien auch außerhalb gängiger Öffnungszeiten ermöglichen – teils sogar rund um die Uhr. Ihr Sortiment ist vergleichbar mit dem eines traditionellen Kiosks oder – wie es in der Mainmetropole heißt – eines Wasserhäuschens. Auch in Frankfurt gibt es mittlerweile vereinzelt solche „Spätis“. Einkaufen können Besucher auch im „Späti“ von Silke Thoss. Im Sortiment gibt es zum Beispiel „Psycho-Flips“ oder „Freedom to Go – Atemfrei“, das „HeimPils“ oder den „Punk Zwieback“. 

Frankfurt: „Späti“ in der Fahrgasse bietet verrückte Pop-Art-Produkte

Die Künstlerin spielt auch bei „ihren Produkten“ mit der Wahrnehmung und nutzt die Fläche ihrer gestalteten Verpackungen zu Wortspielen mit gesellschaftsrelevanten Bezügen oder mit Verweis auf Kreative aus Kunst und Musik, die sie in ihrem Leben beeinflusst haben.

Und so gibt es die „Bowie-Cheeseballs“ genauso wie den „Iggy Pop Sixpack“ oder die Waffeln „Einstürzende Neubauten“. Neben ihrer Kunst ist Silke Thoss auch Musikerin und spielt leidenschaftlich Akkordeon – ihre musikalische Richtung ordnet sie dem „Polka-Punk“ zu. Die mehr als 1000 „Produkte“ in ihrer Installation sind aus Pappmaché handgefertigt und bemalt – eben „Kunst zum Mitnehmen“. Einzelteile gibt es schon ab 29,99 Euro.

Frankfurt: Zeitreise in Pop-Art-Kiosk von „Silky“

Und passend zum Thema gibt es einen Prospekt, der die „Produkte“ bewirbt. Wer sich die Zeit nimmt und genauer schaut, den lädt das Werk gleich auf mehreren Ebenen auf eine Zeitreise ein – aber stets mit Gegenwartsbezug. Denn der von ihr installierte „Späti“ spielt mit den typischen Mitteln traditioneller Werbeformen vergangener Jahrzehnte mit ästhetischen Verweisen auf die Pop-Art der 1960er-Jahre, zu deren berühmtesten Vertretern Andy Warhol (1928–1987) oder Roy Lichtenstein (1923–1997) zählen.

„Späti“ in der Fahrgasse

Die Installation von Silke Thoss kann bis Samstag, 26. Februar, in der Galerie „Der Mixer“, Fahrgasse 22, besichtigt werden und ist von außen einsehbar. Geöffnet sind die Räume von mittwochs bis sonntags von 15 bis 20 Uhr oder nach Vereinbarung per E-Mail unter silkytune@gmx.de.

Die Pop-Art sei genau ihr Ding, erzählt die gebürtig aus dem Oldenburger Land stammende Künstlerin, die in der Szene bekannt ist unter dem Namen „Silky“. Studiert hat sie an der Kunsthochschule in Bremen und am Chelsea-College of Art and Design in London. Sie sei selbst noch in einer Zeit groß geworden, in der Werbung groß, bunt und plakativ gestaltet worden sei. Ihr Werk spiegelt besonders die Popkultur der 1970er und 1980er-Jahre.

Frankfurt: Silke Thoss steht in ihrem „Späti“ selbst hinter dem Tresen

Entstanden sei die Idee zu ihrem „Späti“ in der Zeit des ersten Lockdown, erzählt Silke Thoss weiter. Mit ihrer Installation thematisiert sie diesen auch als Treffpunkt und Ort des Austausches, gerade unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen, stellt die Frage nach Konsum und die Bedeutung des analogen Einkaufs für unsere Gesellschaft–besonders mit Blick auf die vergangenen knapp zwei Jahren seit Beginn des Pandemiegeschehens.

Ein Aspekt, den sie schon einmal in Vor-Corona-Zeiten in ihrer Kunst aufgegriffen hatte – mit ihrem „Tante-Emma-Laden“. Und schließlich ist da noch die Ebene der Wahrnehmung, die nicht nur durch die zunächst empörte Äußerung der Passanten zum Ausdruck kommt, sondern auch dadurch, dass bereits jetzt Menschen das Werk als Fotomotiv für sich entdeckt haben und mit der Künstlerin ins Gespräch kommen. Und für ein solches Gespräch bleibt in den kommenden Wochen noch Zeit, denn Silke Thoss wird während der Ausstellungsdauer zu den Öffnungszeiten hinter dem Verkaufstresen ihres „Spätis“ stehen. (Alexandra Flieth)

Um den Namen des beliebten Yok Yok-Kiosk in Frankfurt gab es zuletzt einen langen Streit.

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