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Im Sommer war das kein Problem: Der Chor des Vereins Art-Q probte mit genügend Abstand und per Live-Stream im Innenhof des Dominikanerklosters. foto: Holger Menzel

Chorgesang

Frankfurt: "Wir haben massive Probleme"

  • vonBrigitte Degelmann
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Die Sängerkreis-Vorsitzende Iris Wolter spricht über die Raumnot und eine Aktion, die den Freunden des Liedgutes helfen soll.

Der Sängerkreis Frankfurt macht mit einer ungewöhnlichen Kampagne auf die Probleme von Chören aufmerksam, die wegen der Corona-Pandemie mit Raumnöten zu kämpfen haben. Sängerkreis-Vorsitzende Iris Wolter hofft nun, dass man vielleicht auf Fabrikhallen, Parkdecks und ähnliches ausweichen kann.

Frau Wolter, der Sängerkreis Frankfurt hat jetzt in sozialen Netzwerken die Aktion "#EinDachübermChor" ins Leben gerufen. Was hat es damit auf sich?

Vielen Chören fehlen zurzeit Räume oder auch finanzielle Mittel, um in der kalten Jahreszeit proben zu können. Bisher haben sich viele draußen getroffen, das war im Sommer kein Problem. Aber bald kommt der Winter, da geht das nicht mehr. Ich bekomme fast täglich Nachrichten von Vereinen, die deshalb massive Probleme haben und die einfach nicht mehr weiter wissen.

Hängt die Raumnot mit den Abstandsregeln zusammen, die wegen der Corona-Pandemie gelten?

Ja. Die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) empfiehlt bei Chorproben in Singrichtung einen Abstand von mindestens sechs Metern und seitlich von mindestens drei Metern einzuhalten. Das macht pro Sänger gut zehn Quadratmeter. Chöre mit 30 oder 40 Mitgliedern bräuchten also 300 bis 400 Quadratmeter große Räume zum Proben.

Wie behilft man sich denn momentan?

Ich weiß von Chören, die im Vier-Schicht-Betrieb proben, um die Abstände in ihren bisherigen Räumen einhalten zu können. Das ist aber auch eine Kostenfrage, denn das bedeutet ja, dass viermal das Chorleiter-Honorar fällig ist. Kürzlich habe ich von einem Chor aus Sindlingen erfahren, dass der sich jetzt in einem Parkhaus treffen kann und mit dieser Lösung sehr glücklich ist. Das ist aber die Ausnahme. Unter den mehr als 60 Chören, die zum Sängerkreis Frankfurt gehören, gibt es momentan kaum einen, der keine Probleme mit Probenräumen hat.

Und was ist mit Online-Proben, per Videokonferenz?

Online-Proben waren für die Zeit des Lockdowns sehr wichtig. Sie haben die Chorgemeinschaft aufrechterhalten und sind auch jetzt noch parallel zu Präsenzproben sehr wichtig, zum Beispiel für erkältete Sänger. Man kann dabei ein Lied kennenlernen oder einzelne Stimmen üben. Aber wegen der zeitlichen Verzögerungen bei Videokonferenzen kann man nicht gemeinsam singen. Dafür müssen wir einfach physisch zusammenkommen. Wenn das nicht möglich ist, droht die Gefahr, dass wir Mitglieder verlieren. Da geht es auch um die Existenz der Chöre.

Was erhoffen Sie sich von der Aktion "#EinDachübermChor"?

Dass sich vielleicht Firmen, Organisationen oder Privatleute melden, die uns Räume zur Verfügung stellen könnten: zum Beispiel Säle oder auch Fabrikhallen, die momentan vielleicht weniger gebraucht werden. Wir bräuchten einfach große Flächen, die überdacht und geschützt sind. Möglichst hohe Räume, die sich gut belüften lassen. Das könnte auch eine große Scheune sein oder ein Parkdeck. Oder zwei mittelgroße Räume, die nebeneinander liegen, so dass man in zwei Gruppen proben könnte. Vorteilhaft wäre ein Stromanschluss, für die Keyboard-Begleitung. Aber das ginge zur Not auch im Batteriebetrieb, da sind wir flexibel.

Interview: Brigitte Degelmann

Ansprechpartner

Wer geeignete Räume für Chorproben zur Verfügung stellen könnte, kann sich per E-Mail an die Vorsitzende des Sängerkreises Frankfurt wenden:

iswolter@t-online.de.

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