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Frankfurter Gaga-Radweg: Nächster Schritt bringt Anwohner endgültig auf die Palme

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Von: Thomas Remlein, Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Hier parkt so schnell kein Auto mehr: Bauarbeiter montieren im Marbachweg am Donnerstag Fahrradbügel zwischen dem verbreiterten Radweg und der Fahrbahn.
Hier parkt so schnell kein Auto mehr: Bauarbeiter montieren im Marbachweg am Donnerstag Fahrradbügel zwischen dem verbreiterten Radweg und der Fahrbahn. © privat

Der neue Radweg im Marbachweg verärgert die Anwohner. Jetzt setzt die Stadtregierung Frankfurt noch einen drauf.

Frankfurt – Die Stadt hat am Donnerstag mit der nächsten Stufe beim Ausbau des Gaga-Radwegs im Frankfurter Marbachweg begonnen. Bauarbeiter montierten Fahrradbügel am Rand des deutlich verbreiterten Radwegs in Höhe der Hausnummern 331 bis 345.

Anwohner informierten am Morgen Ortsvorsteher Friedrich Hesse (CDU) darüber, dass die Arbeiten im Dornbusch begonnen hätten. Dass hier Fahrradbügel montiert werden sollen, hatte die Stadt kurz zuvor in einem Informationsblatt dargestellt, das am Dienstag an die Anwohner verteilt worden sei. Das hatte Wolfgang Siefert, persönlicher Referent und designierter Nachfolger von Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne), bereits am Mittwoch in dieser Zeitung erläutert.

Anwohner reagierten erbost darauf, dass die Stadt Frankfurt nun die Fahrradbügel aufstellte. Denn dort, wo nun die Bügel stehen, parkten bis vor wenigen Wochen noch Autos. Über Jahrzehnte war der Weg neben der Fahrbahn aufgeteilt in Längsparkplätze, einen daneben verlaufenden Radweg und einen breiten Fußweg.

Frankfurt reagiert mit Radweg im Marbachweg auf Beschwerden von Radfahrern

Wegen Schlaglöchern hatte die Stadt nach eigenen Angaben auf Beschwerden von Radfahrern hin den Parkplatzstreifen und den Radweg neu asphaltiert. Anschließend wurden die Parkplätze nicht wieder beschildert - weil der Platz zu gering sei, um eine Türöffnungszone zum Radweg hin anzulegen. Mit einer Ausnahme: Während 16 normale Parkplätze wegfielen, wurde zuletzt ein Behindertenparkplatz wieder markiert, inklusive aufwendiger Umfahrung für die Radfahrer.

Der gestrige Aufbau der Fahrradbügel bringe nun die Anwohner endgültig auf die Palme, berichtet Ortsvorsteher Hesse. Und ihn auch: Er hatte gerade erst mit der Verkehrsbehörde für 10. März einen Vorort-Termin vereinbart. "Jetzt schafft die Stadt vorher Fakten", ist Hesse sauer. "Das ist fast schon eine Verachtung des Ortsbeirats und der Anwohner."

Mobilitätsdezernat Frankfurt verteidigt Fahrradbügel auf neuem Radweg im Marbachweg

Gegen den Radweg an dieser Stelle habe niemand etwas, doch hätten Radweg und Parkplätze seit Jahrzehnten friedlich koexistiert, erinnert der Ortsvorsteher. "Es geht um die Art und Weise, wie man mit den Leuten umgeht."

Den Aufbau der Fahrradbügel verteidigt Mobilitätsdezernent Majer: "Aus Sicherheitsgründen geht beides nicht gleichzeitig", also Parken und Radfahren. Das sei grundsätzlich keine Frage, die politisch diskutiert werden könne: "Meine Untere Straßenverkehrsbehörde hat gesagt, dass das nötig ist aus Gründen der Sicherheit, und ich bin dem gefolgt." Das könne das Dezernat erläutern, und genau das werde auch bei dem Vorort-Termin geschehen, kündigt Stefan Majer an.

Er räumt wie auch schon sein Referent Siefert ein, dass die Kommunikation mit den Anwohnern nicht gut gelaufen sei. Allerdings sei der Ortsbeirat schon Ende Januar über Ortsvorsteher Hesse informiert gewesen.

Ärger über neuen Radweg im Marbachweg für Parlament in Frankfurt nicht dringlich

Am frühen Donnerstagnachmittag beschäftigte der Gaga-Radweg dann auch die Stadtverordneten im Ältestenausschuss. Die CDU-Fraktion im Römer hatte einen Dringlichkeitsantrag gestellt, den ursprünglichen Zustand mit den Parkplätzen wiederherzustellen, statt vollendete Tatsachen zu schaffen. "Es erregt die Menschen", sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Nils Kößler. "Sie sind zum Teil fassungslos."

Die bauliche Veränderung sei nicht mitgeteilt worden, stattdessen seien die Anwohner durch eine Welle von Strafzetteln mit dem neuen Rechtszustand konfrontiert worden. Ziel müsse es sein, die Parkplätze wiederherzustellen. Frankfurt sei dabei, bundesweite Bekanntheit zu erlangen, warnt Kößler. Es sei "der Versuch, auf kaltem Wege die eigene Verkehrspolitik durchzudrücken, wirft der CDU-Fraktionschef Grünen, SPD, FDP und Volt vor.

Der Fraktionschef der Linken, Michael Müller, unterstützte die Römer-Koalition: "Wir müssen die Parkplätze umwidmen", forderte er. Auf die Tagesordnung der Stadtverordnetensitzung am Nachmittag schaffte es der CDU-Eilantrag allerdings nicht - er verpasste die dafür nötige Mehrheit. SPD-Fraktionsvorsitzende Ursula Busch zeigte dem CDU-Vorstoß die kalte Schulter: "Der Ärger der Anwohner ist relevant, aber nicht dringlich." (Thomas Remlein, Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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