1. Startseite
  2. Frankfurt

Raser-Duell in Frankfurt: Mit 179 Sachen über die Hanauer Landstraße

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Stefan Behr

Kommentare

Raser
Am 20. Februar 2021 lieferten sich zwei Autofahrer ein illegales Rennen in Frankfurt. (Symbolbild) © Frank Rumpenhorst/dpa

Ein Raser fährt mit 179 Kilometern pro Stunde über die Hanauer Landstraße. Eine Polizeistreife nimmt er als Gegner wahr. Im Prozess um das illegale Rennen spricht das Gericht sein Urteil.

Frankfurt - Der Prozess gegen Ferhat T. ist am Donnerstagmorgen (27.01.2022) nicht der erste, der an diesem Tag vor dem Amtsgericht geführt wird. Es ist der zweite. Das scheint T.s Schicksal zu sein, vielleicht sein Fluch. Er ist der ewige Zweite. Und eine uralte Rennfahrerweisheit besagt: Der Zweite ist der erste Verlierer.

Angeklagt ist T. wegen illegalen Autorennens. Am 20. Februar 2021 ist Ferhat T. kurz vor 23 Uhr mit seiner Frau in Muttis 3er-BMW auf dem Heimweg vom Mainbummel in Frankfurt nach Maintal. Auf der Hanauer Landstraße fährt ein anderer 3er-BMW direkt vor ihm mit einem respektablen Fast&Furious-Drift von einer Tankstelle auf die Straße. Der 24 Jahre alte Lagerist T. ist offenbar mit einer kurzen Lunte ausgestattet, jedenfalls fühlt er sich durch den Fremddrift herausgefordert. „Um ehrlich zu sein: Ich hab’ mich provoziert gefühlt und dann alles mitgemacht.“

Frankfurt: Vier Kilometer langes Rennen über die Hanauer Landstraße

„Alles“ bedeutet in diesem Fall ein etwa vier Kilometer langes Hochgeschwindigkeitsrennen über die Hanauer. Das ist die Art, mit der Männer in 3er-BMWs seit Anbeginn der Zeiten solche Konflikte regeln. Beide geben ordentlich Gummi, T. hat trotz schlechterer Motorisierung den besseren Start, ruckzuck heizen beide mit 100 Sachen über die Landstraße, überholen andere Autos rechts und links, verschrecken Radfahrer und Fußgänger – und T.s ohnehin knapper Vorsprung schmilzt zusehends dahin.

Das Rennen ist für Nachwelt und Amtsgericht bestens dokumentiert durch einen Videofilm, den eine Zivilstreife aufgenommen hat, die sich kurz nach dem Start hinter die Rennrivalen geklemmt hat. Sie enthält neben den Bild- auch Tondateien, in denen die beiden Polizisten das Renngeschehen fast schon mit dem Enthusiasmus von Formel-1-Reportern kommentieren: „120... 130... 140... beide Fahrzeugführer treten jetzt voll durch!“ Bei Tempo 180 muss T. abreißen lassen. Sein Konkurrent zieht auf und davon und wird zur Belohnung erst ein paar Minuten später von der Polizei einkassiert.

Frankfurt: Raser verliert Rennen und Führerschein

Ferhat T. hat alles verloren: Rennen und Führerschein. Zu seiner Entschuldigung kann man nun sagen, dass der Gegner ihm motormäßig überlegen war. Und dass man Muttis Auto nicht unbedingt bis an die Drehzahlgrenze quälen muss. Und dass er in Form seiner Ehefrau Ballast an Bord hatte, der zu allem Überfluss auch noch demotivierend wirkte. „Um ehrlich zu sein, hat die geschimpft. Aber meine Frau ist immer gegen so was. Darum habe ich nicht auf sie gehört.“

Er wäre vermutlich auch beim Ehedisput nur Zweiter geworden. Das ist sein Fluch. Sein 20 Jahre alter Rennrivale ist bereits vergangene Woche vom Jugendrichter verwarnt und zu einer Buße von 2000 Euro verdonnert worden. T. muss mit 120 Tagessätzen à 50 Euro das Dreifache berappen. Sein Konkurrent muss noch vier Monate warten, bis er seinen Führerschein zurückbekommt – T. satte zehn. „Ich bin froh, dass ich niemanden geschädigt habe und entschuldige mich dafür“, sagt T. in seinem letzten Wort. Aber er meint es wohl nicht böse. Er ist kein Freund unnützer Grübelei.

Frankfurt: Raser nimmt Zivilstrafe als dritten Rennteilnehmer wahr

Die ihn damals verfolgende Zivilstreife etwa hatte er mangels Blaulicht als potenziellen dritten Rennfahrer wahr-, aber wegen offenkundiger PS-Armut nicht richtig ernstgenommen. Der Polizist erklärt im Zeugenstand das ausgeschaltete Blaulicht: Würde dieses im Heck der Rennfahrer eingeschaltet, drehten diese oft vollends durch. Neulich erst habe einer mit Blaulicht im Nacken sein eigenes Licht ausgeschaltet und sei mit 150 Sachen über die Hanauer nach Maintal gerast, wo er prompt einen Unfall gebaut habe. „Da stellen sich mir heute noch die Haare auf“, sagt der Polizist.

Apropos Haare: „Seine Frau hat ihm ordentlich den Kopf gewaschen“, sagt T.s Verteidiger über seinen Mandanten. Davon sieht man nichts mehr, denn T. hat zum Prozess seinen Undercut wieder form- und fristgerecht eingegelt. Denn so lautet eine weitere uralte Rennfahrerweisheit: Wer gut schmiert, der gut fährt. (Stefan Behr)

Ein anderer Raser in Frankfurt forderte eine zivile Polizeistreife zum Rennen auf.

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion