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Tourismus

Frankfurt: Reisechaos zu Beginn der hessischen Herbstferien bleibt aus

  • vonSabine Schramek
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Am Frankfurter Hauptbahnhof und auch am Flughafen blieb es ruhig. Viele Menschen verzichten auf eine Urlaubsreise.

Frankfurt -Lange Staus auf den Autobahnen Richtung Süden? Fehlanzeige. Gedrängel an den Bahnsteigen? Fehlanzeige. Chaos vor der Sicherheitskontrolle am Flughafen? Fehlanzeige. Das erste Herbstferienwochenende ist für die Reisebranche ein trauriges Wochenende. Corona, Risikogebiete, unübersichtliche Reisebestimmungen, Quarantäne und die Sorge, wie sich die Infektionsraten in den nächsten Wochen entwickeln, halten Reisende davon ab, Richtung Sonne, Meer oder Berge zu fliehen, während der Herbst in Frankfurt angekommen ist.

Die S-Bahnen Richtung Flughafen sind am ersten Urlaubswochenende kaum voller als an normalen Werktagen. Auch auf den Bahngleisen sind mehr kleine Trolleys als große Koffer zu sehen. "Ein Wochenende bei meinem Freund in München. Das muss reichen", sagt eine junge Frau mit Reisetasche über der Schulter. "Eigentlich wollten wir nach Mallorca, aber wir trauen uns noch nicht. Vielleicht ist es an Weihnachten sicherer."

50 000 Passagiere am Wochenende

Auch am Flughafen gibt es nicht nur wegen der strikten Abstandsregeln viel Platz. Alle Flieger starten weiterhin von Terminal 1 aus. Abflugtafeln, die vor Corona mit Flügen der nächsten eineinhalb Stunden beschriftet waren, zeigen jetzt die Abflugdetails für die nächsten drei Stunden. "Es ist eine sehr volatile Lage", so ein Flughafensprecher. "Letztes Jahr hatten wir am ersten Wochenende der Herbstferien 200 000 Passagiere, in diesem Jahr etwa 50 000." Es ist still im Abflugterminal. Alle tragen Masken. Die Mitarbeiter ebenso wie Passagiere. Nur das gleichmäßige Rattern von Kofferrollen erinnert daran, dass Ferien sind und die Flugzeuge mehr Urlauber als Geschäftsreisende in aller Herren Länder bringen. Viele Familien haben ihre Koffer mit Frischhaltefolie umwickelt. Vor allem Reisende in die USA, Asien und Lateinamerika. "Da erkennt man die Gepäckstücke leichter, außerdem ist es sicherer in Sachen Corona", sagt ein Familienvater, der mit seiner Frau und zwei Kindern nach Brasilien fliegt, "um zu relaxen". Mit der Frischhaltefolie müsse man nur die Folie nach der Landung abmachen und habe einen Corona-freien Koffer, erklärt er.

Auf dem Boden im Terminal 1 des Flughafens kleben Schilder, die auf Abstandsregeln und Maskenpflicht im gesamten Gebäude hinweisen, an den Check-In-Schaltern und an den Informationspunkten gibt es Desinfektionsmittel für die Hände. Durchsagen erinnern regelmäßig an die Hygienebestimmungen und sogar zwei Corona-Testzentren gibt es zwischen Fernbahnhof und Terminal. Eines für Leute, die aus einem Risikogebiet kommen und ein zweites für Präventivtests für alle anderen - inklusive Crews.

"Viel ist nicht los momentan", sagen zwei junge Männer, die schon vor dem Eingang für die Präventivtests den Weg weisen und Fragen beantworten. "Wir warten noch auf den Ansturm der Urlauber!" Vor dem Covid-19-Testcenter von "Centogene" warten nur wenige Menschen, um einen Abstrich machen zu lassen. Gegenüber, im Testzentrum des Deutschen Roten Kreuzes, bilden sich immer wieder Schlangen von Reisenden, die gelandet sind. Sie sind verunsichert, ob sie aus einem Risikogebiet kommen, oder nicht. Geduldig fragen die Mitarbeiter nach, wo sie waren und sehen in Listen nach. "Jordanien ist kein Risikogebiet", beruhigt ein Mitarbeiter eine Frau. "Libanon - da müssen Sie sich an Ihrem Zielort beim Gesundheitsamt melden", erklärt er einem Mann. Wer sicher gehen will, lässt einen Test machen und erspart sich - bei negativem Ergebnis - die Quarantäne, wenn er aus einem Risikogebiet kommt.

Rücksichtsvolle Reisende

"Wir sind sehr zufrieden mit den Reisenden", sagt ein Mitarbeiter. "Sie sind sehr rücksichtsvoll und wollen alles richtig machen. Sehr viel los ist im Augenblick nicht. Die meisten fliegen ja erst weg." Weltweit gibt es im Augenblick nur zwölf Länder, für die nicht vor Urlaubsreisen gewarnt oder von denen nicht abgeraten wird. Wer in einem deutschen Risikogebiet wohnt oder von dort nach Hessen, Hamburg, Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Brandenburg oder ins Saarland reist, darf nicht in Hotels oder Ferienwohnungen über Nacht bleiben. Auch darüber informiert das Robert-Koch-Institut unter www.rki.de .

Wer nicht verreisen will, aber trotzdem mit der Familie in den Ferien Flughafenluft schnuppern will, kann bei Flughafen-Rundfahrten mitmachen, die 45 Minuten oder 120 Minuten dauern. Informationen zu den Angeboten gibt es unter www.FRA-Tours.com. Die Besucherterrasse im Terminal 2 bleibt weiterhin geschlossen. Sabine Schramek

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