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"Findefuchs" Christian Schmidt mit Detektor auf der Suche nach Metall auf dem Riedberg.

Kurioses Hobby

Frankfurt: Mit Metalldetektor unterwegs: Das ist der „Findefuchs“ vom Riedberg

Wenn jemand etwas verloren hat, geht Christian Schmidt aus Frankfurt auf die Suche. Manch Ehestreit hat er so schon verhindert. 

Frankfurt – Erst an diesem Morgen sei es wieder passiert, sagt Christian Schmidt. Eine Frau wandte sich ganz aufgeregt an ihn und bat ihn um Hilfe: Sie habe ihren Ehering beim Gassigehen mit dem Hund verloren. Kein ungewöhnliches Ansinnen für den 39-Jährigen, der mit seiner Frau und zwei Söhnen am Riedberg wohnt und sich selbst gern als "Findefuchs" bezeichnet.

Seit viereinhalb Jahren macht er sich immer wieder auf den Weg, um mit seinen Metallsonden verlorene Gegenstände aufzuspüren. Manchmal mit Auftrag, meistens aber ohne, einfach so für sich. Gerne auf Spielplätzen und in Parks, gelegentlich auch auf Liegewiesen von Freibädern und in Kletterwäldern. Inzwischen habe er sogar eine Partnerschaft mit den Frankfurter Bäderbetrieben und dem Betreiber von Klettergärten in Wiesbaden und Darmstadt, erzählt er.

Wenn er mit seinen Detektoren und den Kopfhörern auf den Ohren unterwegs ist, zieht er oft erstaunte Blicke von Passanten auf sich. Kein Wunder bei einer derart ungewöhnlichen Freizeitbeschäftigung. Früher habe er jahrelang Kung Fu gemacht, sagt der Familienvater, der in Wiesbaden ein Team von Softwareentwicklern leitet: "Aber irgendwann hat sich das überlebt." Auf seiner Suche nach einem anderen Zeitvertreib stieß er auf einen Magazin-Artikel unter dem Titel "Die zehn außergewöhnlichsten Hobbys" auf das "Sondeln", wie die Schatzsuche unter Eingeweihten gern genannt wird. Neugierig geworden, guckte er sich auf "YouTube" einige Videos dazu an. "Wenn das wirklich so ist, dann ist das ja ziemlich cool", dachte er sich und bestellte sich kurzerhand eine Metallsonde.

Frankfurt: Viel Müll kommt bei Metalldetektor-Suchen zum Vorschein

Seine Frau war skeptischer. "Das funktioniert doch nicht", mutmaßte sie beim Anblick des Geräts. Umso überraschter war sie, als der Detektor beim ersten Gang auf den Riedberger Spielplatz immer wieder anschlug und unter dem Rindenmulch jede Menge Geldmünzen zum Vorschein kamen. Seitdem lässt er seine Sonden immer wieder über den Boden gleiten - voller Spannung, was darin verborgen sein mag: "Es ist faszinierend. Man weiß nie, was kommt."

Zwar sei es "zu 80 Prozent Müll", was er bei seinen Schatzsuchen an die Oberfläche befördert, erzählt er - etwa rostige Nägel und leere Getränkedosen. Dennoch hat er schon etliche wertvollere Stücke aufgespürt: rund 20 Ringe, ein Dutzend Schlüssel, unzählige Münzen. Aber auch Kurioses war dabei, etwa ein Zwei-Reichsmark-Stück mit einem Hakenkreuz und merkwürdige Metallbehälter, die sich schließlich als Rattengiftbehälter entpuppten. Nicht zu vergessen die Matchbox-Autos, die er vor allem auf den Spielplätzen entdeckt und dann fein säuberlich an die Seite stellt, damit sie die ursprünglichen Besitzer dort vielleicht wiederentdecken. Denn das ist ihm wichtig: Seine Funde sollen möglichst wieder in die Hände der Eigentümer gelangen. Mit seinem Hobby wolle er sich keinesfalls bereichern, betont er: "Ich will nur helfen."

Frankfurt: Ehering verloren? Der Findefuchs vom Riedberg hilft

Wie jenem Zahnarzt, der seinen Ehering auf einem Frankfurter Spielplatz verloren hatte und dann per Aushang um Hilfe bat. Zufällig entdeckte Christian Schmidts Schwiegermutter den Zettel und wies den Findefuchs darauf hin. Daraufhin machte sich der 39-Jährige auf die Suche - und entdeckte das gute Stück tatsächlich nach zweistündigem "Sondeln" unter einem Klettergerüst. Zur großen Freude des Besitzers, der das Schmuckstück selbst geschmiedet hatte, aus dem Gold seiner Großmutter. Einen weiteren Ehering fand der Sondengänger unter mehreren Lagen Mist in einem Pferdestall, wo ihn seine Besitzerin verloren hatte.

Solche Geschichten erzählt Christian Schmidt gerne, vor allem wegen der Geschichten, die damit verbunden sind. Ein Dankeschön, ein Kaffee und ein gutes Gespräch seien ihm allemal mehr wert als ein Finderlohn, der ihm theoretisch zusteht, betont er.

Der Frau, die glaubte, ihren Ehering beim Gassigehen verloren zu haben, musste er übrigens gar nicht mehr helfen. Das Schmuckstück sei nämlich in der Wäsche wiederaufgetaucht, erzählt er lachend. Auch das erlebt er öfters. Und ist darüber gar nicht traurig: "Besser so als anders."

Von Brigitte Degelmann

Nähere Infos

Für einige Wertstücke, die Christian Schmidt bei seinen Sondengängen in Frankfurt entdeckt hat, sucht er noch nach den rechtmäßigen Besitzern. Etwa für eine Damenarmbanduhr aus Edelstahl, einen Schlüssel mit silbernem Anhänger und einen goldenen Ring. Weitere Informationen über die Funde und über ihn gibt es auf seiner Homepage: www.findefuchs-frankfurt.de.

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