Rainer Frey von der BI Riederwald und Angela Wolf, die Vorsitzende des Elternbeirats der Pestalozzischule, kämpfen für bessere Unterrichtsbedingungen während der 26-monatigen Bauarbeiten am Riederwaldtunnel. foto: Holger Menzel
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Rainer Frey von der BI Riederwald und Angela Wolf, die Vorsitzende des Elternbeirats der Pestalozzischule, kämpfen für bessere Unterrichtsbedingungen während der 26-monatigen Bauarbeiten am Riederwaldtunnel. 

Riederwaldtunnel

Lärmschutzwand vor Pestalozzischule in Frankfurt gefordert 

  • vonFriedrich Reinhardt
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Der Bau des Riederwaldtunnels in Frankfurt bleibt ein Streitthema. Elternbeirat und BI drängen auf eine durchgehende Lärmschutzwand vor der Pestalozzischule.

Frankfurt – Angela Wolf ist erleichtert. Der Grund dafür ist ein Satz im 618 Seiten langen Planfeststellungsbeschluss zum Riederwaldtunnel. Auf Seite 78 heißt es mit Bezug auf die Pestalozzischule: "Der Einbau einer dezentralen Lüftungsanlage wird in den 14 Klassenzimmern oder sonstigen Unterrichtsräumen an der Süd- und Westfassade angeordnet."

Angela Wolf ist die Vorsitzende des Elternbeirats in der Grundschule an der Vatterstraße. "Die Schule heizt sich im Sommer auf", sagt Wolf. Wenn dann kaum 100 Meter von der Schule entfernt die Bauarbeiten am Riederwaldtunnel richtig beginnen, wird es so laut, dass Lehrer die Fenster nicht öffnen können. Wie soll dann dort eine angenehme Unterrichtsatmosphäre entstehen?

Darum hat Wolf gemeinsam mit der Bürgerinitiative "BI Riederwald" (BIR) für die Lüftungsanlage gekämpft. Jahrelang habe die BIR E-Mails geschrieben, erzählt Rainer Frey von der Initiative. Beim Ortsbeirat hat die Gruppe auf Anträge gedrängt, die dann abgelehnt wurden. Auch gab es Gespräche mit dem Bildungs- und dem Baudezernat. Das Problem war, dass das Schulgebäude unter Denkmalschutz steht. Es wurde ab 1926 nach einem Entwurf des Architekten Martin Elsässer als Ziegelbau errichtet.

Denkmalschutz und das Recht auf Bildung

Unter Denkmalschutz stehen auch die Wohnhäuser an der Straße Am Erlenbruch und an der Schäfflestraße. Explizit weist der Planfeststellungsbeschluss darauf hin, dass "durch die baubedingten Erschütterungen Schäden an Kultur- und Sachgütern nicht ausgeschlossen werden können".

Dennoch dürfe die Schule wegen des Denkmalschutzes nicht einmal Gardinen gegen die Sonneneinstrahlung aufhängen, wie Wolf erzählt. "Ich verstehe nicht, wie man Denkmalschutz über das Recht auf Bildung stellen kann."

Nun kommen die Lüftungsanlagen also doch - unter Auflagen. Sie sollen so eingebaut werden, "dass sie dem Erscheinungsbild des Gebäudes nicht zuwiderlaufen", wie es im Beschluss heißt. Außerdem soll die Schule 40 neue Schallschutzfenster bekommen. Erleichtert sind Wolf und Frey deshalb, aber nicht zufrieden.

Eine große Schallschutzwand steht schon entlang der Straße Am Erlenbruch. Für den Verkehr auf der Haenischschraße lässt die Wand eine Lücke. Die BIR hatte gefordert, diese Lücke zu schließen. "Man könnte die Wand versetzt und sich überlappend aufbauen", erklärt Frey. Für die Schüler wäre der Weg dann frei, nicht aber für den Schall. Das hatte Hessen Mobil, die den Riederwaldtunnel baut, abgelehnt. Stattdessen sollen der Schulgarten und das Außengelände der Kindertagesstätte in der Pestalozzischule laut Beschluss mit einem 2,25 Meter hohen Zaun vor dem Baulärm abgeschirmt werden.

Begründung für die Ablehnung einer geschlossenen Schallschutzwand: Der Autoverkehr müsse die Straße nutzen können. Frey lässt dieses Argument nicht gelten. "Die Haenischstraße muss während der Bauzeit sowieso zeitweilig gesperrt werden." Der Verkehr werde dann über die Flinschstraße und Vatterstraße umgeleitet. Dass die Haenischstraße unbedingt offen bleiben muss, könne also keiner behaupten.

Schallschatten für den Schulvorplatz

Die BIR und der Elternbeirat wollen "die große Lösung der Schallschutzwand", wie sie Frey nennt, da sie einen Schallschatten für den Platz vor der Schule für wichtig halten. "Man darf das Schulgelände nicht betreten", erklärt Wolf. "Deshalb ist der Platz der einzige Ort für Eltern, sich auszutauschen." Ohne Schallschutz müssten die Gespräche neben einer Baustelle mit einem Immissionsgrenzwert von 64 Dezibel geführt werden. Das ist so laut wie eine Nähmaschine.

Doch die Lüftungsanlage ist wenigstens ein Erfolg. Doch auch da schüttelt Wolf den Kopf. "Warum müssen Eltern und Anwohner für ordentliche Bildungbedingungen kämpfen?", fragt sie. "Warum macht das die Stadt nicht von allein?" 

Von Friedrich Reinhardt

Die Bürgerinitiative Riederwald drängt auf Lärmschutz für die Pestalozzischule - doch die Zeit wird knapp.

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