Rainer Frey (BI Riederwald) und Angela Wolf (Elternbeirat der Pestalozzischule) fordern eine Schutzwand , wenn der Riederwaldtunnel gebaut wird. 
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Rainer Frey (BI Riederwald) und Angela Wolf (Elternbeirat der Pestalozzischule) fordern eine Schutzwand , wenn der Riederwaldtunnel gebaut wird. 

Frankfurt Riederwald

Bürgerinitiative drängt auf Lärmschutz - doch die Zeit wird knapp

  • vonFriedrich Reinhardt
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Die Bürgerinitiative Riederwald fordert den Magistrat auf, den Schulhof der Pestalozzischule vor Lärm beim Bau des Riederwaldtunnels zu schützen.

  • Bürgerinitiative Riederwald setzt sich für Lärmschutz ein.
  • Demnächst beginnen die Bauarbeiten für den Riederwaldtunnel.
  • Bürgerinitiative fordert Unterstützung von der Stadt Frankfurt.
Frankfurt - Auch wenn die Corona-Krise das öffentliche Leben einzufrieren scheint, wird aus Sicht der Bürgerinitiative Riederwald (BI) die Zeit für die Pestalozzischule knapp. „Die rechtlichen Fristen beim Riederwaldtunnel laufen weiter und die Planung schreitet voran“, rechtfertigt die BI in ihrem Offenen Brief an Baudezernenten Jan Schneider (CDU) den Zeitpunkt ihrer Forderung. Die Stadt soll hartnäckig bleiben, damit die Bedingungen an der Grundschule erträglich sein werden, wenn kaum 100 Meter vor der Tür ab Ende nächsten Jahres Presslufthämmer hämmern, Schlagrammen rammen und der Riederwaldtunnel gebaut wird.

Bürgerinitiative Riederwald: Schutz vor Lärm

Der BI geht es vor allem um zwei Dinge. Erstens: Der Platz vor der Schule müsse wenigstens teilweise vor Baulärm geschützt werden. Zweitens: Auch auf dem Schulhof sollten sich die Schüler in der Pause nicht anschreien müssen. Immerhin wird mit einer Bauzeit von rund zweieinhalb Jahren gerechnet. Dafür macht die Bürgerinitiative Riederwald einen neuen Vorschlag.

Auf dem Platz vor der Schule, also Haenischstraße/Ecke Vatterstraße, könne eine kleinere Schallschutzwand aufgestellt werden. „So kann der Straßenverkehr einspurig geführt werden“, sagt Rainer Frey, Sprecher der BI. Die Wand würde aber verhindern, dass der Lärm durch den Torbogen in den Schulhof dringt. Außerdem hätten Eltern und Schüler vor dem Gebäude noch Platz, um sich zu unterhalten und abzusprechen.

Bürgerinitiative Riederwald: Vorschlag ist realisierbar

Dass dieser Vorschlag realisierbar ist, zeigten Bauarbeiten der Stadtentwässerung (SEF), argumentiert die BI. „Obwohl gerade 'nur' ein großes Abwasserrohr vor der Schule verlegt wird - Bauzeit wohl grob ein bis zwei Monate, hat die städtische SEF eine sechs Meter hohe Lärmschutzwand zur Schule hin errichtet, und in ein bis zwei Monaten wird die Haenischstraße für die Baustelle gesperrt.“

Mit ihrem Vorschlag reagiert die Initiative darauf, dass die große Lärmschutzwand, die schon jetzt an der Straße Am Erlenbruch steht, nicht verlängert und die Lücke auf der Haenischstraße nicht geschlossen werden soll. Aus Sicht der BI wäre das die einfachste Lösung. In dem sich zwei Schallwände auf der Haenischstraße überlappen, könnten Schüler und Lehrer zur Schule gelangen, nur der Lärm müsste auf der anderen Seite bleiben - zum Teil zumindest. Im Notfall könnten Rettungsfahrzeuge zudem über die Vatterstraße zur Schule gelangen. Hessen-Mobil lehnte diesen Vorschlag aber ab. Laut Berechnungsergebnissen sei das nicht erforderlich, hieß es im Dezember. Auch solle die Haenischstraße für den Verkehr offen bleiben.

Bürgerinitiative Riederwald hat Rückendeckung der Stadt Frankfurt

Die BI Riederwald bekam Rückendeckung von der Stadt Frankfurt. Im zweiten Änderungsverfahren des Planfeststellungsbeschluss für den Riederwaldtunnel hatte sie die durchgängige große Lärmschutzwand gefordert. Ohne Erfolg. Sie steht nicht in dem Beschluss, den der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir im Dezember unterschrieben hatte.

In der Begründung wird auf mögliche Schallschutzmaßnahmen eingegangen. Fazit: Schallschutzfenster für die Schule kosten 158 000 Euro, eine zehn Meter hohe Schallschutzwand würde 810 000 Euro kosten, wäre also deutlich teurer und würde das dritte Obergeschoss der Schule nicht ausreichend vor Lärm schützen. „Die aktive Lärmschutzwand wird daher als unverhältnismäßig angesehen.“

Bürgerinitiative Riederwald: Lärmbelästigung nicht nur in den Unterrichtsräumen

Die Prüfung orientierte sich an der zu erwartenden Lärmbelästigung in den Unterrichtsräumen. Für die BI und den Elternbeirat ist das zu kurz gedacht. Zur Schule gehört nicht nur der Raum, in dem Lehrer und Schüler sprechen. Schüler müssen in Pausen auch durchatmen können, darum muss der Schulhof vor Lärm geschützt werden. Ebenso müssen sich Eltern besprechen können, sagt Angela Wolf, die Vorsitzende des Elternbeirats. „Eltern dürfen das Schulgelände aber nicht betreten. Deshalb ist der Platz vor der Schule der einzige Ort für sie, sich auszutauschen.“ Dort wird es dafür aber zu laut sein. Bis zu 64 Dezibel würden dort von der Baustelle herüberschallen, wie ein Bericht der Gesellschaft „Obermeyer Planen + Beraten“ ermittelte. Die Gespräche zwischen den Eltern wären also etwa so entspannt wie neben einer dauerhaft tackernden Nähmaschine.

Bürgerinitiative Riederwald stellt Forderung an die Stadt Frankfurt

Deshalb hoffen die BI Riederwald und der Elternbeirat nun, dass der Magistrat mit Hessen-Mobil verhandelt und die kleinere Lärmschutzwand für den Schulhof und den Vorplatz herausschlägt. Denn mit einer anderen Forderung hatte die BI mit Hilfe des Magistrats schon Erfolg. Sie hatte Lüftungsanlagen für die Klassenzimmer gefordert. Schließlich würden Lehrer im Sommer sonst vor der Frage stehen: Öffne ich die Schallschutzfenster, weil es zu heiß für eine gute Unterrichtsatmosphäre ist, oder lasse ich sie geschlossen, weil es dann zu laut ist. Die Lüftungsanlagen sollten das Problem lösen. Erst forderten sie die BI, der Magistrat schloss sich an und beantragte sie beim zweiten Änderungsverfahren. Als im Februar der Planfeststellungsbeschluss dann veröffentlicht wurde, atmete Angela Wolf vom Elternbeirat durch. Die Lüftungsanlagen waren Teil des Beschlusses.

Auch gegen die Lärmschutzregelung für den Schulhof und den Vorplatz könnte der Magistrat noch Widerspruch einlegen. Im Notfall sollte die Stadt sogar Klage einreichen, findet Rainer Frey. Doch dafür wird die Zeit knapp. Wohl nur drei Wochen bleiben dem Magistrat.

Von Friedrich Reinhardt

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