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Das Autobahndreieck Erlenbruch wird gebaut. Es bildet künftig die westliche Zufahrt von der A 661 zum Riederwaldtunnel.

Verkehrsprojekt

Frankfurt: Riederwaldtunnel kostet 157 Millionen Euro mehr

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Immer wieder verzögert sich der Bau des Riederwaldtunnels, weil die Planung - meist wegen erfolgreicher Klagen  - nachgebessert werden muss. Nun wird der Autobahn-Lückenschluss zwischen A 66 und A 661 auch noch deutlich teurer: Statt 320 kostet er jetzt 477 Millionen Euro.

Frankfurt - Der Riederwaldtunnel wird deutlich teurer. Ging die Landes-Straßenbehörde Hessen Mobil, die den Tunnel im Auftrag und mit Geld der Bundesregierung plant und baut, 2013 noch von 320 Millionen Euro aus, soll der dreispurige Autobahntunnel mitsamt dem Lückenschluss zwischen A 66 und A 661 nun 477 Millionen Euro kosten. Auf den eigentlichen 1,1 Kilometer langen Tunnel und das durch ihn führende 2,2 Kilometer lange Autobahn-Stück sowie die Fertigstellen der Ostumgehung A 661 zwischen Bornheim und Seckbach entfallen davon rund 345 Millionen Euro. Für „Knotenpunkte“ – das sind das zurzeit im Bau befindliche Autobahndreieck Erlenbruch und die Anschlussstelle Borsigallee, an der die A 66 zurzeit noch endet – veranschlagt Hessen Mobil 129 Millionen Euro. Für „Nebenanlagen“ veranschlagt die Behörde weitere 3 Millionen Euro.

Riederwaldtunnel: Mehr Aufwand und Kosten

Für die Kostensteigerung seien mehreren Faktoren verantwortlich, erklärt Hessen Mobil auf Nachfrage. „Neben der allgemeinen und starken Steigerung der Baukosten liegen die Gründe vor allem auch in einer erweiterten und detaillierteren Planung“, heißt es in der schriftlichen Antwort. So wurden unter anderem zusätzliche Regenrückhaltebecken eingeplant. „Auch wurden die vorgesehenen umfangreichen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung während der Bauzeit erstmalig in den Kosten berücksichtigt.“ Aufgrund der Erfahrungen der bereits laufenden Arbeiten, bei denen auch mehrere Bomben gefunden wurden, könne besser als früher der Umfang für die erforderliche Kampfmittelsondierung erfasst und dessen Kosten korrigieren werden. „Im Zuge der Bauvorbereitung für das Tunnelbauwerk ging Hessen Mobil bereits in die Detailplanung, so dass auch hier Aufwand und Mengen genauer ermittelt werden konnten.“ Etwa für die vorgesehenen Rückverankerungen der Spundwände für die über 20 Meter tiefen Baugruben.

Zum Thema: Frankfurt: Kosten für Riederwaldtunnel steigen enorm

Ein wesentlicher Faktor bei der Kostenerhöhung stellen auch die gestiegenen Lohn- und Materialkosten dar, erläutert Hessen Mobil. Bei deren Berechnung werden Baupreisindex-Tabellen zugrunde gelegt. „Zwischen 2012 und 2017 ist hier von einer durchschnittlichen jährlichen Kostensteigerung von 1,5 Prozent auszugehen“, kalkuliert Hessen Mobil.

Frankfurter Verkehrsprojekt: Bauboom treibt die Preise

Hinzu komme, dass durch die vielen Investitionen in Verkehrsinfrastruktur und Wohnungsbau die Baupreise „in der gesamten Bundesrepublik sehr hoch“ seien, so Hessen Mobil. Ein Blick auf andere private, gewerbliche und öffentliche Projekte zeigt: Baufirmen können sich die lukrativsten Aufträge aussuchen – und sagen auch mal kurzfristig ab, wenn sich seit Vertragsabschluss etwas Besseres ergab.

Unterdessen hat sich auch der Bauablauf einmal mehr nach hinten verschoben: Um ein Jahr von Ende 2027 auf Ende 2028. Dies führt Hessen Mobil vor allem darauf zurück, dass das nötig gewordene Planänderungsverfahren zum Tunnelbau sich noch einmal verzögerte. Die geänderten Pläne mussten erneut geändert und noch einmal öffentlich ausgelegt werden.

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Statt wie noch vor drei Jahren für Anfang 2019 erwartet die Behörde den Planänderungsbescheid nun für Ende des Jahres, der Tunnelbau beginnt 2020 – aber nur, wenn niemand gegen den Planänderungsbeschluss klagt. Das Aktionsbündnis Unmenschliche Autobahn hat bereits angekündigt, dass es gegen diesen Beschluss klagen werde – etwa weil es einige Lärmschutzmaßnahmen während der Bauzeit für zu schlecht hält.

Kommentar von Andreas Haupt:

Selbst sonntags staut es sich an der Ampel beim Rechtsabbiegen von der Borsigallee auf den Erlenbruch. Im Berufsverkehr an Wochentagen sind die Schlangen schier endlos. Da will man schreien: Ewig plant ihr! Und die Ausbaugegner halten alles auf! Teurer wird es auch noch, das ist doch alles irre! Baut endlich den verflixten Tunnel!

Aber was wäre gewesen, wenn die einst geplante Autobahn gebaut worden wäre? Ohne Tunnel, als Hochstraße vielleicht, mit kaum Lärmschutz und heute mehr als 100 000 Autos täglich? Schneller und billiger wäre das gegangen, ja. Aber an so einer Straße will niemand leben! Selbst am Bau beteiligte Experten sagen: Eine solche Autobahn durch die Stadt würde heute niemand mehr planen.

Denn eine solche Autobahn macht krank. Deshalb muss man die Anwohner bestmöglich schützen. Auch wenn das viel Zeit, Kämpfe, Neuplanungen und viele Millionen Euro extra kostet.

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