+
Gleis 24 bildet bisher das nördliche Ende im Hauptbahnhof. Neben dem Bahnsteig dort aber gab es außerhalb der Halle lange auch Gleis 25. Das soll nach dem Willen des Rhein-Main-Verkehrsverbundes nun möglichst zügig wieder aufgebaut werden.

ÖPNV

Bekommt der Hauptbahnhof ein weiteres Gleis? – RMV fordert mehr Kapazität

Die Kapazität des Frankfurter Hauptbahnhofs soll wachsen. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) drängt auf eine ganz pragmatische, recht schnell umsetzbare Vergrößerung.

Frankfurt - Ein leicht verwahrloster Parkplatz neben dem Bahnsteig von Gleis 24: So zeigt sich rein physisch das nordwestliche Ende des Hauptbahnhofs Frankfurt. Wer "Gleis 25" sucht, muss die neben dem Nordflügel des Bahnhofs vorbeiführende Poststraße überqueren. Er landet in einer Eckkneipe, an der die Zeit bei Ebbelwei und Zigarettenqualm stillsteht.

Doch es gibt noch ein anderes Gleis 25. Es ist ganz am äußeren Ende des Bahnsteigs von Gleis 24 zu finden. Hier liegen noch alte Gleise, eine Weiche gar, die sogar zu einem einstigen Gleis 26 geführt haben dürfte. Überbleibsel aus einer alten, alten Zeit.

Lesen Sie auch: Toter Mann im Bahnhofsviertel gefunden

An diese Zeit aber hat man sich nun beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) erinnert. Die Planer nämlich zermartern sich Jahr für Jahr die Köpfe, wie sie angesichts der massiv steigenden Nachfrage möglichst immer mehr Züge in den Hauptbahnhof fahren lassen können. Zugleich will der Bund, dass die Bahn bis 2030 ihr Fernverkehrsangebot verdoppelt.

Fernbahntunnel erst in den 2030er Jahren – RMV sieht Verkehrszuwächse mit Sorge

Das kann der Frankfurter Hauptbahnhof, die wichtigste Drehscheibe des deutschen Fernverkehrs, nicht einfach so schaffen. Er gilt heute als völlig überlastet: Eine komplette ICE-Linie muss den Hauptbahnhof bereits umfahren. Ihre Züge halten vor der Fahrt nach Berlin via Braunschweig nur dribbdebach: am Fernbahnhof des Flughafens und am Südbahnhof.

Zwar hat der Bund denBau eines 3,5 Milliarden Euro teuren Fernbahntunnels in Aussicht gestellt*. Doch bis dieser mit seinen zwei Gleisen mehr Kapazität schafft, dürfte es wohl bis in die zweite Hälfte der 2030er-Jahre dauern.

Auch interessant: Machbarkeit von unterirdischem Bahnhof in Frankfurt wird untersucht

Doch was geschieht bis dahin? Die Verkehrszuwächse sieht der RMV mit Sorge: "Sollen signifikant mehr Züge die Station ansteuern, braucht es zusätzliche Kapazitäten", erklärt Sprecherin Vanessa Rehermann. Daher fordere der RMV die Reaktivierung von Gleis 25. "Das Gleis kann für zusätzliche Züge des Regionalverkehrs genutzt werden und wäre ein wichtiger Schritt für mehr Kapazitäten im Hauptbahnhof", erläutert Rehermann.

Deutsche Bahn hat längst andere Pläne fertig – Parkhaus und Platz für Fahrräder

Mit dem Wunsch ist der RMV vor nicht allzu langer Zeit auch an die Bahn herangetreten. Und das war offenbar auch wirklich höchste Eisenbahn: Der Staatskonzern hat nämlich längst andere Pläne fertig. Ein Parkhaus soll auf der Parkplatzfläche gebaut werden, die sich dort befindet, wo einst der Gleisstrang lag.

Historische Bilderstrecke: Der Hauptbahnhof Frankfurt im Wandel der Zeit

Aufnahme des Vorplatzes und Haupteingangs um 1900. © FNP Archiv
Montage der Hallenbinder mit Hilfe eines auf zwanzig Rädern fahrbaren Gerüsts, 1885. © FNP Archiv
Der Hauptbahnhof nach der Eröffnung im Jahr 1888. © FNP Archiv
Parade zum Empfang König Humberts I. von Italien vor dem Hauptbahnhof, 1889. © FNP Archiv
Zeichnung der Innenhalle des frühen Hauptbahnhofs. © FNP Archiv
Der Haupteingang im Jahr 1890. © FNP Archiv
Frankfurt, Hauptbahnhof, Kaiserzimmer. © FNP Archiv
Außenansicht, Datum unbekannt. © FNP Archiv
Der Bahnhofvorplatz, 1910. © FNP Archiv
Trubel vor dem Hauptbahnhof, Aufnahmedatum unbekannt. © FNP Archiv
Der große Saal der Bahnhofswirtschaft zwischen den Weltkriegen: Ein Bahnbeamter mit Glocke kündigt die Abfahrt der Züge an. © FNP Archiv
Der Vorplatz, irgendwann Anfang des 20. Jahrhunderts. Gut zu sehen: Einer der beiden, etwa 20 Meter hohen und dreiarmigen "Kandelaber" aus Gusseisen, die ersten elektrischen Straßenlaternen Frankfurts. Ende der 1950er/Anfang der 1960er Jahre wurden sie im Rahmen eines Umbaus entfernt. © FNP Archiv
Alte Postkarte mit Hauptbahnhof-Motiv. © FNP Archiv
Luftaufnahme, genaues Datum nicht bekannt. © FNP Archiv
Der Haupteingang, Datum unbekannt. © FNP Archiv
Ein Luftbild von 1929. © FNP Archiv
Der Vorplatz um 1935. © FNP Archiv
Nach dem Krieg: Menschen vor dem zerstörten Hauptbahnhof in einem Karren, 1946. © FNP Archiv
Lebendiges Treiben vor dem Hauptbahnhof, 1955. © FNP Archiv
Im Jahr 1957 sah der Vorplatz noch wesentlich grüner aus. © FNP Archiv
Der Bahnhofvorplatz 1959. © FNP Archiv
Bahnhofsvorplatz, vermutlich 1960er Jahre. © FNP Archiv
Blick auf den Hauptbahnhof von der Kaiserstraße, 1968. © FNP Archiv
Innenhalle, Datum nicht bekannt. © FNP Archiv
Blick auf die Nordseite, vermutlich aus der Taunusstraße aufgenommen, 1975. © FNP Archiv
1971: Die Trennung der Straßenbahnlinien führte damals zu großen Verkehrsbehinderungen. © FNP Archiv
1972: Bauarbeiten im Untergrund. © FNP Archiv
Hauptbahnhof, B-Ebene, 17.08.1972. © FNP Archiv
Diese Bauarbeiten im Jahr 1975 haben sicherlich für chaotische Verkehrsverhältnisse in Frankfurt gesorgt. © FNP Archiv
Bauarbeiten am und um den Bahnhof, 1975. © FNP Archiv
Die Eingangshalle. 1970er Jahre? © FNP Archiv
B-Ebene, 31.05.1978. © FNP Archiv
Innenhalle, Gleise, schätzungsweise 1980er Jahre. © FNP Archiv
B-Ebene, 19.03.1985. © FNP Archiv
B-Ebene, 25.08.1990. © FNP Archiv
Hauptbahnhof, B-Ebene, 25.08.1990. © FNP Archiv
Arbeiter in der B-Ebene, 15.01.1992. © FNP Archiv
FNP-Lokales
Aufnahme vom Dach des DG-Bank-Gebäudes am 10. Juni 2001. © FNP Archiv
Vorplatz, Datum unbekannt. © FNP Archiv
FNP-Lokales
Haupteingang und Vorplatz, 10.08.2004. © FNP Archiv
Die Innenhalle des Hauptbahnhofs mit Granitbelag, der Mitte der Nullerjahre eingebaut wurde. © FNP Archiv/Martin Weis
Bild aus einer Überwachungskamera, aufgenommen am 08.04.2005. © FNP Archiv
Hauptbahnhof mit verhüllten Türmen, 19.07.2008. © FNP Archiv/Martin Weis
Die Freifläche und Treppen vor dem Frankfurter Hauptbahnhof sollen demnächst auch modernisiert werden. © FNP Archiv/Holger Menzel
Die Computer-Darstellung zeigt die sogenannte B-Ebene unter dem Frankfurter Hauptbahnhof nach den geplanten Renovierungsarbeiten. Bis 2019 sollen der Zugang von der B-Ebene und der Bahnhofsvorplatz für 175 Millionen Euro umgebaut werden. © FNP Archiv
Modernisierung Frankfurt am Main Hauptbahnhof
Animation: Neugestaltete Haupthalle des Frankfurter Hauptbahnhofes mit Blickrichtung Innenstadt. © FNP Archiv
Modernisierung Frankfurt am Main Hauptbahnhof
Neugestaltete Haupthalle des Frankfurter Hauptbahnhofes mit Blickrichtung Querbahnsteig: Bis 2019 sollen mehr als 1000qm neue Einkaufsflächen entstehen © FNP Archiv

Das Parkhaus zwischen Poststraße und den Gleisen in Verlängerung der Nordhalle soll Platz für 200 Fahrzeuge bieten. Gut 18 Meter hoch soll es werden und fünf Parkebenen bieten. Diese würden dann ab dem ersten Stockwerk über den Bahnsteig hin auskragen, diesen zu drei Vierteln seiner Breite als Dach überspannen. Das geht aus aktuellen Plänen und einer Ausschreibung von vor rund zwei Jahren hervor.

In der alten Postpaketkammer im Untergrund soll zudem ein Fahrradparkhaus mit 700 Stellplätzen eingerichtet werden. Hier im Untergrund ist demnach auch ein Logistikzentrum für den Bahnhof vorgesehen.

Deutsche Bahn muss über Lösungen nachdenken – Sanierung der B-Ebene startet noch in diesem Jahr?

Nach der Intervention des RMV lässt sich der Parkhausbau aber nicht mehr wie vorgesehen realisieren, weil der bisherige Entwurf die Fläche von Gleis 25 komplett nutzt. Das bestätigt eine Bahn-Sprecherin: "Wir müssen schauen, wie die Planungen für das in der Poststraße vorgesehene Parkhaus und den Ver- und Entsorgungskomplex angepasst werden müssen." Man habe "jetzt begonnen, über Lösungsvorschläge nachzudenken".

Außerhalb der Bahnhofshalle, am Ende des Bahnsteigs, sind die Überreste des alten Gleises 25 noch erkennbar, sogar die Weichen zum einstigen Gleis 26.

Sauer auf den RMV ist die Bahn dabei nicht: "Es ist ja für alle wichtig, die Kapazitäten des Hauptbahnhofs zu erweitern", räumt die Sprecherin des Staatskonzerns ein. Wie lange die Umplanung dauere und ob sich das Projekt damit verzögere, ist nach Angaben der Sprecherin bisher nicht absehbar. Allerdings läuft die Uhr für die Bahn. In diesem Jahr will sie mit dem 135 Millionen Euro teuren Umbau der B-Ebene beginnen sowie der Sanierung des Nordflügels. Vier Jahre lang sollen diese Arbeiten dauern.

Danach soll der Bahnhofsvorplatz umgestaltet werden. Sobald es dort losgeht, muss das Parkhaus fertig sein - wohl 2023. Schließlich soll der Neubau Ersatz bieten für jene Stellflächen, die sich bislang auf dem Vorplatz und nördlich des Bahnhofsgebäudes befinden. Die Schokoladenseite des Hauptbahnhofs soll in Zukunft autofrei sein.

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

Info: Zu kurz für ICEs, aber doch sehr hilfreich

Ein wieder aufgebautes Gleis 25 ganz im Norden des Gleisfelds des Hauptbahnhofs wäre mit wohl einer Bahnsteiglänge von nur etwa 130 Metern deutlich kürzer als die meisten anderen Gleise. Für ICEs, die in den kürzesten Standardlängen 200 Meter messen, wäre das erheblich zu kurz.

Allerdings könnte das Gleis dennoch sehr effektiv genutzt werden - für den Nahverkehr. Denn sowohl die Züge, die Betreiber Vias auf der Rheingau-Linie nach Neuwied einsetzt, sind selbst in der üblichen Doppeltraktion mit 120 Metern Länge kurz genug, um hinzupassen. Auch für die erheblich kürzeren Regionalbahnzüge nach Königstein und jene nach Brandoberndorf würde die Bahnsteiglänge problemlos ausreichen.

Konkrete Planungen, für welche Züge Gleis 25 genutzt werden kann, gibt es bei Bahn und RMV bisher nicht. Eine Bahnsprecherin schließt wegen der geringeren Bahnsteiglänge die Nutzung für den Fernverkehr aus. "Aber es ist ja eine große Hilfe, wenn wir dort Regionalzüge halten lassen können." Dann würden andere Gleise mit langen Bahnsteigen frei für längere Züge - also auch ICs und ICEs.

Wie im Norden gibt es auch ganz im Süden ein verkürztes Gleis: das Gleis 1a. Dieses wird aktuell nicht fahrplanmäßig genutzt, sehr wohl aber bei kurzfristigen Überlastungen. Bei der Bahn liegen Pläne in der Schublade, den Bahnsteig dieses Gleises so zu erweitern, damit hier ICEs nach London abgefertigt werden könnten. Wegen der Fahrt durch den Kanaltunnel sind besondere Sicherheitsvorkehrungen nötig wie im Flugzeug. Die Pläne für diese ICE-Strecke liegen bei der Bahn jedoch schon länger auf Eis, weil alle verfügbaren Züge die Fahrplansituation im Inland verbessern helfen sollen. dpg

Das könnte Sie auch interessieren:

Mutter und Kind wurden auf Gleis gestoßen - Hintergrund völlig unklar

Mutter und Kind sind am Montagvormittag von einem Unbekannten in ein Gleisbett gestoßen worden. Der Achtjährige kam dabei ums Leben.

Messerangriff am Hauptbahnhof Frankfurt: Zugbegleiter verletzt, Täter flüchtig

Am Hauptbahnhof Frankfurt wurde ein Zugbegleiter der Deutschen Bahn (DB) mit einem Messer angegriffen und verletzt. Der Täter ist flüchtig.

Sprinter schleift Fußgänger durch Stadt und flüchtet - Polizei nennt Details zum Fahrzeug

Am Hauptbahnhof Frankfurt hat ein Sprinter einen Fußgänger angefahren und kilometerweit mitgeschleift*. Die Polizei nennt neue Details zum flüchtigen Fahrer.

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare