Trotz Maskenkontrollen fühlen sich viele Fahrgäste unwohl, meiden daher die Züge. Großer Corona-Verlierer sind die S-Bahnen. foto: müller
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Trotz Maskenkontrollen fühlen sich viele Fahrgäste unwohl, meiden daher die Züge. Großer Corona-Verlierer sind die S-Bahnen.

Traffiq-Studie

Angst vor der S-Bahn: Corona stürzt ÖPNV in Frankfurt in eine tiefe Krise

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Die Angst vor einer Corona-Infektion und das Homeoffice hat vor allem die Zahlen bei der S-Bahn-Nutzung des RMV in Frankfurt dramatisch einbrechen lassen. Der ÖPNV steckt in der Krise, Ausgang ungewiss.

  • Infolge der Corona-Pandemie wird das Angebot des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) in Frankfurt seltener genutzt.
  • Auch ein Corona-Impfstoff ist für viele kein Grund, wieder mehr in Bus und Bahn unterwegs zu sein.
  • Das Homeoffice spielt beim Rückgang der Nutzung von S- und U-Bahnen in Frankfurt eine wichtige Rolle.

Frankfurt – In Zeiten von Homeoffice und Kontaktbeschränkungen müssen weniger Menschen unterwegs sein. Der öffentliche Nahverkehr könnte aber auch längerfristig ein großer Verlierer der Pandemie werden. Dies geht aus einer am Dienstag vorgestellten Studie der Nahverkehrsgesellschaft Traffiq der Stadt Frankfurt hervor.

So gaben in einer repräsentativen Onlineumfrage 19 Prozent der Befragten an, auch nachdem ein Impfstoff vorhanden sei, künftig weniger öffentliche Verkehrsmittel nutzen zu wollen. Immerhin 15 Prozent gaben aber auch an, nach der Pandemie häufiger mit öffentlichen Verkehrsmittel fahren zu wollen.

Bleibende Auswirkungen auf den RMV durch die Corona-Pandemie in Frankfurt

„In der Gesamtschau werden sich bleibende Auswirkungen der Pandemie auf die Fahrgastzahlen im Nahverkehr nicht ausschließen lassen“, befürchtet Traffiq-Geschäftsführer Tom Reinhold. Er ist sich aber sicher, verlorene Fahrgäste teilweise zurückgewinnen zu können, wenn eine Ansteckung durch das Coronavirus nicht mehr gegeben sei. Reinhold kündigte an, dafür verstärkt an der Attraktivitätssteigerung von Bahn und Bus arbeiten zu wollen.

Die Nahverkehrsgesellschaft hatte fundierte Zahlen für den Rückgang der Fahrgäste haben wollen. Dafür hatte ein beauftragtes Institut Anfang Oktober 1000 Erwachsene in Frankfurt und dem Umland zu ihren Beweggründen befragt.

RMV und VGF in der Krise: Jeder Zweite fährt wegen Corona seltener ÖPNV in Frankfurt

54 Prozent der Befragten gaben an, Busse und Bahnen derzeit seltener zu nutzen als vor der Pandemie. Als Gründe dafür wurden fehlende Anlässe oder Angst vor Ansteckung genannt. Aufgrund der fehlenden Anlässe nahm auch die Gesamtmobilität ab. Allerdings verlor der ÖPNV stärker als etwa das Auto.

Größter Verlierer mit einem Rückgang von 30 Prozent waren die S-Bahnen, die dafür in Frankfurt aber pünktlicher fuhren. 22 Prozent der Befragten gaben an, Busse seltener zu nutzen. Bei Autos betrug der Rückgang nur sieben Prozent bei Fahrern und acht Prozent bei Mitfahrern. Fahrgäste verloren hat der ÖPNV vor allem bei Käufern von Einzeltickets in Frankfurt und Nutzern von Zeitkarten aus dem Umland. Die beiden Gruppen machten zwei Drittel aller verloren gegangenen Fahrten aus.

  • S-Bahn-Nutzung um 30 Prozent zurück gegangen
  • 22 Prozent der Befragten fahren seltener mit dem Bus

Zahlen zur Nutzung von RMV und VGF in Frankfurt

Für die Studie konnte Traffiq auch Zahlen einer Umfrage aus Frankfurt und Umgebung nutzen, die im September 2019, also noch vor Ausbruch der Pandemie, erhoben worden waren. Bei der Frage nach dem genutzten Hauptverkehrsmittel ging die Zahl der Befragten, die S- und U-Bahn angaben, um 16 Prozent zurück. Die Zahl derer, die hauptsächlich auf das Auto setzen, stieg hingegen um zehn Prozent. Die Zahl der Fußgänger stieg um fünf Prozent, die der Radfahrer um vier Prozent.

Zum Ausblick auf die Zeit nach Corona hieß es, es sei anzunehmen, dass nicht alle Veränderungen beim Mobilitätsverhalten wieder zurückgenommen würden: So erwarteten viele Befragte, dass Arbeit im Homeoffice auch in Zukunft eine stärkere Rolle spielen und Fahrten zum Arbeitsplatz überflüssig machen werde. Im laufenden Jahr hat sich der RMV auf ein Minus von 30 Prozent bei den Einnahmen im Vergleich zu 2019 eingestellt. Immerhin: Bisher haben erst fünf Prozent der Besitzer von Jahreskarten gekündigt.

Weniger RMV-Nutzung in Frankfurt auch nach der Corona-Pandemie?

Wie sich die Fahrgastzahlen in langfristig entwickeln werden, sei nicht absehbar, hatte RMV-Geschäftsführer Knut Ringat Ende Januar bei der Jahrespressekonferenz betont. Gerade in der in Frankfurt stark vertretenen Banken- und Versicherungsbranche könne das Homeoffice auch nach Corona bestehen bleiben – und damit könnten Pendler wegbleiben. Doch vielleicht gebe es dann mehr Nachfrage nach Fahrten zu Freizeitzwecken, wenn etwa nach dem Ende der Pandemie die Menschen ins Kino oder Fußballstadion strömten.

Die Lage werde von einer eigenen Arbeitsgruppe der Verkehrsgesellschaft eng verfolgt, sagte Ringat. Da viele Busse und Bahnen vor Corona überfüllt waren, müsse am Ausbau und an Innovationen festgehalten werden. Er setze darauf, dass auch die Politik dies weiter so sehe und trotz klammer Kassen in die Verkehrswende investiere. (Dennis Pfeiffer Goldmann)

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