Das Archäologische Forum in Heddernheim möchte die römische Geschichte in Frankfurt erlebbar machen. Diese Simulation zeigt den möglichen Römerpark.
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Wo sich heute das von Büschen und Bäumen überwucherte Areal an der Straße in der Römerstadt befindet, könnte ein solcher Römerpark entstehen.

Frankfurt: Neue Pläne für Römerpark

Diese Römerstadt in Frankfurt verdient den Namen

  • vonGernot Gottwals
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Frankfurt-Heddernheim könnte einen Römerpark bekommen. ABG und Stadt haben sich bereits geeinigt.

  • Archäologisches Forum Heddernheim möchte Geschichte durch Römerpark in Frankfurt erlebbar machen.
  • ABG und Stadt Frankfurt einigen sich auf Kompromiss zwischen Wohnungsbau und Römerpark.
  • Simulation zeigt, wie Frankfurter Römerpark aussehen könnte.

Frankfurt – Ein kleines Amphitheater, ein Mithras-Heiligtum oder die Villa eines Winzers mit Schau-Kelterei. Im Hintergrund neorömische Mehrfamilienhäuser mit Terrassen und Balkonen. Was wie eine Zeichnung aus dem Asterix-Klassiker "Die Trabantenstadt" von René Goscinny (1926-1977) und Zeichner Albert Uderzo (1927-2020) wirkt, ist vielmehr eine aktuelle Simulation des Archäologischen Forums Heddernheim, die einen Eindruck vermitteln soll, wie sich die Hobby-Gräber einen Römerpark vorstellen.

Römerpark in Frankfurt soll realisiert werden – neben ABG-Wohnungsbau

Die Forderungen nach ihm oder einem Freilichtmuseum auf dem Areal, wo heute noch die ehemaligen Ami-Baracken stehen, ist fast so alt wie die dort gemachten Funde. Was natürlich übertrieben ist. Gleichwohl beschäftigen sie den zuständigen Ortsbeirat seit 8 Jahren. Und die Stadtverordnetenversammlung, die sich im Februar prinzipiell für eine solche Nutzung aussprach. Ohne Vorgaben oder Vorschläge zu machen. Das wollten jetzt ABG-Chef Frank Junker, dessen Gesellschaft dort Häuser bauen will, und die Leiterin des Denkmalamtes Andrea Hampel übernehmen. Doch der Termin im Stadtteilparlament wurde kurzfristig abgesagt.

Deshalb standen in der jüngsten Sitzung zwei passende Anträge der Grünen auf der Tagesordnung. Sie wurden vertagt. In den beiden Vorlagen von Erik Harbach geht es darum, in Abstimmung mit dem Ortsbeirat in einem zentralen Museumspark die Geschichte der antiken Römerstadt Nida vom ersten bis dritten Jahrhundert auch für Kitas und Schulen adäquat am historisch richtigen Ort erlebbar zu machen und bei dieser Gelegenheit auch die „etwas angestaubte Dauerausstellung zu Nida im Archäologischen Museum“ (so die Formulierung im Antrag) zu erneuern.

Römerpark und Wohnungsbau der ABG in Frankfurt

Harbach ist zugleich Mitglied beim Archäologischen Forum Nida, das sich bereits seit einiger Zeit für einen Römerpark auf historischem Grund einsetzt. Im September 2019 war die Enttäuschung zunächst groß, als es seitens der ABG Frankfurt Holding hieß, ein Römerpark sei mit Rücksicht auf den dringend notwendigen Wohnungsbau in der Stadt nicht realisierbar. Man könne sich aber auf einen Kompromiss verständigen und einzelne Fundstücke ausstellen.

Im Februar hieß es in einer Magistratsvorlage dann, die Stadt und die ABG hätten sich auf ein kleineres Teilstück für einen Bürger geeinigt, das neben der Wohnbebauung entstehen könne. „Angedacht ist nun eine 90 mal 90 Meter große Fläche In der Römerstadt 124 bis 126“, erklärt Manfred Piehl, Vorsitzender des Archäologischen Forums Nida. Genauer gesagt ein momentan mit Dornen, Buschwerk und Bäumen bewachsenes unebenes Grundstück, auf dem im westlichen Teil in Schutzhütten die Reste einer römischen Villa mit einer Fußbodenheizung, einem römischen Steinkeller und einem Töpferofen erhalten sind.

Simulation zeigt möglichen Frankfurter Römerpark – Wunsch nach architektonischer Anpassung ABG-Gebäude

Mit seiner Simulation will das Archäologische Forum bereits einen Eindruck vermitteln, wie es sich die Zukunft vorstellt. Neben der Villa eines Winzers, dem Mithräum und dem Amphitheater gehören weitere Villen, ein weiterer Tempel und Ladengeschäfte ebenso dazu wie eine Taverne, ein Museum für kleinere Fundstücke und ein Torbogen als Eingang zum Ensemble.

Für die Architektur der Rekonstruktionen könne der Archäologische Park in Xanthen Modell stehen, meint Piehl. Es wäre wünschenswert, die Wohnhäuser der ABG Holding in einem zu den Rekonstruktionen passenden römisch-italienischen Stil mit Leistenziegeln, Arkaden oder überdachten Gängen zu errichten, der sich von der übrigen Bebauung abhebt. Die Rekonstruktion könnte durch archäologische Stiftungen, die Stadt, das Land oder allgemeine Spenden finanziert werden.

Töpfern und Bronzegießen im Frankfurter Römerpark neben 190 ABG-Wohnungen

Tatsächlich geplant seien etwa 190 Wohnungen, von denen die Hälfte gefördert werde, erklärt derweil ABG-Chef Junker auf Anfrage. „Hier könnte eine Möglichkeit entstehen, dass Schulkinder einen Tag römische Geschichte erleben, mit römischem Schulunterricht, selbst gekochtem Essen, Töpfern, Drechseln, Bronzegießen und vielem mehr“, erläutert er. Natürlich soll das Angebot auch die Interessen der Erwachsenen berücksichtigen. Auch wenn etwas künstlerische Freiheit bei der Frage erlaubt sein soll, welches Gebäude genau an welchem Ort rekonstruiert wird, wie Piehl einräumt.

„Was da entstehen wird, kann man durchaus als Wohnanlage mit römischer Folklore verstehen“, sagt auch Harbach. Während im Ortsbeirat Einvernehmen über das Projekt bestehe, sei es vielen Parteifreunden im Römer bislang nur schwer nahezubringen. „Aber künftige Generationen würden sich doch ärgern, wenn in Heddernheim außer ein paar Bildtafeln nichts mehr von der antiken Geschichte da sein sollte“, findet auch Ortsvorsteher Nattrodt. Gernot Gottwals

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