Eltern fordern mehr Transparenz

Rund 100 Corona-Meldungen pro Tag an Schulen und Kitas in Frankfurt: Kritik am Gesundheitsamt

  • vonSylvia Amanda Menzdorf
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Das Gesundheitsamt Frankfurt bearbeitet Corona-Fälle an etlichen Schulen. An einem Gymnasium regt sich Unmut gegen die Behörde. Der Schulelternbeirat fordert mehr Transparenz.

  • An Schulen in Frankfurt gelten wegen Corona strikte Regeln.
  • Trotzdem werden dem Gesundheitsamt Frankfurt laufen neue Corona-Fälle oder der Verdacht darauf gemeldet.
  • Eine Schule stellen deshalb eigene Regeln gegen das Coronavirus auf – und übt Kritik.

Frankfurt – Maske tragen, Abstand halten, Hände waschen, lüften: Diese Vorgaben gelten an Frankfurts Schulen. Wird sich strikt daran gehalten, werden auch keine Kinder nach Hause geschickt, wenn es einen mit dem Coronavirus infizierten Schüler in der Klasse gibt. Mit einer Ausnahme: Das Kind mit positivem Testergebnis muss selbstredend in Quarantäne.

Von dieser Vorgehensweise des Gesundheitsamts hält die Wöhlerschule nicht viel. In einem Brief des Schulelternbeirats an die Eltern, der dieser Zeitung vorliegt, heißt es: "Es reicht nicht mehr aus, sich nur auf die Vorgaben des Gesundheitsamtes zu verlassen." Als Begründung wird genannt, dass im Unterricht und auf dem Schulhof zwar eine Maskenpflicht gelte, der Sport- und Schwimmunterricht aber ohne Mund-Nasen-Bedeckung stattfinde, sich die Kinder und Jugendlichen nach der Schule ohne Maske treffen und einige Schüler den Schutz unter der Nase tragen würden, was ihn nutzlos mache.

Im Umgang mit dem Coronavirus werden Schulen kreativ – wie hier ein Beispiel zum Abstandhalten aus Italien zeigt. In Frankfurt stellt eine Schule sogar ihre eigenen Corona-Regeln auf.

Wöhlerschule in Frankfurt hat eigene Corona-Regeln

Deshalb hat die Schule im Umgang mit Corona-Fällen eigene Empfehlungen aufgestellt. So können etwa Schüler, die Kontakt zu infizierten Personen hatten, für zwei Wochen dem Unterricht fernbleiben. In dieser Zeit würden sie von den Lehrern mit Unterrichtsmaterial versorgt. Zudem würde die Schulleitung Kinder aus einer Klasse, in der es infizierte Personen gibt, "wenn sie aufgrund dieser außergewöhnlichen Umstände nicht am Unterricht teilnehmen möchten", entschuldigen.

In dem Gymnasium am Dornbusch in Frankfurt hatten sich in der vergangenen Woche vier Schüler einer zehnten Klasse mit Covid-19 infiziert. "Die Wahrscheinlichkeit, dass es einen Zusammenhang zwischen diesen Infektionen gibt, ist nicht von der Hand zu weisen", heißt es in dem Elternbrief. Immerhin: In dieser Woche soll nun die komplette Klasse auf Sars-CoV-2 getestet werden.

Gesundheitsdezernat Frankfurt verteidigt das Gesundheitsamt

"Wenn die Schulleiter den Infektiologen nicht trauen, können sie an ihren Schulen natürlich anders entscheiden", sagt Kirsten Gerstner, Sprecherin von Frankfurts Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne), die aber das Vorgehen des Gesundheitsamts verteidigt. "Die Mitarbeiter dort geben sich extrem Mühe."

So gebe es ein Team, das sich ausschließlich um das Infektionsgeschehen in Schulen und Kitas kümmere, sich jeden einzelnen Fall genau anschaue und Kontakte nachverfolge. "Aufgrund der Erfahrung aus den vergangenen Monaten wissen wir, dass Schulen keine Hotspots sind", so Gerstner. "Die Ausbreitung des Virus ist dort sehr gering, vor allem wenn konsequent Maske getragen wird."

Corona an Schulen in Frankfurt: Nur Kontaktpersonen Kategorie 1 in Quarantäne

Auch die Frankfurter Virologin Prof. Sandra Ciesek von der Uniklinik sagt: "Grundsätzlich ist eine Quarantäne nur bei Kontaktpersonen der Kategorie 1 gemäß der RKI-Richtlinien zwingend erforderlich. Wenn ein funktionierendes Hygiene-Konzept besteht, die Personen also einen ausreichenden Abstand einhalten, einen Mund-Nasen-Schutz tragen und regelmäßig gelüftet wird, entstehen keine Kontaktpersonen der Kategorie 1."

Corona-Infektionen an Schulen in Frankfurt gehen von Erwachsenen aus

Laut Gerstner gibt es derzeit (Stand Montag, 02.11.2020) Corona-Fälle an 20 Schulen, an denen aber keine weiteren Maßnahmen veranlasst werden mussten. An 23 Schulen mit infizierten Lehrern oder Schülern hingegen mussten weitere Maßnahmen ergriffen werden. Rund 100 Meldungen pro Tag muss das Gesundheitsamt bearbeiten. "Dabei geht es sowohl um positiv getestete Personen als auch um Verdachtsfälle, denen allen nachgegangen wird", so Gerstner. Seit den Sommerferien hätte keine Schule geschlossen werden müssen, nur einzelne Cluster seien zeitweise in Quarantäne geschickt worden. "Wenn es zu Infektionen kam, so gingen diese häufig von Erwachsenen aus", erläutert Gerstner.

Insgesamt hat es bisher an mehr als 100 der 167 Frankfurter Schulen Corona-Fälle gegeben. Wie viele Lehrer und Schüler sich seit den Sommerferien infiziert haben, konnte das Gesundheitsdezernat auf mehrmaliges Nachfragen nicht mitteilen.

Eltern in Frankfurt fordern mehr Transparenz bei Corona

"Es muss mehr Transparenz im Umgang mit den Zahlen geben", sagt die Frankfurter Stadtelternbeiratsvorsitzende Julia Frank. Zudem fehle weiterhin ein Konzept, wenn es wieder zu einer Mischung aus Präsenz- und Fernunterricht kommen sollte. "Wir finden die bisherige Strategie gut, keine ganzen Klassen in Quarantäne zu schicken, auch wenn sich viele Eltern große Sorgen machen", so Frank. "Aber unser aller Ziel sollte es sein, den Schülern so lange wie möglich und vertretbar einen normalen Schulbetrieb zu ermöglichen."

Das sieht Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) ähnlich. "Ich kann versichern, dass wir das Geschehen an den Schulen genau beobachten." Heute tagt der Verwaltungsstab der Stadt wieder. "Da werden wir schauen, ob weitere Maßnahmen notwendig sein werden", so Weber.

Wenn alle in der Schule konsequent Masken tragen, Abstand halten und regelmäßig gelüftet wird, besteht aus Sicht der Infektiologen des Frankfurter Gesundheitsamtes keine Notwendigkeit, Mitschüler von Kindern und Jugendlichen, die positiv auf Covid-19 getestet wurden, in Quarantäne zu schicken. Nur Schüler, die selbst erkrankt sind, müssen zu Hause bleiben.

Corona: Schulleiter in Frankfurt ist überzeugt vom Gesundheitsamt

Wenn es nach Uwe Gehrmann, Schulleiter der IGS Süd in Sachsenhausen, geht, kann das Gesundheitsamt weiter arbeiten wie bisher. "Ich vertraue ihnen nicht nur. Sie haben mir bewiesen, dass ich ihnen vertrauen kann." Auch an der Integrierten Gesamtschule hat es bereits einen Corona-Fall gegeben. Wegen des offenen Konzepts der Einrichtung wurde ein ganzer Jahrgang auf Covid-19 getestet. Mit dem Ergebnis: Kein anderes Kind hatte sich angesteckt - obwohl der infizierte Junge drei Tage lang mit dem Virus in sich die Schule besucht hatte. (Sylvia Amanda Menzdorf)

In Hessen ist nach den Herbstferien die Schule wieder gestartet – mitten in der zweiten Corona-Welle. Eltern und Lehrkräfte sind besorgt. Der Stadtelternbeirat, der Bildungsverband VBE und die FDP sehen in der Corona-Krise ein Versagen in der Bildungspolitik auf breiter Front in Frankfurt.

Rubriklistenbild: © Luca Bruno/dpa

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