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Zusatz-Buslinie soll doppelten Bahnausfall im Sommer kompensieren

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Bis 2023 dauert der Ausbau der S6-Strecke zwischen Frankfurt und Bad Vilbel. Im Sommer kommen kurzzeitig auch noch Bauarbeiten an der U2 hinzu.
Bis 2023 dauert der Ausbau der S6-Strecke zwischen Frankfurt und Bad Vilbel. Im Sommer kommen kurzzeitig auch noch Bauarbeiten an der U2 hinzu. © Boris Roessler/dpa

In Frankfurt kommt es im Sommer zu einer zweiwöchigen Doppelsperrung auf den Bahnstrecken von S6 und U2. Die Stadt plant, ein Ersatzverkehr-Angebot anzubieten.

Frankfurt – Auf einen besseren Ersatzverkehr während der Bauarbeiten auf den Bahnstrecken von S6 und U2 im Sommer können sich Fahrgäste aus dem Frankfurter Norden freuen. Unter anderem wird eine zusätzliche Buslinie direkt zur U5 aufgelegt.

Diese Nachricht freut auch Carmen Treulieb. Die Harheimerin hat in den vergangenen Jahren immer wieder die Bürgerfragestunde im Mobilitätsausschuss genutzt, um über den Frust mit den wochenlangen Sperrungen der S6 zu berichten. Zwar liegt der S6-Ausbau voll im Fahrplan. Aber noch bis Ende 2023 baut das Land die Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Bad Vilbel aus – immer wieder muss sie dafür auch voll gesperrt werden.

Frankfurt: S6- und U2-Sperrung im Sommer „wirklich unzumutbar“

Auch diesen Montag (2. Mai) meldet sich Carmen Treulieb wieder zu Wort. Denn zur zwei Monate langen Sperrung der S6 vom 9. Juli bis 4. September kommt diesmal eine zweite Sperrung: vom 23. Juli bis 7. August wird die Strecke von U1, U2, U3 und U8 von Heddernheim bis Dornbusch gesperrt. Diese Route jedoch ist bisher stets die S6-Alternative: Eine verlängerte Buslinie 28 bringt Fahrgäste aus Nieder-Erlenbach und Harheim nach Kalbach zur U2.

Nun also beide Strecken gesperrt? „Das ist für uns wirklich unzumutbar“, sagt Carmen Treulieb. Auch gehe die übliche Planung der städtischen Nahverkehrsorganisation Traffiq, die auf Verbindungen in die Innenstadt ausgerichtet sei, an vielen Bedürfnissen vorbei. „Die Leute wollen nicht in die Stadt, sie wollen nach Wiesbaden, Eschborn, Darmstadt – wo sie arbeiten.“

Durchs mehrfache Umsteigen würden die Fahrzeiten gänzlich unattraktiv, sagt Treulieb. Und sie geißelt die Koalition aus Grünen, SPD, FDP, Volt, greift einen Wahlkampfslogan von Volt auf: „,ÖPNV wie in Zürich‘ ist das nicht.“

Während S6 und U-Bahn vom 23. Juli bis 7. August gleichzeitig gesperrt sind, bietet die Stadt  Frankfurt Ersatzverkehr an.
Während S6 und U-Bahn vom 23. Juli bis 7. August gleichzeitig gesperrt sind, bietet die Stadt Frankfurt Ersatzverkehr an. © traffiQ Frankfurt

Wegen S6- und U2-Sperrung: Stadt will zusätzlichen Bus-Ersatzverkehr bereitstellen

Verständnis äußert Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne): „Es ist klar, dass dieser Sommer hart wird.“ Gebaut werden aber müsse, zumal es nach dem Ausbau der S6 „einen riesigen Sprung voran“ geben werde beim Angebot auf dieser Strecke. Die vielen Hinweise aber habe die Stadt diskutiert, erinnert Majer.

Zuständig für den Ersatzverkehr sei allerdings die Bahn als Bauherrin, wendet Frank Nagel ein, der verkehrspolitische Sprecher der Römer-CDU. Die aber plant wieder vor allem Ersatzfahrten mit Bussen, die der S-Bahn-Strecke folgen und lange Fahrzeiten haben. Auch ist der Bushalt in Berkersheim weit vom Bahnhof entfernt gelegen – also noch weiter von Harheim.

Als Ergänzung wird die Stadt daher diesen Sommer das Ersatzangebot ergänzen. Ziel bleibe, dass Fahrgäste aus dem Norden die Innenstadt mit nur einem Umstieg erreichen könnten, erklärt Traffiq-Geschäftsführer Tom Reinhold. Eine Ergänzungs-Buslinie 25 solle daher vom 23. Juli bis 7. August eine „zusätzliche, attraktive Verbindung“ anbieten. Sie soll von Harheim über Bonames nach Preungesheim fahren. Dort ist der Umstieg in die U5 zum Hauptbahnhof möglich.

Frankfurt: Neuer On-Demand-Shuttle soll während Bauarbeiten Bad Vilbel ansteuern

Die Zusatzlinie soll laut Reinhold den Strecken der Linien 27 und 28 folgen, aber möglichst direkt und schnell fahren: Daher solle die Stichfahrt zum Neuenberg am Frankfurter Berg entfallen. Ebenso prüfe Traffiq noch, ob die Busse durch die Bonameser Hainstraße fahren können, was weitere Zeitersparnis brächte.

Auch in die Wetterau soll das Ersatzangebot besser werden. Die Anschlüsse der Buslinie 65 aus Nieder-Erlenbach passten am Bad Vilbeler Bahnhof nicht zu den Fahrzeiten der S6 nach Friedberg, räumt Tom Reinhold ein. Daher soll das neue On-Demand-Shuttle „Knut“ temporär während der gesamten zweimonatigen S6-Sperrungen Bad Vilbel ansteuern.

„Knut“ ist seit 2021 täglich von 5 bis 1 Uhr in Harheim, Bonames, Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach unterwegs – ohne Fahrplan und auf Anforderung („on demand“). Das Shuttle steuert 600 „virtuelle“ Haltestellen quasi an jeder Straßenecke an. Fahrgäste buchen es via Handy-App oder Anruf. Bezahlt wird nach Fahrstrecke plus Komfortzuschlag.

On-Demand-Shuttle „Knut“: Virtuelle Haltestelle am Bahnhof Bad Vilbel

Schon länger gibt es die Forderung nach „Knut“-Fahrten an den Bad Vilbeler Bahnhof. Traffiq habe das „lange geprüft“, sagt Tom Reinhold, auch eine Genehmigung sei notwendig gewesen. Für den Verkehr in die Frankfurter Stadtteile werde eine virtuelle Haltestelle an der Westseite des Vilbeler Bahnhofs eingerichtet. Ab dort gelte der „Knut“-Tarif.

Mit 35 Fahrgästen am Tag rechnet Traffiq bei den „Knut“-Fahrten von und nach Bad Vilbel – zusätzlich zur weiter normal fahrenden Linie 65. Unverändert fährt auch die Linie 27, jedoch mit größeren Bussen. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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