Frankfurt Sachsenhausen Art Antiquitäten Wolf Hoedt Schließt Masken Figuren
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Wolf Hoedt schließt sein Kunst- und Antiquitätengeschäft in der Schneckenhofstraße nach über 50 Jahren. Im Vordergrund stand immer sein besonderer Hang zu alten afrikanischen Masken und Figuren.

Räumungsverkauf bei "Art & Antiquitäten"

Frankfurter Kult-Antiquitäten-Geschäft schließt nach über 50 Jahren

  • vonSabine Schramek
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Der Frankfurter Sammler und Restaurator Wolf Hoedt hört nach über 50 Jahren altersbedingt auf. In Sachsenhausen kommt es bei "Art & Antiquitäten" jetzt zum Räumungsverkauf.

  • In Frankfurt Sachsenhausen schließt Antiquitätensammler und Restaurator Wolf Hoedt seinen Verkauf.
  • Der Händler ist bekannt für seine Vorliebe für Figuren aus Afrika.
  • Hoedt kennt jedes Stück und dessen Geschichte in seinem Laden „Art & Antiquitäten“.

Frankfurt - Hinter der gläsernen Eingangstür steht ein anatomischer Torso. Er ist Teil einer einstigen Lehrpuppe für Medizinstudenten in den 1930er bis 1950er Jahren. "Die ist noch nicht so alt, aber ungewöhnlich", sagt Wolf Hoedt in gelbem Hemd mit roten und blauen Mustern. Der gelernte Trickfilmzeichner, Grafiker, Art-Director und Möbelrestaurator hat ein Herz für Ungewöhnliches. Und erzählt, er sei der erste Antiquitätenhändler im Rhein-Main-Gebiet gewesen, der in den frühen 1970er-Jahren englische Stilmöbel nach Frankfurt brachte, die in edlen Villen ein neues Zuhause fanden.

Frankfurter Antiquitätenhändler Hoedt: Großes Faible für Figuren aus Afrika

Hoedt kennt jedes Stück und dessen Geschichte in seinem Laden "Art & Antiquitäten" in der Schneckenhofstraße 17 in Sachsenhausen. Ob Biedermeier-Sekretäre oder original Frankfurter Schränke aus Eiche und Weichholz, die zwischen 1720 und 1740 gebaut wurden. So richtig glücklich ist er nicht mit seinem Räumungsverkauf. "Aber wenn man auf die 80 zugeht, sollte man irgendwann mal aufhören", sagt er und lächelt.

Hoedt ist ein Antiquitätenhändler mit einem Faible für Ausgefallenes. Schon als Kind hat er afrikanische Figuren nachgeschnitzt. "Mein Vater war Künstler und hat diese Figuren gesammelt. Den Geschmack habe ich wohl geerbt", erzählt er und schwärmt von den hölzernen Masken, Köpfen und Figuren mit grimmigen Gesichtern. Eine kleine Figur steckt voller rostiger Nägel. "Das ist kein Voodoo, sondern eine Kraftfigur aus dem Ostkongo. Hatte man dort einen Vertrag geschlossen, schlug man erst Metallkrampen und später Nägel in den Körper. Damit war der Deal besiegelt. Wie hier früher der Handschlag", erzählt er. Überhaupt fielen die afrikanischen Figuren und Masken nicht unter den Begriff "Kunsthandwerk". "Das ist alles authentisch und gehört zu Zeremonien und Lebensalltag", so der Sammler, der zu Hause mehr als 200 Masken und 300 Figuren hat. "Meine Privatsammlung gebe ich natürlich nicht auf. Da hängt mein Herz dran und ich kann Leuten, die Fragen haben, vieles erklären und zeigen", sagt er.

Antiquitätenhändler Hoedt: "Das Kasperletheater hat wohl ein Schreiner um 1880 für seine Kinder gebaut"

Zwischen alten, abgeliebten Teddybären, die mit Holzwolle gefüllt sind, Puppen mit theatralischen Gesichtern aus der Jahrhundertwende, Biedermeierstühlen und einem mechanischen Kasperletheater werden Kunden neugierig. "Das Kasperletheater hat wohl ein Schreiner um 1880 für seine Kinder gebaut", vermutet er und steht vor einem beweglichen Kasper, der auf einen Bären einschlägt, wenn man an einer Kurbel dreht.

Hoedt hatte bis vor 25 Jahren sein Lager und seine Möbelrestauration in der ehemaligen Ölfabrik im Mittleren Hasenpfad. Das Gebäude von 1883 steht längst unter Denkmalschutz und beherbergt "Die Fabrik - Kulturwerk" der Peter-Paul-und-Emmy-Wagner-Heinz-Stiftung zur Förderung kultureller und sozialer Zwecke. "Die sechs Biedermeierstühle sind aus dem Herrenhaus der Familie Heinz", verrät er. Eine meterlange Bank mit hellem Bezug stamme aus einem Jagdschloss. Historische Fotos von 1888 und dem Zweiten Weltkrieg liegen darauf. Daneben wacht eine knapp einen Meter große handgeschnitzte Vollholzpuppe, die beweglich ist. Sie sieht aus wie Pinocchio mit Knubbelnase, stammt aber aus dem Böhmischen Wald.

"Art & Antiquitäten"-Inhaber Hoedt schließt nach über 50 Jahren

"Das ist mein Faible für Trickfilm irgendwie", meint Hoedt lachend. Er schätzt, dass die Figur, deren Hände so gebaut sind, dass sie eine Tablett halten können ,"in den 30er-Jahren als Schaufensterfigur geschnitzt wurde. An den Wänden hängen Ölportraits, Stiche und Hinterglasmalereien. Und Radierungen von William Hogarth, der 1667 in London zur Welt kam und berühmt ist für seine satirischen und sozialkritischen Kunstwerke. Eine Kundin hat es auf Mickymäuse abgesehen. Aus Stoff, Zelluloid und Gummi warten die begehrten Sammlerobjekte auf Liebhaber. SABINE SCHRAMEK

Das Geschäft "Art & Antiquitäten" von Wolf Hoedt in der Schneckenhofstraße 17 ist montags bis freitags von 15 Uhr bis 18.30 Uhr und samstags von 10 Uhr bis 14 Uhr geöffnet. (Sabine Schramek)

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