+
Die jungen Nachfolger der "Metzgerei und Feinkost Catering Bumb", Patrick Mestekemper (links) und Steffen Lehnert.

Traditionsgeschäft

Das war's: Beliebte Metzgerei in Sachsenhausen muss schließen

Die Traditionsmetzgerei Bumb in Frankfurt-Sachsenhausen macht dicht. Erst vor anderthalb Jahren hatte sie den Besitzer gewechselt.

  • Traditionsmetzgerei Bumb in Sachsenhausen hat Insolvenz angemeldet
  • Erst seit eineinhalb Jahren unter neuer Führung
  • Geschäft war bei den Kunden sehr beliebt

Frankfurt-Sachsenhausen - Die Traditionsmetzgerei Bumb in der Textorstraße 9 hat ihre Türen bis auf Weiteres geschlossen. Seit einigen Wochen hängt ein Schild an der Tür, auf dem steht: "Vorübergehende Einstellung des Geschäftsbetriebs."

Geschäftsführer Patrick Mestekemper bestätigt auf Nachfrage, das Unternehmen habe Insolvenz angemeldet. Nach nur eineinhalb Jahren unter der neuen Führung von Mestekemper und seinem Geschäftspartner Steffen Lehnert ist das Geschäft nun offenbar pleite gegangen.

Frankfurt: Metzgerei Bumb mit langer Tradition macht dicht

Im April 2018 übernahmen die beiden Jungunternehmer das Traditionsgeschäft von den Gründern Hella und Karl Bumb. Für drei Jahre dürfen die Nachfolger den Namen Bumb weitertragen, zusätzlich firmierten sie unter "Echt und Ehrlich Catering". Auf der noch aktiven Internetseite versprechen sie "Klasse statt Masse! Top-Qualität, handwerklich besonders hochwertig hergestellte Produkte, kreative Ideen und besten Kundenservice" und klingen motiviert: "Wir wollen unseren Job richtig gut machen! Damit Sie erstklassige Produkte und besten Service bekommen."

Womöglich konnte das hochwertige Feinkost-Angebot, das die Traditionsmetzgerei seit jeher auszeichnete, unter den veränderten Bedingungen nicht aufrechterhalten werden. Doch dazu möchte Mestekemper sich nicht im Detail äußern. Er habe einiges investiert. Jetzt sei unklar, wie es weitergehe. Er selbst wolle wegen "interner Differenzen" nicht weitermachen. Sein Geschäftspartner Lehnert war für ein Gespräch nicht erreichbar.

Frankfurt Sachsenhausen: Metzgerei Bumb mit hochwertigem Feinkost-Angebot

Wenn sich niemand findet, der das Geschäft übernimmt, geht in der Textorstraße eine über 100-jährige Ära zu Ende. 1896 wurde das Familienunternehmen gegründet, zunächst am Frankfurter Hauptbahnhof, später in Sachsenhausen. Metzgermeister Karl Bumb übernahm das elterliche Geschäft, baute mit seiner Frau Hella das Feinkost-Segment aus.

Leidenschaftlich kümmerten sie sich jahrzehntelang um ihr Geschäft, waren von 5 Uhr in der Früh bis spät abends auf den Beinen, die Zahl der Mitarbeiter wuchs. Die beiden Kinder wollten das Geschäft nicht übernehmen. Tochter Britta gründete ihr eigenes, erfolgreiches Unternehmen: "Bumb Junior Finest Catering", das im Bankenviertel im Japan-Tower ansässig ist.

Metzgerei Bumb: Weit über Frankfurt hinaus bekannt

Auf Nachfrage sagt Hella Bumb: "Es ist für uns sehr traurig, dass die Metzgerei in Sachsenhausen schließt." Zu ihrer Zeit sei der Name Bumb weit über Frankfurts Grenzen hinaus bekannt gewesen.

Tatsächlich lobte damals die Kundschaft das Angebot in höchsten Tönen, wie in Gourmet-Internetforen zu lesen ist: "Hier werden Freundlichkeit und Qualität großgeschrieben. Ein Familienbetrieb mit Herzblut, das merkt man auch an der Auswahl der Speisen", schrieb eine begeisterte Kundin. Ein anderer fügte hinzu: "Ich habe hier immer mit Vergnügen eingekauft, denn die Beratung ist gut und ich habe noch nie minderwertige Qualität erhalten."

Beliebt blieb das Geschäft auch unter den Nachfolgern. Noch im Oktober berichtete diese Zeitung über eine neue Kooperation der Metzgerei mit dem Sachsenhäuser Jagdklub. Die Jäger ließen hier ihr erlegtes Wildschwein zu Bratwürsten verarbeiten, die den Kunden zum Verkauf standen. Mestekemper und Lehnert legten eigenen Angaben zufolge Wert auf hohe Bioqualität und Fleisch aus nachhaltiger Produktion. Wie es weitergeht, wird wohl erst in einigen Monaten geklärt sein. 

Von Stefanie Wehr

Seit 35 Jahren betrieb Karin Becker den kleinen feinen Käseladen auf der Schweizer Straße*. Doch dann war Schluss.

Das Café Paris auf der Freßgass' in Frankfurt macht dicht* – nach wenig mehr als einem Jahr. Dabei hatte alles so gut begonnen.

Jetzt hat es auch ein weiteres Kult-Restaurant erwischt. Das Fischrestaurant Brauns in Frankfurt* muss wegen einer Mieterhöhung schließen.

Auch an der Südseite des Mains stehen Veränderungen an. In Frankfurt-Sachsenhausen wechselt ein Flohmarkt * den Standort. Händler und Besucher des Flohmarkts sind allerdings unzufrieden mit dem neuen Standort am Nordufer. Sie haben eine Petition gestartet, um den Flohmarkt zurück ans Südufer in Sachsenhausen zu holen.

Eine der besten Metzgereien in Frankfurt macht dicht*, er gehört zu den besten Betrieben Deutschlands. Das Sterben begann früh, sagt der Inhaber.

Auch in der Nähe von Limburg macht eine Traditionsmetzgerei dicht: Nach mehr als 40 Jahren schließt die Metzgerei Flack in Hahnstätten.

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare