1. Startseite
  2. Frankfurt

Platz wird umbenannt: Bisheriger Namensträger soll Mädchen vergewaltigt haben

Erstellt:

Von: Stefanie Wehr

Kommentare

Der Platz des Stadtpfarrers Walter Adlhoch soll dessen Namen nicht mehr tragen. FOTO: Michael Faust
Der Platz des Stadtpfarrers Walter Adlhoch in Frankfurt soll dessen Namen nicht mehr tragen. © Michael Faust

Der künftige Martha-Wertheimer-Platz gedenkt einer jüdischen Journalistin und Kämpferin für Frauenrechte aus Frankfurt.

Frankfurt – Der Adlhochplatz in Frankfurt soll umbenannt werden. Das Karree zwischen Textorstraße, Schwanthaler Straße und Brückenstraße soll künftig Martha-Wertheimer-Platz heißen. Einen gemeinsamen Antrag auf Vorschlag der Grünen wird der Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) auf der nächsten Sitzung am 18. Februar beschließen.

"Schon in der letzten Amtsperiode war sich der Ortsbeirat einig, den Platz umzubenennen", erinnert der Frankfurter Ortsvorsteher Christian Becker (CDU). Das Gremium habe sich den Schritt nicht leicht gemacht. "Letztendlich haben wir uns dazu entschieden, weil die Vorwürfe doch viel zu schwer wiegen", sagt Becker.

Wie berichtet, wird Walter Adlhoch, der von 1965 bis 1982 Frankfurter Stadtpfarrer und Stadtdekan war und 1985 starb, vorgeworfen, im Jahr 1979 ein Mädchen vergewaltigt zu haben. Das geht aus einer Dokumentation der katholischen Kirche hervor. Die Vorwürfe sind zwar nicht bewiesen. Doch das Stadtteilgremium beruft sich auf die Praxis der Kirche selbst. In Limburg hat die Caritas im Jahr 2020 eine Einrichtung umbenannt, die bis dahin den Namen Adlhoch trug.

Frankfurt: Gedenktafel für Walter Adlhoch im Süden schon abmontiert

Das Straßenschild in Sachsenhausen soll den Namen einer Frankfurter Bürgerin tragen, der bisher, obwohl hochverdient, eine solche Ehre nicht zuteil wurde. Für sie gibt es lediglich seit 2015 einen Stolperstein in der Sachsenhäuser Heimatsiedlung vor dem Haus Unter den Kastanien 1. Dort hatte die Journalistin, Pädagogin und Schriftstellerin Martha Wertheimer zusammen mit ihrer Schwester Lydia gelebt, bis sie 1935 dort vertrieben wurden.

Martha Wertheimer war am 22. Oktober 1890 in Frankfurt als Tochter jüdischer Eltern geboren worden. Sie starb 1942, vermutlich im Konzentrationslager Sobibor. Sie war eine der ersten Frauen, die an der Frankfurter Universität studierten. Das Personenlexikon der Frankfurter Bürgerstiftung zeichnet ihr Leben detailliert nach. Demnach schrieb sich die ausgebildete Lehrerin 1914 an der Universität für Geschichte, Philosophie, deutsche und englische Philologie ein.

Frankfurt: Eine Redakteurin ersetzt Adlhoch

1919 promovierte sie und arbeitete fortan als Kulturredakteurin bei der Offenbacher Zeitung. Sie setzte sich schreiberisch und politisch für das Frauenwahlrecht ein. Außerdem war sie sportlich: Bei der Frankfurter Eintracht übte sich Wertheimer als Fechterin und war überdies Schriftleiterin der monatlich erscheinenden Vereinsnachrichten. Sie berichtete etwa 1922 vom ersten Länderspiel der Eintracht am Riederwald.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten verlor Wertheimer nicht nur ihre Wohnung, sondern auch all ihre Anstellungen. Nach dem Novemberpogrom 1938 leitete sie die Jugendfürsorge der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt und organisierte "Kindertransporte" nach England. So rettete sie zahlreichen Kindern das Leben.

Auf der Suche nach einer geeigneten Namensgeberin stieß Angelika von der Schulenburg von den Grünen im Ortsbeirat 5 auf Martha Wertheimer. Die Sachsenhäuserin wunderte sich, dass trotz deren beeindruckender Biografie und großen Engagement keine Straße, Platz oder Einrichtung in Frankfurt nach Wertheimer benannt ist. "Es ist wichtig, dass wir die Erinnerung lebendig halten, gerade in einer Zeit, in der Zeitzeugen sterben", sagt von der Schulenburg. Auf dem Mühlberg gibt es die Wertheimer Straße, die nach der Stadt im Taubertal benannt ist. Martin-Benedikt Schäfer, Fraktionschef der CDU im Fünfer, hofft, dass dies einer Benennung nicht im Weg steht.

Frankfurt: Anwohner des Adlhochplatzes dürfen Dokumente kostenfrei umschreiben

Die Anwohner des Adlhochplatzes dürften von der Umbenennung aus praktischen Gründen weniger begeistert sein, da sich ihre Anschrift ändert. Der Platz heißt seit 1998 Adlhochplatz. Laut Stadtvermessungsamt sind ihm jedoch nur die Häuser Adlhochplatz 1 und 3 zugeordnet, wo laut Einwohnermelderegister nur insgesamt 23 Personen wohnen. Eine neue Zuordnung zur Schwanthaler Straße wäre "unproblematisch", sagt Sprecher Mark Gellert. "Die Umschreibung von Ausweisdokumenten ist kostenfrei für die Anlieger." (Stefanie Wehr)

Auch interessant

Kommentare