Papiertüten auf dem Müll und den Tischen - so sieht es im Brückenviertel nach den nächtlichen Feiern aus.
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Papiertüten auf dem Müll und den Tischen - so sieht es im Brückenviertel nach den nächtlichen Feiern aus.

Der Morgen danach

Müll-Ärger in Sachsenhausen: Viertel sieht nach Party aus wie eine Müllkippe

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Den Anwohnern im Brückenviertel reicht es: Feiernde lassen ihren Müll nach der Party in Frankfurt-Sachsenhausen liegen. Maßnahmen der Stadt greifen einfach nicht.

Frankfurt - Am Montagmorgen sah es wieder schlimm aus auf den Straßen: Müll und Erbrochenes verunstaltete die Fußwege, es stank nach Urin. Am Kiosk auf der Elisabethenstraße wurde zudem unlängst die Scheibe eingeschlagen. Für die Menschen, die hier wohnen, sind das schlimme Zustände.

„Die Fluktuation nimmt zu - immer mehr Familien ziehen weg“, berichtet Anwohnerin Nadine Hunzinger in einer E-Mail an Mathias Mund, den Sprecher der BFF im Römer. Mund fordert: Auch im Brückenviertel müsse die Stadtpolizei aktiv werden. Nicht nur am Opernplatz. Er kündigte an, dass die BFF noch einmal einen Antrag im Stadtparlament stellen wird. Die Zustände im Brückenviertel mit seinen Kneipen und Gastwirtschaften waren nie ganz unproblematisch. Auch wenn der Kiez entlang der Wallstraße inzwischen vor allem Kreative anlockt. Und an den Wochenenden vor allem die Zecher aus dem nahe gelegenen Alt-Sachsenhausen.

Feiernde in Frankfurt-Sachsenhausen: „Der Dreck bleibt oft liegen“

Nadine Hunzinger glaubt beobachtet zu haben, dass es noch nie so schlimm war wie jetzt, da die Ausgangssperren aufgehoben, gleichzeitig aber viele Lokale noch nicht für alle geöffnet haben. „Wer kann, feiert im Freien, und der Dreck bleibt oft liegen“, sagt sie. Daran werde sich so schnell nichts ändern - jedenfalls nicht im Brückenviertel.

„Wir haben zurzeit viele solcher Brennpunkte“, sagt Andrea Brandl, Referentin von Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU). „Wir sind zurzeit natürlich besonders am Opernplatz aktiv, am Matthias-Beltz-Platz, am Luisenplatz, am Friedberger Platz, im Hafenpark, am Mainufer und im Allerheiligenviertel.“ Dort werde auch der Reinigungsaufwand am Morgen danach erhöht.

Auch im Brückenviertel gebe es mehr Streifen, aber unendlich viele Stadtpolizisten könnten in einer Samstagnacht nicht eingesetzt werden. „Da ist dann auch die Landespolizei gefragt“, sagte Brandl. Sie appelliert an die Vernunft derjenigen, die sich im Freien aufhalten und dort trinken und feiern. „Man muss seinen Abfall in den Mülleimer werfen, und wenn dieser voll ist, seine Sachen eben mitnehmen.“ Über den Erfolg solcher Appelle gibt sie sich jedoch keinen Illusionen hin.

Keine Wunder erwarten: Brückenviertel leidet unter Müll und Chaos der Feiernden

Claudia Gabriel, Leiterin der Stabsstelle Sauberes Frankfurt im Umweltdezernat, zufolge haben sich die intensiveren Kontrollen am Opernplatz und in der Innenstadt so ausgewirkt, „dass es sich verlagert“. Die Stabsstelle sei überall mit Streifen, wo sie höre, dass es schlimmer wird. „Allerdings habe ich bislang keinerlei Mail von der Wallstraße und dem Brückenviertel vorliegen“, sagte sie auf Anfrage. „Es wäre schön, wenn die Leute uns das ans Postfach sauberes-frankfurt@stadt-frankfurt.de melden.“

Doch kann auch sie keine Wunder versprechen: „Es gibt Grenzen und es gibt Arbeitszeiten, auch bei der Stadtreinigung.“ Deren Reinigungszyklen werden jedoch ständig angepasst an die neuen Schwerpunkte, die sich bilden in Konsequenz der Verdrängung vom Opernplatz und anderen Stellen. Die zusätzlichen Aufwendungen für die Stadtreinigung - zusätzlich also zum bestehenden Reinigungsmodus - betragen bis zum Oktober 500 000 Euro. Steuergeld, das schließlich auch von den Anwohnern bezahlt werden muss. (Thomas J. Schmidt)

Probleme machen die Feiernden auch im Bereich der Kleinmarkthalle: Nach den Corona-Partys in Frankfurt bleiben dort Müll und Fäkalien zurück. Die Anwohner sind stinksauer.

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