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Erwischt: Ein VW-Fahrer braust mit hoher Geschwindigkeit in Gegenrichtung durch die Einbahnstraße. Das ist hochgefährlich für alle Beteiligten - und passiert an dieser Stelle viel zu oft. 

Kontrollen gefordert

Pendler missachten bewusst Einbahnstraßenregelung

Anwohner leiden unter dem Durchgangsverkehr im Letzten Hasenpfad, dem Oberen Schafhofweg und dem Schützenhüttenweg. Hier wird gerast - auch gegen die Einbahnstraße.

Frankfurt/Sachsenhausen – Sie nennen ihn den "Rodgau-Schnellweg": Die Ironie dieser Bezeichnung zeigt, dass die Anwohner versuchen, die Dinge mit Humor zu nehmen - in Wahrheit sind sie ziemlich genervt. Von der Rücksichtslosigkeit jener Autofahrer, die das Wohngebiet am Sachsenhäuser Berg als Ausweichroute nutzen und dabei oft nicht nur die Verkehrsregeln grob missachten, sondern auch viel zu schnell und aggressiv fahren. Das Ganze passiert vor allem im Berufsverkehr: Die meisten Autos tragen das Kennzeichen OF, Landkreis Offenbach. Ergo der "Rodgau-Schnellweg".

Die Straßen, um die es sich handelt, der Letzte Hasenpfad, der Obere Schafhofweg, der Schützenhüttenweg und der Sachsenhäuser Landwehrweg, tragen schon im Namen, dass sie kleine Straßen sind. Weil entlang der Fahrbahn auch geparkt wird, gibt es Engstellen. "Nicht selten werden hier Seitenspiegel abgefahren. Uns ist schon drei Mal jemand ins Auto gefahren, das wir vor unserem Haus geparkt hatten", erzählt Birgit Neubauer, die im Letzten Hasenpfad wohnt.

Unterhalb ihres Hauses ist die Straße auf einem kurzen Abschnitt vom Oberen Schafhofweg bis zum Großen Hasenpfad eine Einbahnstraße - diese wurde zur Verkehrsberuhigung vor einigen Jahren eingerichtet. Doch etliche Autofahrer, die von unten hochfahren, scheren sich nicht darum: Sie geben Gas und fahren gegen die Einbahnstraße durch. Zum Ortstermin am späten Nachmittag geschah dies zwei Mal innerhalb von 20 Minuten. Hochgefährlich: Fahrer, die von rechts aus dem Oberen Schafhofweg einbiegen, rechnen nicht mit den Querschießern.

1700 Autos am Tag

Um die Dauer-Belästigung des Durchgangsverkehrs zu dokumentieren, zählten die Anwohner die Autos und rechneten hoch. "Bis zu 1000 Fahrzeuge kamen im abendlichen Berufsverkehr hier durch", berichtet Anwohner Thomas Holzmann. Morgens waren es etwa 700.

Grund des Übels: Im abendlichen Berufsverkehr versuchen Pendler, die Frankfurt in Richtung Süden verlassen wollen, über Schleichwege auf die Darmstädter Landstraße zu gelangen. Anstatt die Mörfelder Landstraße zu nehmen und am Wendelsplatz rechts abzubiegen, fahren sie vorher vom Ziegelhüttenweg kommend rechts durch den schmalen Oberen Schafhofweg oder ein Stück weiter rechts in den Letzten Hasenpfad. Oben treffen die beiden Straßen aufeinander. Es geht weiter hoch durch den verkehrsberuhigten Bereich kurz vor dem neuen Spielplatz, wo oft schneller als erlaubt (7 km/h) gefahren wird, und links auf den Sachsenhäuser Landwehrweg. Dieser trifft auf die Darmstädter Landstraße. Morgens biegen die Autos von der Darmstädter Landstraße an der Aral-Tankstelle nach links in den Schützenhüttenweg ab, um dann rechts den Letzten Hasenpfad bergab zu düsen.

An allen Eingängen der genannten Schleichwege stehen "Anlieger frei"-Schilder. Diese nutzen offensichtlich nichts. Denn selbst bei Polizeikontrollen können die Fahrer behaupten, sie seien unterwegs, um einen Anlieger zu besuchen. Die Bitten der Anwohner, dies strenger zu kontrollieren, wurden von der Stadtpolizei mit Bedauern abgelehnt: Der Aufwand, die Personalien aufzunehmen, stünden in keinem Verhältnis zum erwarteten Erfolg. Ein Verwarnung würde die Autofahrer nur 15 Euro kosten.

Holzmann und die anderen Anwohner fordern jetzt eine nachhaltige Lösung. Die Wege müssten für den Durchgangsverkehr unattraktiv gemacht werden: Durch Blitzer und mehr verkehrsberuhigte Bereiche. Die Anwohner haben eine weitere Idee: Die Ampelschaltung am Wendelsplatz müsste verändert werden. Denn dort staut sich der Rechtsabbiegerverkehr auf die Darmstädter, weil nur wenige Autos während der Grünphase durchkommen. "Das ist ein Hauptgrund für den Schleichverkehr", sagt Holzmann. "Man kann bis zu 15 Minuten einsparen, wenn man durchs Wohngebiet fährt." Noch besser wäre es, die ganze Kreuzung am Wendelsplatz baulich zu verändern, damit sie den steigenden Verkehr aufnehmen kann.

Warnschilder abgewiesen

Um auf das Problem aufmerksam zu machen, will die Gruppe jetzt eine Plakataktion starten. Ähnlich wie die Warnschilder, die an Autobahnen dazu ermahnen, das Handy wegzulegen, wollen sie die Autofahrer auf ihre Verkehrssünde hinweisen, nach dem Motto: "Sie sind einer von 1700". Dies wurde allerdings nicht genehmigt. Der Ortsbeirat 5 weiß um das Problem. Ein Antrag der SPD, der mehr Kontrollen im verkehrsberuhigten Bereich fordert, wurde jüngst verabschiedet.

Von Stefanie Wehr 

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