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Ist dieser Anblick bald Geschichte? Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) kann sich vorstellen, nur einige Teile der Städtischen Bühnen zu erhalten und dem Gebäude ansonsten ein neues Antlitz zu verpassen.

Am Willy-Brandt-Platz

Sanierung oder Neubau - Was passiert mit den Städtischen Bühnen?

Für die Städtischen Bühnen zeichnet sich eine Lösung ab. Wie Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) gestern bekannt gab, präferiert sie eine Kombination aus Sanierung und Neubau. Ob das Schauspiel am Willy-Brandt-Platz bleibt oder einen neuen Standort bekommt, ist offen.

Frankfurt - Defekte Heizungen, streikende Aufzüge, Wasserrohrbrüche: Das ist an der Tagesordnung an den Städtischen Bühnen und erschwert vor allem den Schauspielern, Regisseuren sowie den zahlreichen anderen Mitarbeitern ihre Arbeit. Deshalb wird in Frankfurt seit Monaten über eine Sanierung oder einen Neubau der Theater-Doppelanlage aus dem Jahr 1963 diskutiert. Doch jetzt gibt es möglicherweise eine ganz andere Lösung für das große Gebäude am Willy-Brandt-Platz, nämlich eine Kombination aus Sanierung und Neubau. Das gaben gestern Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) und der Leiter der Stabsstelle "Zukunft Städtische Bühnen", Michael Guntersdorf, bekannt.

Städtische Bühnen: Nur Sanierung? Nein danke!

Die Stabsstelle prüft derzeit verschiedene Varianten, wie man mit der Theater-Doppelanlage umgehen könnte. Einer sogenannten "Minimallösung" erteilte Guntersdorf bei der Präsentation eines Zwischenberichts allerdings gleich eine Absage. Dabei würde es sich laut seiner Aussage lediglich um die Ertüchtigung des Gebäudes handeln. "Aufgrund der erheblichen Mängel ist das aber nicht sinnvoll", sagte er.

Von einem kompletten Neubau rät Guntersdorf ebenfalls ab. Eine Baugrube an diesem Ort, mit all den Hochhäusern drum herum und der U-Bahn darunter, sei zu kompliziert. "Wir dürfen die Bodenplatte nicht anfassen", sagte er. "Das wird sonst langwierig und teuer." Eine Alternative hingegen könnte seiner Ansicht nach eine Kombination aus Sanierung und Neubau am Willy-Brandt-Platz sein. Das würde bedeuten, dass die beiden Zuschauerräume, die Bühnen sowie die Bühnentechnik erhalten und saniert werden, das Gebäude, die Hülle, aber neu gebaut wird. Eine weitere Überlegung wäre, dass nur die Oper in dieser Spielstätte verbleibe und das Schauspiel einen Neubau an anderer Stelle bekomme. "Diese Variante prüfen wir auch", sagte Guntersdorf. "Dies hätte den Vorteil, dass wir keine Interimslösung brauchen würden." Die Werkstätten - immerhin 4000 Quadratmeter - sollen ausgelagert werden, um Platz für die Technik in der Doppelanlage zu schaffen.

Auch die Kulturdezernentin kann sich eine Kombination aus Sanierung und Neubau gut vorstellen. "Das wäre sehr reizvoll", sagte Hartwig und kündigte einen internationalen Architekturwettbewerb an. "Ich wünsche mir einen zukunftsweisenden Bau mit zeitgenössischer Architektur", sagte sie. Das Gebäude müsste sich zum Willy-Brandt-Platz hin öffnen und auch tagsüber bespielbar sein.

Städtische Bühnen: Beispiel ist die Elbphilharmonie in Hamburg

Als Beispiel nannte sie die Elbphilharmonie in Hamburg, die in Sachen Baukosten und -durchführung zwar kein Vorbild sein dürfe, die aber tagsüber von Menschen besucht werden könne - auch wenn sie keine Karte für eine Vorstellung hätten - gefalle ihr. Jetzt müsse die Stabsstelle die Varianten aber noch weiter prüfen - vor allem hinsichtlich der Kosten. Hartwig sagte: "Wir müssen die Aufgabe angehen, mutig handeln, aber nicht kopflos."

Michael Guntersdorf geht davon aus, dass die Baukosten mit einer Kombination aus Sanierung und Neubau reduziert werden können. Zur Erinnerung: Eine im Juni 2017 vorgelegte Machbarkeitsstudie ging sowohl bei einer Sanierung als auch bei einem Neubau von Kosten in Höhe von rund 900 Millionen Euro aus - inklusive einer vorübergehenden Auslagerung von Schauspiel und Oper.

Städtische Bühnen: Baukosten werden geringer

"Das geht billiger", schlussfolgerte Guntersdorf schon jetzt. Er rechnet mit rund 500 Millionen Euro. Außerdem würden noch Kosten zwischen 70 000 und 140 000 Euro für die Auslagerung der Werkstätten sowie Interimsstätten anfallen. Um Kosten zu sparen, würde Guntersdorf am liebsten nur das Schauspiel in einem Übergangsquartier unterbringen. "Ein Interim für die Oper wäre viel teurer", sagte der Leiter der Stabsstelle. Er rechnet damit, dass das Schauspiel sechs Jahre in einem Ausweichquartier unterkommen müsste. Ein Interimsstandort ist noch nicht gefunden, derzeit werden einige geprüft. Sowohl Guntersdorf als auch Hartwig sprachen sich allerdings dafür aus, dass das Ausweichquartier innenstadtnah sein müsste, um das Publikum nicht zu vergraulen. Die Oper könnte während der Komplettumgestaltung im Gebäude verbleiben.

Im Herbst will die Stabsstelle ihre endgültigen Ergebnisse vorstellen. Sie wird eine Empfehlung für die Stadtpolitiker enthalten und als Entscheidungsgrundlage dienen. Dann liegt es an den Stadtverordneten, wie es mit den Städtischen Bühnen in Zukunft weitergeht.

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