Marianne Brandt von Maria 2.0 schneidet symbolisch alte Zöpfe an einer übergroßen Bischofsmütze ab. FOTO: HOlger Menzel
+
Marianne Brandt von Maria 2.0 schneidet symbolisch alte Zöpfe an einer übergroßen Bischofsmütze ab.

Kirche

Frankfurt: "Schneidet die alten Zöpfe ab!"

  • VonSabine Schramek
    schließen

Maria 2.0: Protest zum Auftakt der Vollversammlung des Synodalen Wegs

Frankfurt -Etwa 60 Akteure der katholischen Reformbewegung Maria 2.0 haben gestern vor dem Kongresszentrum der Messe protestiert. Eine große Bischofsmütze mit lila Kreuz trägt geflochtene Bastzöpfe - Marianne Brandt schneidet einen nach dem anderen ab und drückt sie Bischöfen, Priestern, Kardinälen, Nonnen und anderen Katholiken in die Hand, die zur zweiten Vollversammlung des Synodalen Wegs im Kongresszentrum wollen.

Der Synodale Weg ist ein im März 2019 beschlossenes Gesprächsformat katholischer Bischöfe und Laien, um nach den großen Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche einen Weg der Umkehr und Erneuerung zu beschreiten. Themen sind Macht und Gewaltenteilung, Sexualität und Partnerschaft, priesterliche Existenz und die Rolle von Frauen in der Kirche.

Die Teilnehmer müssen vorüber an einer Menschenkette, sie lesen Forderungen wie "Gleiche Würde, gleiche Rechte". Auf Plakaten steht "Kein Amt bei Pflichtverletzung", "Reform! Nicht ob, sondern wie", "Maria, pride deinen Mantel aus" oder "Nur Mut #Verantwortung #würdevoll #Wirbelsturm im Kirchensturm" von anderen katholischen Initiativen, die wie Maria 2.0 Reformen fordern. "Das größte Übel ist die Diskriminierung der Frau. Menschwerdung kann nicht Männerwerdung sein. Es gibt in der katholischen Kirche eine unerträgliche Haltung zu Sexualität. Es gibt keinerlei Glaubwürdigkeit mehr und ohne die gibt es keinen Inhalt", sagt Monika Humpert, die vor zwei Jahren Maria 2.0 in Frankfurt mitgegründet hat.

"Damals waren wir fünf, mittlerweile sind wir mehr als 100", sagt Humpert, gläubige Katholikin. "Wir vergleichen die Missbrauchssituation und den Umgang mit der Aufarbeitung mit dem Entsetzen über Unmenschlichkeit nach dem Zweiten Weltkrieg", sagt sie. "Damals konnte der 1000 Jahre alte Anti-Judaismus abgeschafft werden, jetzt müssen die alten Zöpfe ab, die Missbrauch begehen und Menschen entwürdigen und quälen." Sie findet, dass Kirche wichtig ist. "Sie prägt vor allem in der westlichen Welt soziale Stärke. Je schwächer die Kirche wird, desto mehr tauchen Fake News, Aberglauben und Zweifler wie Querdenker auf, die eben nicht alle Menschen gleich sein lassen, sondern Einzelne verdammen." Und sagt: "Die katholische Kirche würde es ohne Frauen nicht geben und ohne glaubwürdige Relevanz der christlichen Werte übernimmt Hass und Wut."

Trillerpfeifen und bunte Schärpen mit den Aufschriften "getauft" und "gefirmt" werden verteilt und um Schultern gelegt. Auch hier spielen die Reformisten auf Synodalität an, die nach dem katholischem Glauben das gesamte Volk Gottes durch Taufe mit derselben Würde und Berufung auszeichnet. Die protestierenden Frauen schütteln ihre Buchstabenplakate und es entsteht ein flattrig klingendes Rauschen. Einige Teilnehmer der Vorversammlung tragen Sticker mit der Aufschrift "Mensch statt Macht". Sie stecken sich auch kleine alte Zöpfe an, die jedem Ankömmling angeboten werden.

Viele winken mit schlechten Scherzen ab. "Ich habe keine Zöpfe", sagen nicht nur der Nuntius Erzbischof Nikola Eterovic als Vertreter des Vatikans bei der Bischofskonferenz. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hingegen nimmt einen dicken Zopf an, hält ihn an ein Ohr und spricht freundlich mit jedem, der Plakate vor dem Eingang hochhält. Dafür bekommt er Applaus.

Die Frauen hoffen auf Reformen und ermutigen die Teilnehmer, sich ebenfalls auf dem Synodalen Weg für notwendige Veränderungen stark zu machen. "Schneidet die alten Zöpfe ab!", rufen sie laut. Auch Dorothee Sandherr-Klemp vom Katholischen Deutschen Frauenbund betont, dass Gleichberechtigung Missbrauch verhindert. bi

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare