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An den Fernbushaltestellen vor dem neuen Parkhaus am Hauptbahnhof gibt es nicht genügend Platz für wartende Fahrgäste.

Haltestellen "weiter chaotisch"

Frankfurt schneidet im europaweiten Fernbus-Test schlecht ab

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Bei einer europaweiten Bewertung von Fernbushaltestellen schneidet Frankfurt äußerst schlecht ab. Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Entgegen der Planungen sind die ersten Haltestellen des Fernbusbahnhofs am Hauptbahnhof immer noch nicht fertig.

Angespannt war die Situation für Fernbusreisende an den Haltestellen südlich des Hauptbahnhofs schon immer. Kleine Maßnahmen der Stadt wie eine bessere Beschilderung haben keine durchgreifende Verbesserung gebracht. Seit kurzem hat sich die Lage sogar noch verschärft: Auf dem früheren Parkplatz wird ein Hotel gebaut, durch die Baustelle haben Fußgänger und wartende Fahrgäste noch weniger Platz als bisher, geraten darüber hinaus Baufahrzeugen ins Gehege. Sitzgelegenheiten und Regenschutz gibt es nach wie vor nicht.

Da ist das Ergebnis der aktuellen Haltestellenstudie des Unternehmens Flixbus nicht verwunderlich. Der Marktführer im Fernbusverkehr in Deutschland hat im Mai und Juni mehr als 40 000 Fahrgäste gebeten, die Ausstattung der Haltestellen in europäischen Städten zu bewerten. Frankfurt hat darin äußerst schlecht abgeschnitten und steht auf der Flop-Liste der schlechtesten deutschen Haltestellen ganz oben. „Frankfurt ist immer noch chaotisch“, urteilt Flixbus. Auf einer Skala von 1 („sehr schlecht“) bis 5 („ausgezeichnet“) bekam Frankfurt nur 2,3 Punkte – bundesweit bedeutet das nur Platz 89 am Tabellenende.

Noch schlechter bewerteten Fahrgäste die Situation in Deutschland nur in Kassel und Wuppertal. Mit 3,8 Punkten an der Spitze liegen Hannover und Greifswald. 47 Prozent der in Frankfurt befragten Fahrgäste kritisierten den fehlenden Wetterschutz, 44 Prozent vermissen Sitzgelegenheiten. Jeder dritte erwartet eine Toilette am Busbahnhof, 30 Prozent wünschen sich bessere Fahrplaninformationen, 22 Prozent einen Kiosk mit Snacks und Getränken. Mit 3,2 Punkten schneidet die Haltestelle am Flughafen (Terminal 2) deutlich besser ab als die am Hauptbahnhof. Schlechter sind in den Augen der Fahrgäste dort nur die Fahrplaninformationen, die 48 Prozent kritisieren.

Die Bedeutung des Fernbusverkehrs nimmt immer weiter zu. Seit vor drei Jahren das Fernverkehrsmonopol der Deutschen Bahn fiel, sind die Fahrgastzahlen in den Bussen bundesweit von 2,2 Millionen jährlich auf 25 Millionen gestiegen. Deshalb warten auch am Frankfurter Hauptbahnhof immer mehr Fahrgäste auf die Busse – unter widrigen Umständen. Bis die Mängel beseitigt werden, wird es noch eine Weile dauern. Zwar gibt es konkrete Pläne, das Chaos auf der Südseite des Hauptbahnhofs durch den Bau eines Busbahnhofs zu ordnen, doch die Arbeiten verzögern sich. Die ersten drei von insgesamt 14 überdachten Haltebuchten sollten schon im Frühjahr fertiggestellt sein, aber erst Ende Juli wurde mit den Arbeiten begonnen.

„Aufgrund technischer Probleme auf dem Areal sowie Verzögerungen bei der Bauvergabe kam es zu einer Verzögerung“, sagte Susanne Steinböck, Sprecherin des Bauherrn CA Immo. Sie stellte in Aussicht, dass die ersten drei Stationen des Busbahnhofs Ende September/Anfang Oktober in Betrieb genommen werden. Diese sollen die Haltestellen ersetzen, die sich heute in der Mannheimer Straße am Südausgang des Hauptbahnhofs befinden.

Dort wurde im Frühjahr das Parkhaus fertiggestellt, das die Voraussetzung war, um auf dem früheren Parkplatz den Busbahnhof zu erstellen. Dadurch wurde aber auch Platz gewonnen für ein Hotel, das an der Ecke Mannheimer/Karlsruher Straße entsteht. Derzeit wird die Baugrube erstellt. 2018 soll das von der Steigenberger-Gruppe betriebene Hotel fertig sein.

Kurz danach – das wird laut CA Immo Ende 2018 oder Anfang 2019 sein – kann der Busbahnhof komplett in Betrieb genommen werden. Vorher sei das nicht möglich, da die Fläche für die Baustelleneinrichtung benötigt werde und im Hotelgebäude auch die Versorgungseinrichtungen des Busbahnhofs untergebracht werden. Dazu zählen Ticketschalter, Kiosk und Toiletten. 8,5 Millionen Euro investiert CA Immo in den Busbahnhof.

Steinböck kündigt bereits für Frühsommer 2017 weitere Verbesserungen an: Dann sollen sechs bis sieben temporäre Bushaltestellen auf dem Areal in Betrieb genommen werden können, „so dass es rund um den Hauptbahnhof zu einer deutlichen Entlastung des Verkehrs kommen kann“.

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