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Auf Testfahrt mit der Handy-App "EasyPark": Entwickler Alexej Schmidt und "EasyPark"-Geschäftsführer Nico Schlegel erklären, wie es funktioniert.

„EasyPark“

Schnell einen Parkplatz finden: Handy-App hilft bei der Suche

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Wer in Frankfurt schnell einen Parkplatz finden will, kann sich jetzt digital helfen lassen: per Handy-App "EasyPark". Die lenkt den Fahrer dorthin, wo es freie Parkplätze gibt.

  • Parkplatz-Suche in Frankfurt oft frustrierend
  • Handy-App „EasyPark“ hilft bei der Suche
  • Nutzer können Parkgebühren digital zahlen

Frankfurt – Einen Schoppen petzen? Auf in die Textorstraße! Alexej Schmidt (30) gibt das Ziel "Zur Germania" in die App ein. Die zeigt den Weg nach Sachsenhausen an, die Fahrt beginnt. In der Nähe des Ziels wird der schwarze Straßenbalken farbig. Rot zeigt er an in der Textorstraße. Und signalisiert nicht etwa Stau, wie wir es aus anderen Apps kennen.

Parkplatz-Suche in Frankfurt: App „EasyPark“ zeigt nützliche Infos an

Nein, "EasyPark" zeigt an, dass die Chance auf einen Parkplatz hier gering ist. Sie nennt sogar eine Prozentzahl: fünf Prozent. Aber eine Querstraße, die Martin-May-Straße, ist gelb markiert. Schmidt setzt den Blinker nach links. Und, tatsächlich: Rechts ist ein Parkplatz frei. Und da, links, noch einer, zwei, ein dritter.

Schmidt ist einer der Entwickler von "EasyPark". Die App läuft in 1500 Städten in 19 Ländern Europas. Die Suchfunktion "Find-and-Park" gibt es seit 2018 in Stockholm, inzwischen auch in Berlin, Hamburg, Köln. "Da Frankfurt jetzt großflächige Parkraumbewirtschaftung einführt, war das Anlass für uns, die Funktion auch in Frankfurt einzuführen", erklärt "EasyPark"-Geschäftsführer Nico Schlegel (55).

Parken in Frankfurt: Über „EasyPark“ können die Gebühren bezahlt werden

Die Firma gibt es seit zehn Jahren. Kern der App ist es, dass Fahrer über sie die Parkgebühren bezahlen können. Frankfurt hatte diese Möglichkeit im November eingeführt. "EasyPark" ist einer von mehreren Anbietern. Die App ist kostenlos. Für die Transaktion der Parkgebühr zahlen die Nutzer einen Aufschlag, bei "EasyPark" 15 Prozent der Parkgebühr.

Für Autofahrer sei das Bezahlen per App lohnend, wirbt Alexej Schmidt. "Am Parkscheinautomaten überzahlt man meistens." In der App geht's genauer: Die Parkzeit lässt sich nachträglich verlängern - innerhalb der Maximalparkzeit - oder auch verkürzen.

Frankfurt: Freie Parkplätze in der Stadt eine Rarität

Doch überhaupt einen freien Platz zu finden "ist immer das größte Problem des Autofahrers", sagt Nico Schlegel. Eine digitale Lösung dafür hatte Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) bereits im Herbst angekündigt. Freilich könnten auch Sensoren in allen Parkplätzen helfen. Das würde wohl eine Millioneninvestition der Stadt notwendig machen.

"Und das wäre auch nicht viel genauer als bei uns", hätten Tests gezeigt, betont Schlegel. Bei "EasyPark" errechnet ein Computermodell, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass in einer Straße ein Parkplatz frei ist. Alexej Schmidt und seine Kollegen haben daran gefeilt, dass die Prognose verlässlich ist. Sie greifen zuvorderst auf die Nutzerdaten der eigenen App zurück, um "Referenzdaten" ergänzt. "Natürlich anonymisiert", sagt Schmidt. Je mehr Nutzer mitmachen, desto besser wird die Prognose. Mit einem kleinen "P"-Symbol zeigt die App sogar an, wenn im Umfeld ein Parkplatz frei geworden ist. "Was nicht heißt, dass er noch frei ist, bis wir da sind." Erfahrungswerte liegen der digitalen Prognose ebenfalls zugrunde, die die Macher immer wieder durch eigene Beobachtungen auf den Straßen verifizieren.

„Easypark“ in Frankfurt: Mehr App-Features sind in Arbeit

In Stockholm zeigt die App neben Parkplätzen an der Straße auch die der Parkhäuser an, auch die Bezahlfunktion für diese ist integriert. Beides möchten die Macher gern für Frankfurt ergänzen. Auch fehlen noch Informationen über Einschränkungen, etwa das Anwohnerparken. Prinzipiell aber gilt: Angezeigt werden alle Bereiche, in denen Alltagsfahrer ihr Auto gegen Obolus oder kostenlos abstellen dürfen. Wo es nicht erlaubt ist, wird der Straßenabschnitt schwarz angezeigt.

Zweites Testziel: Auf einen Kaffee zu Wackers an den Kornmarkt. Die Straßen dort sind rot, keine Chance auf einen Parkplatz. Die nächsten grünen Abschnitte zeigt die App in der Braubachstraße an. Heißt: Zu 80 bis 90 Prozent Wahrscheinlichkeit ist dort etwas frei. "Mit der App können wir die Parkplatz-Suchzeit um die Hälfte reduzieren", sagt Geschäftsführer Schlegel. Das reduziert den Park-Suchverkehr natürlich enorm.

Immer wieder sorgt die Parksituation in Frankfurt für Ärger, sei es wegen Falschparkern, hohen Gebühren oder einfach fehlenden Parkplätzen. Der Parkraum ist schlichtweg zu knapp und Lösungen fehlen. In der Nordweststadt in Frankfurt blockierten parkende Autos wichtige Rettungswege. Das Katharinen-Krankenhaus in Frankfurt fürchtete das Aus aufgrund neuer Parkgebühren. Auf der Suche nach Lösungen kommt dabei häufig der Öffentliche Nahverkehr ins Spiel. In Frankfurt sollen zum Beispiel neue Park+Ride Parkplätze eingeführt werden, um nicht nur die Parksituation, sondern auch das hohe Verkehrsaufkommen in der Stadt zu entspannen. Eine weitere Ideen sind eigene Garagen für ausgewählte Stadtquartiere

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

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