Ein Mitglied der Organisation Attac sägt in der Innenstadt symbolisch einer Figur eines Automanagers den Auspuff ab.
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Ein Mitglied der Organisation Attac sägt in der Innenstadt symbolisch einer Figur eines Automanagers den Auspuff ab.

Suche nach einem Schuldigen

Schock nach Verlust der IAA: Harte Kritik an Peter Feldmann

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
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  • Thomas J. Schmidt
    Thomas J. Schmidt
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"Unwiderrufbarer Schaden", "harter Schlag", "Imageverlust", "falsche Entscheidung": Nachdem der erste Schock über den Verlust der Internationalen Automobilausstellung (IAA) für Frankfurt verdaut war, begann auch schon die Suche nach einem Schuldigen für die Entscheidung des Verbands der Automobilindustrie (VDA).

  • IAA 2021 nicht mehr in Frankfurt
  • Oberbürgermeister Peter Feldmann in der Kritik
  • Hat die VDA einen Fehler gemacht?

Frankfurt - Der VDA hatte am Mittwoch verkündet, dass nur noch Hamburg, München und Berlin im Rennen um die Austragung der IAA 2021 sind. Die Verkündung überraschte Frankfurt, war man doch zumindest davon ausgegangen, unter die Top drei zu kommen. Schnell hatte man einen Schuldigen gefunden: Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Das Stadtoberhaupt hatte im vergangenen Jahr am Tag der Messeeröffnung eine Rede im Internet veröffentlicht, in der er die Autoindustrie kritisierte. Nach seinen Worten hätte er diese Rede nicht halten dürfen, er sei vom VDA ausgeladen worden. Das hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Zudem war die IAA von Protesten begleitet worden. Feldmann hatte sich auf die Seite der Demonstranten geschlagen.

IAA in Frankfurt: Proteste gegen die Automobilindustrie - Kritik an Peter Feldmann

Kritik kam gestern überwiegend von der CDU sowie der Opposition im Römer. "Dass Frankfurt die IAA verliert, hat sehr viel mit einem OB zu tun, der lieber Proteste gegen die Automobilindustrie unterstützt als den Wirtschaftsstandort Frankfurt. Der OB ist ein mit Amtskette geschmücktes Investitionshemmnis", schrieb etwa der Frankfurter Bundestagsabgeordnete Matthias Zimmer (CDU) in dem sozialen Netzwerk Facebook. Diese Kritik wollte der Sprecher Feldmanns, Nils Bremer, aber nicht unkommentiert so stehen lassen, deshalb antwortete er darauf: "Das ist zwar aus Sicht der CDU eine verständliche Aussage, doch leider absolut falsch. Wer glaubt, dass eine Rede dafür sorgt, dass eine IAA eine Stadt gegen eine andere tauscht, der hat weder die Lage der Auto-Industrie verstanden noch eben die Rede gelesen, in der, nebenbei bemerkt, für einen Verbleib der IAA in Frankfurt geworben wird."

„Verlust der IAA geht einzig und allein auf das Konto von Peter Feldmann“

Martin-Benedikt Schäfer, Vorsitzender der Jungen Union, aber urteilte: "Der Verlust der IAA geht einzig und allein auf das Konto von Peter Feldmann." Seiner Ansicht nach würden an der Automobilausstellung "enorm viele Arbeitsplätze" hängen - bei Messebauern, Hotels, Gastronomiebetrieben. Viele Menschen würden jetzt vor einer unsicheren Zukunft stehen. "Peter Feldmann muss als Aufsichtsratsvorsitzender der Messe nun schnellstmöglich daran mitarbeiten, neue Konzepte zu entwickeln und eine neue Messe nach Frankfurt zu holen."

Wenn es nach der FDP im Römer geht, ist Feldmann allerdings nicht mehr lange der Aufsichtsratsvorsitzende der Messe. Die Liberalen fordern seinen Rücktritt von diesem Posten. Stattdessen müsste Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen. Nur so könne man die Stadt vor einem weiteren Imageschaden bewahren, ist sich der FDP-Kreisvorsitzende Thorsten Lieb sicher. Ein entsprechender Dringlichkeitsantrag wurde gestern Abend im Stadtparlament allerdings abgelehnt.

IAA-Verlust: Feldmann „eine Belastung für Frankfurt“

Die "Bürger für Frankfurt" (BFF) gehen sogar noch einen Schritt weiter, sie fordern Feldmann gar dazu auf, von seinem Amt als Oberbürgermeister zurückzutreten. Er sei "nur noch eine Belastung für Frankfurt", teilte der BFF-Fraktionsvorsitzende im Römer Mathias Mund mit.

Feldmanns Parteifreund Mike Josef, SPD-Parteichef, sieht die Angelegenheit naturgemäß anders. Für ihn steht fest, dass sich der VDA in Richtung Berlin umorientieren will, immerhin habe der Verband dort auch seinen Sitz. "Diese Entwicklung zeichnet sich seit Jahren ab", sagte Josef. "Wir dürfen jetzt aber nicht den Kopf in den Sand stecken. Ich finde immer den Blick durch die Windschutzscheibe besser als in den Rückspiegel." Frankfurt habe jetzt die Chance, nach neuen Möglichkeiten wie einer neuen Mobilitätsschau für Elektroautos zu schauen.

Oliver Strank, stellvertretender SPD-Chef, hingegen hat auch einen Schuldigen gefunden, bei der CDU, und zwar den für Wirtschaft zuständigen Stadtrat Markus Frank. Er habe es "seit vielen Jahren versäumt, die Zeichen der Zeit zu erkennen und Frankfurt mit starken Smart-Mobility-Komponenten fit für die Zukunft zu machen".

IAA nicht mehr in Frankfurt: Hat der VDA einen Fehler gemacht?

Jessica Purkhardt, Fraktionschefin der Grünen im Römer, findet es nicht angebracht, irgend jemandem die Schuld zu geben. "Das ist zu kurz gesprungen", sagte sie. "Der VDA hat so entschieden und einen Fehler gemacht."

Und was sagt der Oberbürgermeister selbst zum Verlust der IAA? "Es gab Gründe, die nicht lokal sind", sagte Feldmann gestern im Stadtparlament. Der Verband der Automobilindustrie habe einen anderen, neuen Standort gewollt. Damit mache es sich der VDA allerdings einfach. Die Autofirmen hätten immer größere Fahrzeuge auf die Straße gebracht, und nun suche der Verband, nachdem Kritik laut wurde, nach einer neuen Ausrichtung in einer neuen Stadt. Aber: "Manchmal hat man die Dinge eben nicht in der Hand."

Von Julia Lorenz und Thomas J. Schmidt

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