Erfreulich viel los war gestern auf der Berger Straße. Während der Corona-Pandemie haben viele Frankfurter die kleinen Läden vor der Haustür unterstützt und für sich neu entdeckt. Daran will nun die neue Kampagne „MainViertel“ der Gewerbevereine anknüpfen.
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Erfreulich viel los war gestern auf der Berger Straße. Während der Corona-Pandemie haben viele Frankfurter die kleinen Läden vor der Haustür unterstützt und für sich neu entdeckt. Daran will nun die neue Kampagne "MainViertel" der Gewerbevereine anknüpfen.

Handel

Schöner shoppen in Frankfurt: „Die Stadt kommt ins Rollen“

  • Judith Dietermann
    VonJudith Dietermann
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Gewerbevereine locken mit der Kampagne „MainViertel“ Kunden in den kleinen Laden um die Ecke in Frankfurt.

Frankfurt – Es waren eineinhalb schwierige Jahre für den Einzelhandel, die Gastronomie und das Handwerk. Zugleich aber auch ein Gewinn. Vielleicht nicht für die Innenstadt von Frankfurt, 58 Geschäfte stehen dort aktuell leer, dafür aber für die Stadtteile. Weil die Menschen bemerkt haben, dass sie viele Dinge direkt vor Ort erledigen können, statt dafür auf die Zeil oder ins Einkaufszentrum zu fahren oder sich gar durch das Internetangebot zu klicken.

Eine Entwicklung, an die der Dachverband der Frankfurter Gewerbevereine mit seiner Kampagne „MainViertel“ anknüpft. „Ihren Charme und ihre Liebenswürdigkeit hat die Stadt in den Stadtteilen“, sagte Ernst Schwarz, Vorsitzender des Dachverbandes bei der gestrigen Präsentation der Kampagne, die sich durch die gesamte Mainmetropole zieht. Möglich war dies mit der finanziellen Unterstützung der Stadt.

Stadtteile in Frankfurt lebenswert mit 3H-Regel: Handwerk, Handel und Hunger

Erst 50.000 und dann noch einmal 100.000 Euro steuerte sie bei. Die Mittel stammen aus den Einnahmen des Tourismusbeitrags. Und so prangen auf 630 Litfaßsäulen die Plakate des Gewerbevereins, 16 Busse fahren sie durch die Stadt. Darauf abgebildet sind Menschen aus Frankfurt. Aus Politik und Prominenz, wie Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) oder Bärbel Schäfer, aber auch die Wirte, Einzelhändler sowie die Menschen, die in den Stadtteilen leben. Sie alle beantworten die Frage, warum sie ihr Viertel lieben. Aus diesen Aussagen setzt sich ein Mosaik der Vielfalt zusammen. So vielfältig wie die Stadt.

Bereits vor drei Jahren, als noch niemand an Corona oder Lockdowns dachte, sagt Ernst Schwarz, habe man mit der Entwicklung der Kampagne begonnen. Mit dem Ziel, den Fokus von der Innenstadt auf die Stadtteile zu lenken. „Doch dann kam alles anders, wir mussten umdenken und die Kampagne überarbeiten. Von der die Innenstadt jetzt sogar Teil ist“, sagte er. „Handwerk, Handel, und Hunger“, das ist die 3H-Regel der Aktion. „Man sollte lokal einkaufen, wenn es geht. Auf den Handwerker von nebenan zurückgreifen und auch das Essen im Lokal um die Ecke genießen. So hilft man, dass die Stadtteile lebens- und liebenswert bleiben“, erklärt Schwarz.

Shoppen in Frankfurt: „Die Stadt kommt ins Rollen“

„Die Stadt kommt ins Rollen. MainViertel ist wie ein Räderwerk zur Reaktivierung der Stadtteile“, sagte Peter Feldmann, der zugleich eine vorsichtige Prognose abgab, wann das Vor-Pandemie-Niveau wieder erreicht werden könnte. Frühestens 2023, so das Stadtoberhaupt. Kurz vor der Sommerpause habe er erstmals gespürt, dass die Menschen in der Stadt wieder optimistisch in die Zukunft blickten. „Ich kann auch die Meckerer verstehen, die ihre Corona-Hilfen vom November erst im März erhalten haben. Aber auch sie denken jetzt um und suchen sich neue Wege. Wir müssen flexibel sein und die Stadt hilft weiter dabei“, versprach Feldmann und spielte damit auf die Möglichkeit der Ausweitung der Außengastronomie teilweise bis auf die Straße an.

Lob für die Kampagne gab es vor allem aus den Stadtteilen. Wie von Franz Steul, Vorsitzender des Gewerbevereins Bornheim-Mitte. „Es ist toll, dass wir endlich damit starten können. Die drei Jahre Vorbereitung haben sich wirklich gelohnt“, sagte er. Nicht weniger lobend an Ernst Schwarz und seinen Vertreter Kaweh Nemati, die das Projekt ehrenamtlich stemmten, waren die Worte aus dem Frankfurter Süden. „MainViertel ist eine super Sache und eröffnet uns die Möglichkeit, uns auch überregional zu präsentieren“, sagte ein Vertreter des Gewerbevereins Brückenviertel aus Sachsenhausen.

Alle Infos zur Kampagne

Mehr Informationen auf der Webseite der Aktion.

Shoppen in Frankfurt: Kampagne geht weiter

Die jetzt angelaufene Plakataktion ist übrigens nur der Anfang. Denn es geht weiter, versichert Schwarz. So seien Aufkleber mit dem Logo und dem geliebten Stadtteil geplant, ebenso wie Bierdeckel und Jutebeutel. Und auch in den sozialen Medien, über Facebook, Instagram und Youtube sowie Fernsehspots will der Dachverband aktiv werden. "Wir wollen das Wir-Gefühl wieder wachrütteln und die Menschen in die Stadtteile locken", sagt Schwarz. (Judith Dietermann)

In Frankfurt werden Bummler von überall nicht nur durch Rabatte auf die Zeil gelockt. Für manche wird der Urlaub durch Shopping-Touren ersetzt.

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