Schottergärten, auch „Gärten des Grauens“ genannt, sind aus ökologischer Sicht nicht sinnvoll.
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Schottergärten, auch „Gärten des Grauens“ genannt, seien aus ökologischer Sicht nicht sinnvoll, monieren Kritiker. Das sieht nun auch die Stadt Frankfurt so – und will sie verbieten.

Neue Satzung geplant

Pflanzen statt Kies in Frankfurt: Magistrat will private Schottergärten verbieten

  • Julian Dorn
    VonJulian Dorn
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Der Magistrat in Frankfurt will zukünftig mehr Grün und keine Schottergärten mehr. Was ein Verbot bedeuten könnte – und wer betroffen ist.

Frankfurt – Kieselbeete und Betonstelen statt Osterglocken und Tulpen: In vielen Wohngebieten dominiert die Farbe Grau. An den Schottergärten vor und hinterm Haus scheiden sich die Geister. Die einen argumentieren, dass sie weniger Arbeit machten als begrünte Flächen, andere schimpfen, dass diese Gärten schlecht für das Klima seien.

Auch der Magistrat in Frankfurt hält die Kiesgärten nicht für sinnvoll – und will sie zukünftig verbieten. Das steht im Entwurf der Freiraumsatzung, auf den sich die Stadtregierung geeinigt hat. Die Stadtverordneten werden noch darüber beraten und abstimmen. In Baden-Württemberg gilt bereits ein landesweites Verbot von Schottergärten. Bayern überlässt laut Landesbauordnung die Entscheidung den Kommunen. Erlangen und Würzburg haben Kies und Beton in Gärten bereits untersagt.

Frankfurt: Verbot von Schottergärten soll bald kommen

Wird nun auch in Frankfurt eine solche Regelung verabschiedet, dann bedeutet sie das Aus für Schottergärten auf Privatgrundstücken. Auch der Versiegelung privater Vorgärten sowie meterhohen Sichtzäunen oder künstlichen Pflanzen aus Plastik hat der Magistrat am Freitag (17.09.2021) eine klare Absage erteilt. „Stattdessen soll es mehr Grün in den Vorgärten, in den Hinterhöfen, auf Haus- und Garagen- oder Carportdächern geben“, teilte die Stadt mit.

Im Frühjahr hatten Umweltdezernentin Rosemarie Heilig und Planungsdezernent Mike Josef das gemeinsame Konzept ausgearbeitet. So sollen künftig auch geeignete Dachflächen und Teile der Fassade begrünt werden. 

Stadt Frankfurt will Schottergärten verbieten: Neue Satzung soll dem Klimaschutz dienen

„Wir haben in drei Dürresommern erlebt, wie stark sich die Stadt aufheizen kann“, begründet Stadträtin Heilig den Beschluss gegen Schottergärten. Denn: An heißen Tagen erhitzen sich die Steine, geben die Wärme nachts allerdings nur langsam ab. Die Folge: Die Temperatur sowohl tagsüber als auch nachts bleibt hoch. Zu einer richtigen Abkühlung, wie auf dem Land, kommt es nicht. Hinzu kämen ein verbesserter Schallschutz oder die Bindung von Luftschadstoffen, nennt Heilig weitere Vorteile grüner Gärten gegenüber Kiesbeeten.

Sie ist überzeugt: „Die neue Satzung wird das Stadtbild aufwerten, das Stadtklima verbessern und einen wertvollen Beitrag zur Artenvielfalt leisten.“ Wegen Schottergärten fehlen Pflanzen, die wiederum Insekten und Vögeln Nahrung, Versteckmöglichkeiten und Nistplätze bieten. 

Ein Verbot werde aber auch gegen eine Gefahr des Klimawandels helfen, meint Heilig, „den Starkregenereignissen, denn mit der Satzung beugen wir auch einer zunehmenden Versiegelung der Flächen vor.“  

Keine Schottergärten mehr in Frankfurt: Wer sich nicht daran hält, dem droht ein hohes Bußgeld

Stadtrat Josef beruhigt jedoch zugleich: Die neue Satzung gelte nur für Neu- und größeren Umbauten, „daher muss jetzt niemand alles umbauen.“ Wer sich jedoch nicht an die neuen Regeln hält, sollten sie denn in Kraft treten, dem droht ein Bußgeld von bis zu 15.000 Euro.

Gut 30 Prozent des rund 248 Quadratkilometer großen Frankfurter Stadtgebiets werden derzeit von Gebäude- und Grundstücksfreiflächen eingenommen. Schon jetzt ist gesetzlich geregelt, dass Grundstücke Wasser versickern lassen müssen. Das schreibt die Hessische Bauordnung vor – ohne jedoch Umfang und Qualität der Bepflanzung zu definieren, erläutert der Magistrat. Auch die bestehende Frankfurter Vorgartensatzung habe nicht ausgereicht, die Ziele klar zu definieren, meint die Stadtregierung.

Drohendes Verbot von Schottergärten in Frankfurt: Auch andere Städte prüfen Verbote

Diese macht zwar klare Angaben dazu, dass Flächen vor den Häusern gärtnerisch gestaltet sein müssen. Allerdings reiche die nicht aus, findet die Verwaltung. Deswegen entschied sich der Magistrat dazu, eine neue Satzung auszuarbeiten, um die Regelungslücken zu schließen. Die Stadtverordneten müssen nun darüber noch abstimmen.

In Hofheim hat die Politik den Kiesbeeten zwar auch den Kampf angesagt, auf ein Verbot der Hofheimer Schottergärten konnten sich die Stadtverordneten allerdings noch nicht einigen. Auch über die Steingärten in Limburg wird bereits diskutiert. (Julian Dorn)

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