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Mit dem Bus reisen viele Schüler auf Klassenfahrt ins Ausland. (Symbolbild)

So reisen die Schüler heute

So verreisen Frankfurter Abiturienten

Die Schüler der Carl-Schurz-Schule machen ihre Klassenfahrt auf einem Kreuzfahrtschiff. Doch wo zieht es die Schüler anderer Gymnasien hin?

Frankfurt - Die Oberstufenschüler des Elisabethen-Gymnasiums im Nordend haben es schon hinter sich: Bereits in der ersten Septemberwoche waren die Jugendlichen auf Abschlussfahrt mit ihren Leistungskursen – in London und Amsterdam. Dort haben sie sich gemeinsam mit ihren Kursleitern viele Sehenswürdigkeiten und Museen der Großstädte angeschaut. Und wie sind sie dorthin gekommen? „Nach Großbritannien sind die Schüler geflogen, in die Niederlande sind sie mit dem Zug gefahren“, sagt Schulleiter Stefan Neureiter. 

Wie eine kleine, stichprobenartige Umfrage an Frankfurts Gymnasien zeigt, führen die meisten Abschlussfahrten in das nahgelegene europäische Ausland. Das Gros der Ziele ist mit Bus und Bahn zu erreichen, es wird aber auch geflogen. Die Abschlussfahrt einiger Carl-Schurz-Schüler, die mit dem Kreuzfahrtschiff Aida von Kiel aus nach Oslo und Kopenhagen führt, bleibt eine Ausnahme. Diese Reise sorgte in den vergangenen Tagen allerdings für viel Kritik, gelten die riesigen Dampfer in Zeiten des Klimawandels doch aufgrund ihres CO2-Ausstoßes als Dreckschleudern. 

Frankfurt: Schüler auf Klassenfahrt - Klassen reisen oft mit Bus oder Bahn

„Ich will ehrlich sein: Ich finde diese Abschlussfahrt ziemlich daneben“, sagt Stadtschülersprecher Paul Harder. Er sieht darin keinen Sinn und ist der Meinung, dass es für einen Mathe- und Physikleistungskurs tausend Alternativen gegeben hätte, die man stattdessen hätte machen können. „Diese Fahrt konterkariert das Engagement aller Carl-Schurz-Schüler, die bei ,Fridays for Future’ aktiv sind und sich jeden Freitag für einen besseren Klimaschutz einsetzen“, so Harder. „Ich hoffe aber, dass man daraus lernt und dass nie wieder eine Schule auf die Idee kommt, eine Klassenfahrt auf dem Kreuzfahrtschiff zu machen.“ 

Den Schüler des Höchster Friedrich-Dessauer-Gymnasiums selbst führt es in zwei Jahren zu seiner eigenen Abschlussfahrt nach Berlin – mit dem Zug oder dem Bus. Für die Oberstufenschüler des Gymnasiums Riedberg geht es in diesem Jahr überwiegend mit dem Flugzeug auf Reisen. So fliegen die Leistungskurse unter anderem nach Lissabon, Sizilien und Malta. 

Frankfurt: Klassenfahrt mit Kreuzfahrtschiff sorgt für Kritik - Andere Schulen fliegen 

Gut für den persönlichen ökologischen Fußabdruck ist dies allerdings ebenfalls nicht. Nicht nur Kreuzfahrtschiffe stehen in der Kritik, auch das Fliegen gilt als Umweltsünde. So berechnet die Klimaschutzorganisation „Atmosfair“, auf deren Homepage man die Emission von Treibhausgas für Flug- und Fernbusreisen sowie Kreuzfahrten kompensieren kann, etwa für einen Flug von Frankfurt nach Lissabon hin und zurück einen Ausstoß von 776 Kilogramm CO2 pro Passagier. Auf einem Flug von Frankfurt nach London und zurück werden 307 Kilogramm CO2 pro Person ausgestoßen. Für eine Kreuzfahrt von Kiel über Oslo und Kopenhagen kommt „Atmosfair“ auf einen Ausstoß von 1500 Kilogramm CO2 pro Passagier und Woche. 

Da die Schüler der Carl-Schurz-Schule aber nur vier Tage an Bord des Kreuzfahrtschiffs sind, rechnet die Schule mit einem Ausstoß von 600 Kilogramm CO2 pro Person. Genau für diesen Betrag hätten Lehrer wie Schüler Umweltzertifikate bei „Atmosfair“ eingekauft, teilt die Schule mit. „Wir versuchen, auf Flugreisen zu verzichten“, sagt Harald Stripp, Leiter der Max-Beckmann-Schule in Bockenheim. In der gymnasialen Oberstufe werde derzeit darüber diskutiert, wie man die Klassenfahrten in Zukunft gestalten sollte. „Wir wollen ökologisch verträglich reisen“, so Stripp. In diesem Jahr würden die Leistungskurse nach Barcelona, Florenz, Avignon und Hamburg fahren. Der Englisch-Leistungskurs fliege nach Schottland (rund 550 Kilogramm CO2). 

Frankfurter Schüler auf Abschlussfahrt - Mit dem Bus in Neapel

Auch für die Oberstufenschüler des Goethe-Gymnasiums im Westend geht es in der kommenden Woche auf Studienfahrt. Sie fahren in die Bretagne und nach Budapest. Ein Kurs fliegt nach Dublin (609 Kilogramm CO2), ein anderer nach Riga (692 Kilogramm CO2). „Wir fahren aber auch oft mit dem Bus, auch weite Strecken“, sagt Schulleiter Claus Wirth. So sei er im vergangenen Jahr mit den Schülern zur Abschlussfahrt mit dem Bus in Neapel gewesen, um auf den Spuren Goethes zu wandeln. „Die Schüler waren angesichts der langen Busfahrt erst nicht begeistert“, so Wirth. Doch er konnte sie überzeugen. „Goethe musste einst noch mit der Kutsche fahren. Das hatte noch länger gedauert.“

Von Julia Lorenz 

Das die Schüler der Carl-Schur-Schule ihre Abschlussfahrt auf einem Kreuzfahrtschiff verbringen, stößt auf viel Kritik. Es gibt jedoch auch einige Unterstützer. 

Apropos CO2: Am Flughafen Frankfurt haben sich mutmaßliche CO2-Betrüger gestellt. Sie sollen 136 Millionen Euro Umsatzsteuer hinterzogen haben. 

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