+
Uwe Gehrmann, Leiter der IGS Süd in Sachsenhausen. An der Gesamtschule im Aufbau gibt es noch keine Abschlussklassen, aber auch für die anderen Kinder muss es schließlich in absehbarer Zeit weitergehen. „Ich warte darauf, dass uns das Amt mitteilt, was passieren wird.“

Zur Wiederöffnung

Frankfurt: Schulen fühlen sich in Corona-Krise alleingelassen

  • schließen

Die Schulen in Frankfurt öffnen wieder. Aber viele fühlen sich mit der Situation alleingelassen und warten auf Anweisungen der Behörden.

  • Schulen in Frankfurt sind ab Montag wieder geöffnet
  • Verantwortliche kritisieren die Entscheidung, Schulen zu öffnen
  • Stadt Frankfurt arbeitet nach eigenen Angaben an Lösungen für die Schulen

Frankfurt - Am 27. April wird wohl an Hessens Schulen nicht unbedingt wieder Normalität einkehren. Doch die Schüler kehren zurück. Zumindest ein Teil. Wegen der Corona-Krise hat seit dem 16. März kein regulärer Unterricht stattgefunden. Nun werden auch Schulen langsam wieder geöffnet. Doch unter Eltern und Lehrern herrscht noch jede Menge Ungewissheit.

Rund 160 000 Schüler in Hessen haben also vom 27. April an wieder Präsenzunterricht. In Frankfurt werden im allgemeinbildenden Bereich circa 9500 Schüler erwartet, im Beruflichen Bereich sind es etwa 8000. Diese gehen in die Abschlussklassen von Haupt-, Real- und Berufsschulen, dazu kommen die vierten Klassen der Grundschulen. Auch für die Klassen 12 und 11 bei G 8 geht es wieder los. Abiturienten dagegen müssen zu den mündlichen Prüfungen erscheinen.

Frankfurt: Schulen während Corona-Krise im Schichtbetrieb?

Es gelten verschärfte Abstands- und Hygienebedingungen: Die maximale Gruppengröße soll bei rund 15 Schülern liegen. Vorgeschrieben sind außerdem 1,5 Meter Mindestabstand. Wie genau das im Schulalltag umzusetzen ist, wird sich zeigen. „Wir sind im völlig luftleeren Raum“, sagt beispielsweise Uwe Gehrmann, Schulleiter der IGS Süd in Sachsenhausen. An der Gesamtschule im Aufbau gibt es zwar gerade noch keine Abschlussklassen, die ab dem 27. April unterrichtet werden, aber auch für die anderen Kinder muss es schließlich in absehbarer Zeit weitergehen. 

Alle Entwicklungen der Corona-Krise in Frankfurt gibt es in unserem News-Ticker

„Ich warte darauf, dass uns das Amt mitteilt, was passieren wird.“ Der Unterricht über das Internet funktioniere, langsam gebe es aber ein Motivationsproblem. Wie eine Klasse von 30 Kindern unterrichten, von denen sich aber nur 15 in einem Raum aufhalten dürfen? „Ich könnte mir einen Schichtbetrieb vorstellen“, sagt Gehrmann.

Frankfurt: Infektionsschutz in Schulen gewährleisten

Ein weiteres praktisches Problem: Infektionsschutz muss auch in den Schulen gewährleistet sein. Auf die Frage, ob es denn genug Vorrat gibt, antwortet der Direktor: „Da lache ich. Wie jetzt so viele Masken und Desinfektionsmittel besorgt werden sollen - da fehlt mir jegliche Fantasie.“ Das sei schon bei normalen Grippewellen in der Vergangenheit schwierig gewesen. „Das wird ein großes Problem werden.“

Darauf angesprochen teilt ein Sprecher der Stadt Frankfurt als Träger von 164 städtischen Schulen mit, dass momentan fieberhaft an einer zeitnahen und praktischen Lösung dieser Probleme gearbeitet werde. Eine Frankfurter Lehrerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, macht sich Sorgen. „Meine Arbeitszeit war schon nur mit der Vorbereitung und dem Feedback des digitalen Unterrichts gut gefüllt. Wie ich jetzt in den Kursen in der Schule unterrichten soll und dann auch noch die Schüler daheim betreuen soll, weiß ich nicht.“ Es gebe kein einheitliches Vorgehen, die Schulen würden mit den neuen Vorgaben alleingelassen. „Es gibt Pläne, wie wir die nächsten zwei Wochen vorgehen sollen. Danach ist alles unklar. So ist es schwierig, Unterricht überhaupt sinnvoll zu planen.“

Frankfurt: Erst Hygienekonzept für Schulen, dann Öffnungen

Auch Rafaela Hartenstein, Vorsitzende im Gymnasialausschuss im Stadtelternbeirat, ist noch ratlos. „Wir sind mit der Situation nicht glücklich“, sagt sie. „Die Kommunikation seitens des Kultusministeriums über die Schulämter an die Schulen war bisher insgesamt spärlich und zäh.“ Das Homeschooling habe bislang eher „leidlich geklappt“, unter anderem deshalb sei man froh, dass die Schulen demnächst wieder teilweise öffnen. Trotzdem habe man im Stadtelternbeirat „große Bauchschmerzen“. In Geschäften werden Sicherheitsabstände vorgeschrieben, die unter den räumlichen Gegebenheiten in Schulen schwierig einzuhalten seien.

„Wie wird der Mindestabstand in Klassenräumen geleistet, wenn die selbst bei verringerter Klassengröße zu klein sind? Spätestens in den Pausen oder beim Ankommen gibt es vorhersehbar Engpässe.“ Außerdem teilt sie die Erfahrung von Schulleiter Gehrmann, dass die Versorgung mit Seife und Papiertüchern schon vor der Pandemie ein Problem gewesen sei. Von Masken ganz zu Schweigen. Hartmann plädiert für ein passendes Hygienekonzept vor der Öffnung.

Frankfurt: Schüler sind ebenfalls belasted

Für die Schüler sei die Situation ebenfalls belastend. „So viel Trubel und Unruhe, ich kann jeden Schüler verstehen, der da nicht glücklich ist.“ Noch schwieriger seien die Umstände für Inklusions-Kinder, die zum Teil auf enge physische Unterstützung angewiesen seien und etwa eine Eins-zu-Eins-Betreuung brauchen.

„Ich appelliere dringend an die Politik, da zeitnah praktikable Lösungen zu finden. Wir als Eltern fühlen uns allein gelassen. Die Unterstützung durch die Politik ist gerade sehr dürftig. Ich würde mir wünschen, dass die Stadt und das Land Hessen mehr helfen und wir frühzeitig in die Überlegungen eingebunden werden.“ 

agr

Die Schulen in Frankfurt stehen nach einer langen Corona-Zwangspause wieder in den Startlöchern. Ihre Konzepte sind teils recht unterschiedlich. 

Auch Zahnärzte arbeiten sehr nah am Menschen. Auch Alfonso Padilla in seiner Praxis in der Goethestraße in Frankfurt*. Das ist in Corona-Zeiten nicht ohne Risiko.

Die Club-Kultur in Frankfurt steht wegen der Corona-Krise am Abgrund. Es drohen Insolvenzen, die Soforthilfen sind längst aufgebraucht.

Günther Benzkirch will mit seiner Metzgerei in Frankfurt-Griesheim in Corona-Zeiten* „so etwas wie Tante Emma“ in seiner Siedlung sein. Dazu gehört auch Klopapier.

*fr.de, fnp.de und op-online.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare