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Auf dem Schulhof der Ernst-Reuter-Schule ging’s hoch her.

Prozess

Schulhofgerangel an der Ernst-Reuter-Schule in Frankfurt: Im Schwitzkasten des großen Bruders

In Frankfurt gibt es einen Prozess gegen einen jungen Mann, der die Familienehre auf dem Schulhof retten wollte.

Es war vermutlich eines der üblichen Schulhofgerangel, das sich am 29. Oktober 2018 in der ersten großen Pause in der Ernst-Reuter-Schule abspielte: Man guckt, man hat keinen Respekt, man verteilt wechselseitig ein paar Respektschellen, man hat Respekt, alles gut. Als gesichert kann lediglich gelten, dass Tayfun (14) und Lorik (15) daran beteiligt waren, und zwar nicht auf derselben Seite.

Es war dann ein eher unübliches Gerangel, das sich in der zweiten großen Pause abspielte. Denn mittlerweile hatte Tayfun zwecks Ehrwiederherstllung seinen großen Bruder Hasan (24) telefonisch in die Schule geordert, und der brachte zur Verstärkung gleich noch einen Bruder und einen Kumpel mit. Er ließ sich von Tayfun Lorik zeigen, nahm den Respektlosen alsdann in den Schwitzkasten und schlug ihm vor, das Schulgelände zu verlassen und die Sache „außerhalb zu klären“. Die Klärung wurde von Loriks Klassenlehrer verhindert, der sich vor seinen aus dem Schwitzkasten entflohenen Schüler stellte und die drei Rächer des Schulhofs verwies. Was diese dann – nicht ganz ohne Diskussionsbedarf – auch taten.

Nun ist das alles kein großes Drama. Einen dauerhaften Schaden hat der Schwitzkasten nicht angerichtet, und Hasan ist bloß wegen versuchter Körperverletzung angeklagt. Aber so richtig einsichtig zeigt er sich nicht: Der arme Tayfun habe so bitterlich geweint, als er ihn angerufen haben, und der Lorik habe so ein freches Maul gehabt, als er ihn auf dem Schulhof zur Rede gestellt habe, und in den Schwitzkasten genommen habe nicht er ihn, sondern sein Kumpel, der leider gerade im Urlaub sei. Auch sein Bruder könnte das bestätigen, wenn der nicht gerade im Knast säße.

Nie wieder in eine Schule

Dabei geht es für Hasan um viel. Seine jüngste Verurteilung durch das Landgericht – welche, wird in der Verhandlung nicht weiter präzisiert – wird gerade vom Bundesgerichtshof geprüft, im besten Falle kann Hasan auf eine zweijährige Bewährungsstrafe hoffen. Sollte er aber hier verurteilt werden, dann wäre diese Bewährung perdu. Nachdem die Richterin diesen Sachverhalt eindrücklich erläutert hat, strömt urplötzlich aufrichtige Reue durch Hasan. „Es tut mir wirklich wahnsinnig leid“, sagt er, das klingt noch nicht sehr glaubhaft, aber danach schwört er bei allem, was ihm heilig sei, nie wieder einen Fuß in eine Schule zu setzen, egal wie viele Brüder ihn auch anrufen würden, und das klingt schon ein wenig glaubhafter.

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Weil nun die Tat aber nicht so gravierend war, dass man Hasan deshalb ein Leben in Freiheit nehmen will, wird das Verfahren eingestellt. Hasan soll 500 Euro an den Förderverein der Schule und 100 Euro an Lorik zahlen. „Wir verzichten!“, kräht Loriks Vater, der seinen Sohn zum Gericht begleitet hat, fröhlich aus dem Zuschauersaal. Der Förderverein bekommt daraufhin 600 Euro. Und Lorik macht ganz kurz den Eindruck, als würde er seinen alten Herrn gerne mal kurz in den Schwitzkasten nehmen.

Von Stefan Behr

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